Die Natur

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Georg Weerth: Die Natur (1839)

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Natur, mit deinen strahlenden Kolossen,
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Die du die Ewigkeit zur Dauer nahmst:
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Nur zur Vollendung bist du erst ersprossen,
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Seit du im Menschen zum Bewußtsein kamst,
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Im Menschen nur, des stürmende Gedanken
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Der Freiheit wunderbarstes Gut geraubt,
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Der auf den Trümmern jetzt von Trug und Schranken,
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Sein eigner Gott, an dich, an sich nur glaubt.

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Wohl mag sein Auge keck den Himmel fragen,
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Wenn Sonn an Sonne wirbelnd sich bewegt:
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»ihr andern Welten, habt ihr je getragen
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Ein solches Kleinod, wie die Erde trägt?
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Trugt Menschen ihr, die trotz der grausen Zweifel,
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Die wild zersplittert ihre beste Kraft,
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Doch stets zum Kampfe mit dem alten Teufel,
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Dem Wahne, kühn zusammen sich gerafft?

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Und die gesiegt!« – Wohlan, Sieg und Triumphe
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Laßt schmettern eurer Krieger vollsten Chor!
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Es trug der Mensch aus tausendjähr'gem Sumpfe
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Die Freiheit jubelnd an das Licht empor.
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Was frühe Völker ahnend vorempfunden,
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Er freut sich dessen in bacchant'scher Lust;
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Er hat den größten Riesen überwunden,
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Vertilgt den Zweifel seiner eignen Brust!

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Der einst dem Feuer seine Kniee beugte,
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Der Hekatomben opfernd niederschlug,
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Der einen Gott auf Sinai erzeugte –
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Triumph! – der hat jetzt an sich selbst genug!
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Und wie der Kranich liebt die Wolkenbahnen,
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Und wie der Löwe liebt der Wüste Spur:
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So liebt der Mensch die Fluren seiner Ahnen
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Und weilt entzückt auf seiner Erde nur.

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Ob Millionen wandeln auch im Dunkeln –
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Das Jahr entrollt! – Es leuchtet sonder Wahl
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Der Stern der neuen Zeit, hell wird er funkeln
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Auch
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Die Priester dieser Tage fordern Knechte
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Und Sklaven nicht – sie fordern laut und frei,
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Daß jeder, treu dem angestammten Rechte,
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Hinfort ein Mensch mit freien Menschen sei.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Weerth
(18221856)

* 17.02.1822 in Detmold, † 30.07.1856 in Havanna

männlich, geb. Weerth

| Malaria

deutscher Schriftsteller, Satiriker, Journalist und Kaufmann

(Aus: Wikidata.org)

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