Schön wie die blühende Natur jetzt ist

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Johann Georg Scheffner: Schön wie die blühende Natur jetzt ist Titel entspricht 1. Vers(1778)

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Schön wie die blühende Natur jetzt ist
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Da sie der Frühling lächelnd grüßt;
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So schön warst Du mein Mädchen an dem Tage
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Als mir Dein Kuß auf meines Kußes Frage
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Die schönste Antwort gab – Dort schlägt die Nachtigal
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Im Weidenbusch im bachdurchschlungnen Thal:
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Ihr unnachahmlich Lied singt Freude und Entzücken
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Ins Herz, und doch dringt keiner Nachtigal Gesang
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So tief ins Herz, wie der Kuß drang.
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Verschämt um einer Saat von Küßen auszuweichen
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Bogst, du für mich zum größern Glück,
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Mit Mädchenheucheley den Nacken schlau zurück –
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Doch konnten gleich den Mund die Küße nicht erreichen
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So fiel doch keiner auf ein undankbares Feld –
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Sie trafen in das Thal, wo Venus Courtag hält,
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Und auf die Hügel, die der Liebe Segen schwellt.
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Ein mächtiges Entzücken
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Durchschaurte mich als ich in deinen Blicken
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Ein
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Ha! Mädchen Deine Wangen blühten
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Roth, wie die Lippen die vom Kuße glühten,
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Der Perlenreihen traf, die, wenn Dein Mund mir lacht
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Und Amor Dir, ins Kinn ein Grübchen macht,
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Der Lippen Purpur sanft erheben,
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Und Deinem Lächeln neue Reitze geben.

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Schön ist der May in seinem Veilchenkrantze,
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Wenn er für Grazien zum Reihentanze
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Gefilde schmückt, warm die mondhelle Nacht,
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Und liederreich den Morgen macht!
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Doch himmlischer wenn er in Mädchenbusen
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Den Keim der Liebe streut, zum Aufblühn treibt,
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Und wenn des Jünglings Aug an diesen Busen,
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So wie sein Herz gefesselt, bleibt,
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Wenn er die weiße Brust dann wallen,
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Und simpathetisch fühlen lehrt,
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Und bey dem Brautgesang der Nachtigallen
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Des Jünglings Muth, des Mädchens Sehnsucht mehrt.

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Hör' wie er träufeld rauscht der Frühlingsregen
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Sanft zittert unter ihm der Büsche neues Kleid;
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So Mädchen zittern deine Locken, wenn der Segen
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Entzückender wollüstger Zärtlichkeit
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Das Balsammooß des Rosenthals erfrischet,
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Und mit dem eignen Thau des Rosenthals sich mischet.
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Wenn mild der Wolken Schooß die Hügel übergießt,
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Dann wird der Rand der Thäler blumenreicher,
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Und auf dem Klee, der dichter sprießt,
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Ruht dann der Wanderer erquickender und weicher:
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Wenn auf den kleinen Höh'n in Deines Thales Schooß,
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Der Regen Amors fällt, dann wächst das Mooß
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Duftreicher, krauser um die heilge Grotte
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Und wird zum netten schatt'gen Myrthenhayn,
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Wo nakte Grazien dem Liebesgotte
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Um seinen Altar Bluhmen streun,
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Und wo die ganze Schaar, wenn sie sich satt gegauckelt,
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Und wo Citherens loser Sohn,
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Wenn ihn in seiner Mutter Phaeton
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Die muntern Spatzen müd geschaukelt,
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Viel sanfter schläft und sich zum neuen Spiel
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Viel ehr erholt als auf dem weichsten Atlasphühl.

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Himmelvolle Augenblicke,
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Wenn die Sonne heitrer Blicke
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Jüngling deine Adern schwellt!
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Himmelvollre wenn der Seegen
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Amors, wie ein Perlenregen
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Aufs gespaltne Erdreich fällt.

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Wie aus dem tiefsten Schlaf und süßten Traumgesicht
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Des Jünglings Kuß sein Mädchen wecket,
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Wie dann wenns schönste Aug halb Schlaf halb Wollust bricht,
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Er ihr den Arm sanft um den Nacken flicht,
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Das Nachtgewand verschiebt und Schönheiten entdecket,
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Die einst
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So küßt der Frühling aus dem Winterschlaf
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Jetzt die Natur. Den dichten weißen Schleyer
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Hat er ihr längst vom Busen abgestreift,
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Er athmet jetzt im bluhmigten Gewande freyer.
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Der May der sie mit Küßen überhäuft
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Spielt mit dem Reitz, der ihm entgegen blühet,
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Und Zephyr, den ein gleich Gefühl
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Magnetisch stark zur Bluhmengöttin ziehet,
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Mischt tändelnd sich mit in ihr Spiel.

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Steht denn der Natur und dem May
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Nur allein das Tändeln frey?
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Darf nur dies Paar zärtlich küßen,
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Busen sanft an Busen schließen,
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Und in Zärtlichkeit zerfließen?
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Mädchen nein die Tändeley
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Holder Glut steht uns auch frey,
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Auch wir dörfen zärtlich küßen,
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Busen sanft an Busen schließen,
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Und in Zärtlichkeit zerfließen.

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Hurtig komm in meinen Arm,
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Schlüpf sie ab die Nachtgewänder,
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Schleif sie auf die seidnen Bänder,
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Komm und werd in meinem Arm
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Wie die Sommerlüfte warm,
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Und laß uns ganz in Zärtlichkeit zerfließen.

97
Ich bin dein Lenz, ich bin dein May,
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Du mein Gefild, und meine Mayenbluhme,
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In deinem Grottenheiligthume
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Auf deinen Marmorhöh'n, steht jede Tändeley,
101
Und jede Art des zärtlichsten Genußes,
102
Mir heut am
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Unwidersprechlich frey.

104
Hurtig komm in meinen Arm
105
Schlüpf sie ab die Nachtgewänder,
106
Schleif sie auf die seidnen Bänder,
107
Komm und werd in meinem Arm
108
Wie die Sommerlüfte warm,
109
Und laß uns ganz in Zärtlichkeit zerfließen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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