Heute morgen fuhr ich nach Düsseldorf

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Georg Weerth: Heute morgen fuhr ich nach Düsseldorf (1839)

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Heute morgen fuhr ich nach Düsseldorf
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In sehr honetter Begleitung:
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Ein Regierungsrat – er schimpfte sehr
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Auf die Neue Rheinische Zeitung.

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»die Redakteure dieses Blatts«,
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So sprach er, »sind sämtlich Teufel;
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Sie fürchten weder den lieben Gott
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Noch den Ober-Prokurator Zweiffel.

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Für alles irdische Mißgeschick
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Sehn sie die einzige Heilung
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In der rosenrötlichen Republik
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Und vollkommener Güterteilung.

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Die ganze Welt wird eingeteilt
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In tausend Millionen Parzellen;
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In so viel Land, in so viel Sand
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Und in so viel Meereswellen.

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Und alle Menschen bekommen ein Stück
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Zu ihrer speziellen Erheitrung –
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Die besten Brocken: die Redakteur'
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Der Neuen Rheinischen Zeitung.

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Auch nach Weibergemeinschaft steht ihr Sinn.
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Abschaffen wolln sie die Ehe:
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Daß alles in Zukunft ad libitum
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Miteinander nach Bette gehe:

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Tartar und Mongole mit Griechenfraun,
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Cherusker mit gelben Chinesen,
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Eisbären mit schwedischen Nachtigalln,
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Türkinnen mit Irokesen.

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Tranduftende Samojedinnen solln
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Zu Briten und Römern sich betten,
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Plattnasige düstre Kaffern zu
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Alabasterweißen Grisetten.

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Ja, ändern wird sich die ganze Welt
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Durch, diese moderne Leitung –
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Doch die schönsten Weiber bekommen die
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Redakteure der Rheinischen Zeitung!

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Auflösen wollen sie alles schier;
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Oh, Lästrer sind sie und Spötter;
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Kein Mensch soll in Zukunft besitzen mehr
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Privateigentümliche Götter.

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Die Religion wird abgeschafft,
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Nicht glauben mehr soll man an Rhenus,
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An den nußlaub- und rebenbekränzten, und nicht
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An die Mediceische Venus.

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Nicht glauben an Kastor und Pollux – nicht
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An Juno und Zeus Kronion,
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An Isis nicht und Osiris nicht
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Und an deine Mauern, o Zion!

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Ja, weder an Odin glauben noch Thor,
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An Allah nicht und an Brahma –
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Die Neue Rheinische Zeitung bleibt
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Der einzige Dalai-Lama.«

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Da schwieg der Herr Regierungsrat,
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Und nicht wenig war ich verwundert:
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Sie scheinen ein sehr gescheiter Mann
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Für unser verrückt Jahrhundert!

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Ich bin entzückt, mein werter Herr,
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Von Ihrer honetten Begleitung –
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Ich selber bin ein Redakteur
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Von der Neuen Rheinischen Zeitung.

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Oh, fahren Sie fort, so unsern Ruhm
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Zu tragen durch alle Lande –
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Sie sind als Mensch und Regierungsrat
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Von unbeschränktem Verstande.

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Oh, fahr er fort, mein guter Mann –
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Ich will ihm ein Denkmal setzen
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In unserm heitern Feuilleton –
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Sie wissen die Ehre zu schätzen.

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Ja, wahrlich, nicht jeder Gimpel bekommt
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Einen Tritt von unsern Füßen –
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Ich habe, mein lieber Regierungsrat,
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Die Ehre, Sie höflich zu grüßen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Weerth
(18221856)

* 17.02.1822 in Detmold, † 30.07.1856 in Havanna

männlich, geb. Weerth

| Malaria

deutscher Schriftsteller, Satiriker, Journalist und Kaufmann

(Aus: Wikidata.org)

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