Mein Auge findt Dich schön, mein Herz liebt Dich unendlich

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Johann Georg Scheffner: Mein Auge findt Dich schön, mein Herz liebt Dich unendlich Titel entspricht 1. Vers(1778)

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Mein Auge findt Dich schön, mein Herz liebt Dich unendlich,
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Doch Mädchen bist du auch erkenntlich,
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Siehst Du mich auch so gern, liebst Du mich auch so sehr?
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Ha! wenn ich jetzt doch bey Dir wär,
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Dir meiner Liebe Glut, die wie ein Meer
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In allen Adern wallt, wollüstig auszudrücken!
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Wie emsig wollt ich nicht, da heut – – – ist
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Dein rundes Knie mit diesem Bändchen schmücken,
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Weil mir der Winter, der noch Tellus Schooß verschließt,
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Jetzt nicht erlaubt Dir einen Kranz zu pflicken.
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Doch Mädchen hielt ich Dich nur jetzt in meinem Arm
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So wollt ich Dir die Lielienhöhen,
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Auf denen von Natur schon Rosenknospen stehen,
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So lange küßen, bis von tausend Küßen warm
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Die ganze Brust, so wie die Knospen, ihre Zierde,
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Auch roth wie blühende Rosen würde.
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Wenn ich den Busen nun erst heiß und roth geküßt,
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Dann sollten meine Lippen weiter klettern,
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Und Zephyrn gleich, wenn er in Myrthenblättern
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Vergraben und geschäftig ist,
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Im Haar das deine Stirn umfließt,
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Und Bogen gleich dein Aug umschließt,
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Sich auch vergraben und beschäftgen,
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Und eine Saat von Küßen sollte da
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Erzählen, was in mir geschah'
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Als ich noch mehr von Dir als Aug und Busen sah',
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Und was ich je versprach Dir feyerlichst bekräftgen.
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Wenn ich auf Brust und Stirn Dich roth genung geküßt,
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Dann flög' ich gleich den honigvollen Bienen
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Zum Körbchen hin, das wie ein
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Ein zart Geweb' kunstlos umschließt, –
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Hin zum
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Balsamischer als Hybelns Honigbrüche,
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Und was ein Stuzer je zum parfümiren braucht
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In die bildschöne Gegend haucht;
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Da würd ich mich am längsten wohl verweilen,
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Um Dir getreu die ganze Erndte mitzutheilen.
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Ach Mädchen wenn ich doch jetzt bey Dir wär!
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Von Dir entfernt zu seyn war nie so schwer,
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Nie war mein Herz so freudeleer,
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Nie wünscht ich heftiger die Schäferzeit zurücke,
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Als heute da – – – – ist.
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Wenn Dir in diesem Augenblicke
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Ein kleiner Schaur durch alle Glieder schießt;
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So glaub, daß Dich mein Schutzgeist küßt,
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Der Geist der unsichtbar bis in dein Zimmer streifet,
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Dich wie dein Engel überall bewacht,
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Und Dir wenn Du in kalter Nacht
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Den Busen Dir im Traum zu blos gemacht
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Das Schlafkamsölchen fester schleifet.
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Vorm Spiegel treibt er oft mit deinem Haar sein Spiel,
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Und wenn Dir die Frisur nicht gleich recht glücken will;
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So kommts von seinen Neckereyen,
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Er tändelt gern wie ich – Du musts ihm schon verzeihen;
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Dafür hat er Dir auch von Hals und Stirn und Hand
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Schon manchen Kräuseleisens Brand,
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So wild er sonst auch ist, behutsam abgewandt;
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Dafür stärkt er Dir Fuß und Brust in Contretäntzen,
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Und hilft, wenn ja was reißt, es Dir ergäntzen:
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Wenn Dich nun dieser Geist in meine Seele küßt,
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Dann laß, wofern Dein Herz noch mein Herz ist,
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Und sanft von Wollust überfließt,
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Im schönen Aug ein Sehnsuchtstränchen glänzen,
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Und sey den ganzen Tag wie ich betrübt,
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Weil der, der Dich unendlich liebt,
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Und Dir den Preiß der Schönheit giebt,
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Anstatt Dein Nahmensfest mir Dir froh zu verküßen,
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Und ganz der Liebe Reichthum zu genießen
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Gar ohn Handdruck, Blick und Kuß
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Es feyren, und Dich blos im Geist umarmen muß.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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