4.

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Georg Weerth: 4. (1839)

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Da standen wir auf den Hügeln, und
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Romantisch ward mir zumute –
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Politische Freunde müssen dies
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Gefälligst mir halten zugute.

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Und ich sang: »Was mag es bedeuten doch,
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Daß ich o so traurig binne?
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Ein Mädchen aus alten Zeiten, ach,
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Das kommt mir nicht aus dem Sinne!«

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Da fiel Herr Soherr mir eilig ins Wort:
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»nicht ein Mädchen – ein Märchen! sagt Heine!''
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Und zusammenschrak ich, und mein Verstand
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Kam wiederum auf die Beine.

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»der Stadtkommandant, Herr Engels, der hat
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Die Macht jetzt, die materielle.
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Doch Herr Joseph DuMont in Köln, der besitzt
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Die intellektuelle.

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Denn die Kölnische Zeitung ist einzig allein
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Der Unterdrückung entgangen;
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Die andern Blätter wurden verpönt,
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Gebraten, gesotten, gehangen.

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Die Kölnische Zeitung ward lang redigiert
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Mit Rotstift und Schere, nicht ohne
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Talent von der alten Frau DuMont, doch
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Die starb, und Joseph, dem Sohne,

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Überließ sie das hübsche Annoncengeschäft,
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Und Joseph ist reich geworden
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An den Gütern des Glücks und bekommt gewiß
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Auch bald noch seinen Orden. –

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Herr Joseph ist ein trefflicher Mann!
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Bis zur Revolution noch schrieb ich
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Unsterbliche Feuilletons für sein Blatt –
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Und stets sein Verehrer blieb ich.

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Doch wie sich manche Verbindung löst,
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So ging auch unsre zu Ende,
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Und das Feuilleton kam in Levy, des
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Romantischen Schmules Hände.

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Herr Levy schmult das Feuilleton;
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Doch mit 'breitgeschnittener Feder'
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Die Leitartikel Herr Brüggemann schreibt –
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Die weiß zu schätzen ein jeder.

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Herr Levy und Herr Brüggemann,
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Die schreiben mit Anstand und Sitte –
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Ein borstig, niedrigstirniger Kerl
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Ist in dem Bunde der dritte.

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Ein Pommer zwar von Geburt, überragt
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Er doch noch Herrn Wolffers, ich finde,
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Daß dieser ein Belgier ist – o Gott,
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Vergib mir meine Sünde!

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Ein Levy und ein Brüggemann,
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Ein Flandre und ein Kalmücke:
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Die sind's, so erleuchten die Rheinprovinz
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Mit ungewöhnlichem Glücke!

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O Joseph, wie preis ich glücklich dich,
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Du hast, was die Erde bietet:
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Du hast dir für dein gutes Geld
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Die vier besten Kerle gemietet!

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Ja, lieber Herr Soherr, glauben Sie dreist
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An des Vaterlandes Genesung,
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Solang noch die Kölnische Zeitung sprießt
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Aus der allgemeinen Verwesung.

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Verwesungsrüchig noch manches Jahr
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Wird sie duften vom Pol zum Äquator,
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Wenn längst verschwunden Sie und ich
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Und Herr Engels, der köln'sche Diktator.

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Der Brite Coleridge roch zu Köln
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An die siebzig verschiedne Gerüche;
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Darunter gewiß auch den Gestank
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Aus Josephs politischer Küche.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Weerth
(18221856)

* 17.02.1822 in Detmold, † 30.07.1856 in Havanna

männlich, geb. Weerth

| Malaria

deutscher Schriftsteller, Satiriker, Journalist und Kaufmann

(Aus: Wikidata.org)

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