Die deutschen Verbannten in Brüssel

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Georg Weerth: Die deutschen Verbannten in Brüssel (1839)

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Und in den Kaffeehäusern von Brüssel,
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Da saßen sie und weinten
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Und hingen die Paletots an die Wände
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Und tranken Mokka mit Zucker und Kognak
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Und seufzten und jammerten sehr – wenn
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Dein sie gedachten, germanische Heimat!

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Verbannte waren's. Der Zorn des
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Sechsunddreißigeinigen deutschen
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Bundestag-Gottes verstieß sie –
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Stieß sie hinaus, die Geächteten,
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Lieblos hinaus in des Auslands
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Weiche, sammetgepolsterte Sessel.

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Sinnend schaut ich sie oft; und entsetzt dann
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Hört ich, wie laut sie zu klagen
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Erhoben: »O weh uns! Nimmer
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Essen wir jetzt mehr deinen
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Pumpernickel, Westfalen! und
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Posen, deine Kapusta!

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Nicht mehr rauschen die Fichten uns deiner
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Seligen Steppen, o Uckermark! Nicht mehr
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Fühlen den Biß wir deiner
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Kasernen-Wanzen, o Preußen! Und nicht mehr
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Sinken entzückt wir an deine
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Gänsebrüste, ambrosisches Pommern!

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Nicht mehr tönet der Männer der
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Bernsteinküst liberales Gejammer
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Erfreulich ins Ohr uns! – Nicht mehr
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Werden wir Dome erbaun und
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Betrinken mit euch uns, ihr
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Heiligen Kölner!

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Ferne die Heimat! Ferne ja alles, was
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Reiz noch dem Leben verlieh und das Dasein
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Köstlich machte – und traurig
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Sitzen wir, ach, wir großen, blonden
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Teutonen nun unter den kleinen
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Bräunlichen Belgiern!

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Müssen Burgunder trinken und
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Leid'gen Champagner und Austern
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Essen, Ostender, Fasanen und tête de
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Veau en tortue und was sonst noch
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Bietet die Fremde an kaum wohl
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Genießbaren Sachen!

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Müssen statt lieblich deutscher
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Vergißmeinnicht-Kinder des Auslands
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Schwarzumlockte brennende
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Rosen jetzt küssen und
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Tanzen Cancan am Sabbat, wo sonst wir
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Brünstig gebetet in Odins ragenden Tempeln.

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Müssen allein jetzt wandern den dorn'gen
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Lebensweg, nicht länger bewacht von
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Väterlichen Gendarmen, die gern uns
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Stets daheim geschützt vor der Pest
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Moderner Ideen und
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Hochverrätrischer Tollheit!

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Ach! Verlassen sind wir; und ihr nur
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Nehmet noch Anteil an uns, ihr teuren
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Vaterländ'schen Spione und du, o
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Repräsentant der preuß'schen Nation, du
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Hehrer, gewaltiger Graf, du
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Henckel von Donnersmarck!!« –

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Also sangen sie wohl in Brüssel, die
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Deutschen Verbannten; – ich hört sie
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Klagen im Café des Arts und
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Im Café Suisse und im Café der Tausend
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Säulen – und Wehmut
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Drang durch die liebende Brust mir.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Weerth
(18221856)

* 17.02.1822 in Detmold, † 30.07.1856 in Havanna

männlich, geb. Weerth

| Malaria

deutscher Schriftsteller, Satiriker, Journalist und Kaufmann

(Aus: Wikidata.org)

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