Die Opferung

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Johann Georg Scheffner: Die Opferung (1778)

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Du bist wie Paphia aus weißem Schaum gebohren,
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Aus Muschelschalen stieg dein Leib so zart und fein,
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Die Perle aber ward aus ihrem Schooß erkohren
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Der jungfräuliche Stoff des feinen Geists zu seyn:
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Du gleichst Cytheren, wenn der Grazien Hand sie schmückte,
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Nur daß ihr Herz an Reiz lang nicht dem deinen gleicht;
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Als ohne Gürtel sie dort Priams Sohn erblickte
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Ward ihr der Schönheit Preiß im Apfel überreicht:
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Doch Paris hätt' ihn Dir vor Venus hingegeben
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Hätt er Dich gürtellos, verschämt, wie ich erblickt.
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Ein Kuß nach zärtlichem unschuldgem Wiederstreben
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Auf Höhn, die schwarz umdornt ein Rosenknospchen schmückt,
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Ein Blick ins sanfte Thal das diese Hügel schaffen,
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Und das an ein Gewölb von Atlasglätte grenzt,
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Berauschten mich – ich fiel – da siegten Amors Waffen,
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Die er, des Siegs gewiß, mit Myrthen schon umkränzt.
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Da fieng er mich im Netz gewebt von jenen Bogen,
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Der Stirn und Augen Schmuck, von lockigschwarzem Haar,
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Das duftend, weich, bethaut den Wollust Thron umzogen,
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Und führte mich erstaunt zum heiligsten Altar:
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Den hatten Grazien mit seltnem Fleiß erbauet,
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Und ihren Rosenmund beym Bau zum Riß geliehn.
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Nach zarter Lippen Roth, mit Nektar überthauet,
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Erschufen sie den Rand, den Altar zu umziehn;
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Der Zunge, die der Witz beredsam dort beweget,
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Glich hier ein Streif, der sich schmal und gefühlvoll bog:
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Hier winkt ein Vorgebürg von Venus angeleget
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Mit Mooß bedeckt, das sich kraus um den Altar zog.
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Am Fuß lag unentweiht die wunderthätge Grotte,
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Die vor unheil'gem Blick sorgfältig sich verschließt,
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Vom Priester nur besucht der da dem Liebesgotte
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Vertraut fruchtbringend Oehl in Opferschalen gießt.
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Es rauscht ein Strohm aus ihr der oft die Gegend netztet
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Und goldfarbklares Naß in seiner Urne hält,
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Ein Purpurbach, dem Flut und Ebbe Luna setztet,
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Und dann der Thau, der nur an Opfertagen fällt.
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»hier« sprach der Gott zu mir, bist du bestimmt zu dienen,
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Er sprachs, und stärkte mich zu seinem Priesterthum;
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Ich pflickte von dem Mooß, ich sog es gleich den Bienen
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Und roch den Balsamduft aus Amors Heiligthum,
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Fieng an so Grottenwerk als Altar zu besehen,
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Und kam ans feuchte Thor vor dem ein Vorhang hieng,
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Der Wunsch das Heiligste des Tempels durchzuspähen,
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Half mir beym ersten Schritt, der bis zum Vorhang gieng –
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»verzagter Priester wie kannst du dich nicht entschließen,
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Schmerzt dich des Opfers Tod? schrie Amor voller Wut –
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Da scheut ich dann nichts mehr – der Vorhang ward zerrißen,
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Und aus dem Heiligthum, o

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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