7.

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Georg Weerth: 7. (1839)

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Gendarmen hasse ich wie die Pest;
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Ich hasse sie mehr als Spinnen,
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Als grüne Seife – Du lieber Gott,
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Was soll ich nun beginnen!

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Der eine zog ein Signalement
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Aus seiner schäbigen Tasche.
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Und mich betrachtend mit stierem Blick,
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Begann er zu murmeln rasche:

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»fünf Fuß, zehn Zoll – die Haare blond –
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Olympisch gewölbt die Stirne –
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Ein roter Bart – Statur ist schlank –
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Kennzeichen: Viel Gehirne. –

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Auch macht er Verse – spricht kein Latein
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Blaß ist er wie große Geister –
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Die Zähne sind gut – – Verehrter Herr,
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Ohne Umschweife viel: wie heißt er?«

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Da hob ich mich würdig empor und sprach:
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»ich heiße Charlemagne!
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Wollhändler bin ich in Aachen und trink
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Recht gerne den Wein der Champagne.

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Ich spekuliere in Trüffeln und Öl,
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Mein Bankier empfängt mich prächtig.«
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Da sprach der erste Gendarme: »Mein Herr,
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Dies ist ausnehmend verdächtig!«

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Ich aber fuhr fort: »Auch Spiritus
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Verkauf ich von hoher Reinheit,
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Nahm Aktien auf jede Luftschiffahrt
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Sowie auf die deutsche Einheit.

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Bei Tage besorge ich mein Geschäft,
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Doch nachts, da treibe ich Späße.« –
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Da sprach der zweite Gendarme: »Mein Herr,
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Wo haben Sie Ihre Pässe?«

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»meinen Paß! Meinen Paß! – Oh, wollen Sie nicht
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Sich gütigst ein wenig setzen?
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Oh, trinken Sie doch einen Becher Wein,
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Das würde mich sehr ergetzen!

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Mein Paß! Mein Paß! – Ach leider ist
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Er gescheitert am Lurlei neulich.
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Oh, trinken Sie doch einen Becher Wein,
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Das wäre mir sehr erfreulich!«

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Und dein gedacht ich und deiner Tat,
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Odysseus, du ränkevoller!
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Und meine beiden Zyklopen ließ
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Ich saufen toller und toller.

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Und lobte die deutsche Zentralgewalt
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Und Herrn Engels, den Stadtkommandanten,
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Und sagte, Herr DuMont gehöre zu
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Meinen allerbesten Bekannten.

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Und pries Herrn Levy und Brüggemann
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Und Herrn Wolffers und all die andern
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Und schimpfte wie ein Rohrsperling
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Auf die Republikaner von Kandern.

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Und sagte: es freue mich ungemein,
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Daß die Rheinische Zeitung erdrückt sei
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Und daß der Putsch von Frankfurt und Köln
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So wunderherrlich mißglückt sei.

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Und sagte: mein lieber Herr Vetter sitz
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Im Parlament auf der Rechten
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Und stimme mit Jahn und mit Radowitz,
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Des Volkes Heil zu erfechten.

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Und meinte: die Linke in Berlin
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Und in Frankfurt sei wert, daß sie hänge,
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Und nahm das Glas und sang, daß es klang,
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Ein Dutz' patriot'scher Gesänge.

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Und versicherte: Köln befinde sich wohl
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Bei seinem Belagerungszustand. –
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Da schwieg ich – – die beiden Zyklopen war'n
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In dem komfortabelsten Zustand.

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Sie schnarchten, wie einst das Volk geschnarcht,
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Das deutsche, und ihre Beine
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Und Arme, die starrten regungslos
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Von Schlaf und süßem Weine.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Weerth
(18221856)

* 17.02.1822 in Detmold, † 30.07.1856 in Havanna

männlich, geb. Weerth

| Malaria

deutscher Schriftsteller, Satiriker, Journalist und Kaufmann

(Aus: Wikidata.org)

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