Da wohl kein Menschenkind die Lunge

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Johann Georg Scheffner: Da wohl kein Menschenkind die Lunge Titel entspricht 1. Vers(1778)

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Da wohl kein Menschenkind die Lunge
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Zu seiner Nebenchristen Ruhm
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Je überhitzt, so springt man drum
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Mit Engeln selbst nicht besser um,
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Und spricht: es geh' von Satans Zunge
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Kein wahres Wort, doch ich will zu der Wahrheit Ruhm
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Durch folgende Geschichte zeigen,
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Sie sey auch selbst den Teufeln eigen.

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Der Himmel, der die Ehen schließt,
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Gab Carveln einst Trotz seiner grauen Haare,
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Und seiner höchst verlegnen Waare
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Den Einfall ein, der oft beym Jüngling mislich ist,
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Ein junges Weib, das seines Durstes sich zu schämen,
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Gar nicht gesonnen war, zu nehmen.
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Zwar hoft er ganz getrost sein Kätchen würde sich
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Aus treuer Zärtlichkeit zum Fastentisch bequemen,
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Doch statt des Wörtchens
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Das vor der Stirn ihm stand, stand zu Hans Carvels Jammer
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Ein andres Wort vor Kätchens Herzenskammer;
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Und Carvel sann drum Tag und Nacht
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Auf Mittel um sein Haupt für Unglück zu behüten:
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Allein stets zog er Rathhaus Nieten,
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Und selbst ein kleiner Rausch, der Herzen freudig macht
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Half Carveln nicht. Um Kätchens Fleisch zu quälen,
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Und zur Erbauung ihrer Seelen
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Ließ ers indessen nicht an guten Lehren fehlen,
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Doch da er bloß die künftgen Gaben prieß,
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Und gar kein zeitlich Pröbchen wieß;
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So ward durch die Gardienenpredigt
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Sie nicht erbaut, und er nicht seiner Angst entledigt.
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Sein Leben war nunmehr Ein böser Traum,
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Selbst wenn er Kätchen sah so glaubt er kaum –
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Und Thomas, der auch ehr nicht glaubte
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Bis seines Meisters himmlische Geduld
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Ihm eine Wundenprob erlaubte,
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Das war sein Mann. Ganz ohne Kätchens Schuld,
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Die nie ihn weckte, denn wozu wärs nütz gewesen,
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Wer kann von Dornen Trauben lesen?
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Schlief er nie fest – Als er nun einst so schlief,
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Dünkts ihm, daß Asmodi ihn rief,
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Und sprach: »nimm diesen Ring, so lange
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Er dir am Finger sticht,
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Sey, Carvel, dir nicht bange,
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Daß man in deinen Garten bricht« –
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O Gott bezahl es dir! schrie hier der gute Alte;
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So werd ich denn wenn ich den Ring behalte,
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Doch wieder meines Lebens froh –
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Und als er dies so eifrig dachte,
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Daß er entzückt davon erwachte,
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Da stach sein Finger – Rathet wo?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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