Der Triumph

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Georg Scheffner: Der Triumph (1778)

1
»so rührt Dich nicht dein Freund, der zärtlich vor dir kniet?
2
Soll er verschmachten – Er, der doch für Dich nur glüht?
3
Soll er, nur er allein der Liebe Marter fühlen,
4
Und nie das schönste Feur an deinem Busen kühlen?
5
Erbarm Dich, Mädchen, doch, hör' auf zu widerstehn,
6
Der Zärtlichkeit Genuß macht Dich gedoppelt schön.
7
Versuch einmal den Rausch aus Amors Zauberbecher,
8
Und findt dein Herz nachher nicht alle Weltlust schwächer
9
Als ihn, und schwimmt es nicht in nie empfundner Lust,
10
So hüll' in dichten Flor stets deine Marmorbrust.
11
O laß mich – laß mich doch der Wünsche Ziel erreichen,
12
Laß mich in deinem Arm beglückt den Göttern gleichen.
13
Wie lang, wie lang blieb nicht schon mein Bitten unerhört!
14
Wie lang hat nicht Dein Nein der Hofnung Glück gestöhrt?
15
Was hilfts dir, göttlichs Kind, ein Kleinod zu besitzen,
16
Ohn' nach der Schöpfung Zweck es liebevoll zu nützen?
17
Umarme mich, komm und genieß den Unterricht,
18
Der Menschen macht und Lust mehr giebt, als er verspricht.
19
Es klopft Dein junges Herz, sein zärtliches Erbeben
20
Mißbilligt Furcht und Zwang, es will der Freude leben;
21
Der Liebe Morgenglanz färbt Deine Wangen roth,
22
Gehorsam heischt Natur von Dir für ein Geboth,
23
Das sie zum Glück uns gab – Laß nicht die Zeit verfließen,
24
In meines Armes Schutz komm alles Glück genießen,
25
Blüh Rosenknöspchen auf« – In diesem Augenblick
26
Schmolz
27
In halber Ohnmacht, schön von Liebe überwunden,
28
Berauscht von einer Lust, die sie noch nie empfunden,
29
Las ich das schönste Ja im Aug, das sanft sich schloß,
30
Indem der Unschuld Rest in Thränen still verfloß.

31
O könnt ich doch wie
32
Um
33
Was sah ich nicht, was hat nicht hier die Hand berührt
34
Eh mich zu ihrem Werk die goldne Venus führt!
35
Hörbar sah ihr Herz durchs seidne Halstuch pochen,
36
Und fühlte rasch das Blut in allen Adern kochen.
37
O Wollust! Liebe! Glück! o dreymal selger Tag,
38
Als
39
Das blühendste Gesicht mit braunem Haar umzieret,
40
Gebrochne Augen, und der Busen aufgeschnüret,
41
Der schönste Arm, und Fuß, ein Schenkel fleischig, zart
42
Am lockgen Wollustthron mit einem Leib gepaart
43
Schön wie der Venus Leib, den Scopas ihr gegeben –
44
Pygmalions Meisterstück, warm, voll Gefühl und Leben
45
Lag hier und war ganz mein – An
46
Die ganze Seele wenn ich ihren Kuß empfing,
47
Der Pfeil war eingelegt, ich athmete geschwinder,
48
Ich hauchte Wollust, und doch ward das Feur nicht minder.
49
In süßer Ohnmacht starb jetzt
50
Der Liebe milder Thau ergoß sich sanft aus ihr:
51
Selbst ganz Empfindlichkeit nicht mehr der Sinne Meister
52
Versammelten in Eins sich alle Lebensgeister,
53
Die Augen brachen – Wir erseufzten – und es floß
54
Cytherens Balsam in den gürtellosen Schoß. – –
55
Es weiß der Knabe schon wie rührend es entzücket,
56
Wenn ihm die Hand vertraut sein kleines Mädchen drücket,
57
Doch weiß er nicht wie viel die Wollust stärker ist
58
Wenn sanft die Muschel zuckt und ihren Liebling küßt –
59
Auf
60
Fühlt ich jedweden Kuß, und ward von neuem trunken,
61
Und kämpfte neu gestärkt durch
62
Noch manchen Liebeskampf mit wiederholtem Glück
63
Bis daß, erschöpft von Lust, Herz dicht an Herz geschloßen,
64
Der Schlaf uns überfiel die Quellen nicht mehr floßen.

65
Cythere Königin der Herzen
66
Lustschöpferin, Quell süßer Schmerzen,
67
Heil Dir und Seegen dem Altar!
68
Dir Göttin, der die Himmel singen,
69
Und Elemente Opfer bringen
70
Dir Göttin bring ich ganz mich dar.

71
Wohl dir, wenn du mein Glück genoßen,
72
Als dich Adonis Arm umschloßen,
73
Und dein Arm ihn umschloßen hielt:
74
Wohl ihm wenn er die Wollust fühlte
75
Als er mit deinen Reitzen spielte,
76
Die ich in

77
Mein Herz schlägt ewig dir erkenntlich;
78
So wie die Wollust war, unendlich
79
Dankt jede Nerve Deiner Kraft:
80
Du halfst mir
81
Du halfst der Wünsche Hafen finden,
82
Dank sei Dir für die Jungferschaft!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.