Pfingstlied

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Georg Weerth: Pfingstlied (1839)

1
Sie herzten sich und sie küßten sich
2
Mit liebevoller Gebärde.
3
Der junge Herr Frühling wonniglich,
4
Der besuchte die alte Frau Erde.

5
Er ist der guten, ehrlichen Frau
6
Mit eins an den Hals gesprungen,
7
Daß bis hinauf in den Himmel blau
8
Nur Lust und Jubel erklungen.

9
»mein Sohn, es freut mich, daß du hier!
10
Lang währte des Winters Tosen.
11
Meine Felder brauchen die goldne Zier,
12
Meine Gärten Lilien und Rosen.

13
Verstummt sind all meine Nachtigalln,
14
Seit ich dich verloren hatte;
15
Drum schmücke den Vögeln die grünen Halln
16
Und den Hirschen die blumige Matte.

17
Ich habe so oft an dich gedacht,
18
Wenn es stürmte wilder und wilder;
19
Doch sprich, was hast du mir mitgebracht
20
Für die lieblichen Menschenbilder?«

21
»für die Menschenbilder?« versetzte da
22
Der junge Herr Frühling stutzend –
23
In die Tasche griff er behend: »Voilà!
24
Revolutionen ein Dutzend.«

(Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich von Editura GmbH & Co. KG (Digitale Bibliothek) digitalisiert, vom TextGrid-Verbund erworben und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Georg Weerth
(18221856)

* 17.02.1822 in Detmold, † 30.07.1856 in Havanna

männlich, geb. Weerth

| Malaria

deutscher Schriftsteller, Satiriker, Journalist und Kaufmann

(Aus: Wikidata.org)

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