Freund Lenz

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Georg Weerth: Freund Lenz (1839)

1
Aus fernen Wolken braust ein dumpfer Ton.
2
Die Donner sind es, so der Welt verkünden,
3
Daß wieder der Natur geliebter Sohn,
4
Der Frühling, wandelt zu der Erde Gründen.
5
Bei andern Völkern hat er lang geweilt,
6
Da war's, daß jüngst die Kunde ihn ereilt,
7
Wir hier im Norden trügen heiß Verlangen,
8
Aufs neu zu schauen seiner Blüte Prangen.

9
Er kommt. Und aus des Südens frohen Talen,
10
Wo träumend er im Lorbeerwalde lag,
11
Wo er zum Fest bei glutgefüllten Schalen
12
Des Myrtenhaines vollste Kränze brach,
13
Wo mit dem Zephir er die Wangen kühlte
14
Und buhlerisch in schwarzen Locken wühlte –
15
Fern aus dem Süden hat er alle Pracht
16
Herauf jetzt in den Norden uns gebracht.

17
Er setzt sich lächelnd auf die Hügel hin –
18
Da weht ein Duften rings durch Fels und Auen,
19
Zum Forste lustig Falk und Taube ziehn,
20
Und Knospen rötlich aus den Gärten schauen.
21
Der Bäche Lauf schmückt er mit lichtem Samt,
22
Es blitzt der Tau, hellauf die Sonne flammt –
23
Und nieder steigt er von den Hügelthronen
24
Hinab zum Tale, wo die Menschen wohnen

25
Mit ihrer Lust, mit ihrem bittern Leid,
26
Mit ihren Freuden, ach, und ihren Tränen,
27
Mit all dem Ringen, all dem herben Streit,
28
Mit all dem Hoffen, all dem stillen Sehnen.
29
Er ist's, der in des Armen Hütte schaut,
30
Der zu ihm spricht, wenn kaum der Morgen graut:
31
»getrost, wie deine Freuden auch zerstieben,
32
Dir Armen ist der Lenz noch treu geblieben!

33
Hinaus! Durch meine Blumen sollst du schreiten,
34
Ich labe dich mit meiner Wälder Grün,
35
Durch Busch und Wiese will ich dich geleiten
36
Den Berg hinan, wo meine Rosen glühn.
37
Ich zeige dir, wie nieder zu den Flächen
38
Befreit die Ströme ihre Bahnen brechen,
39
Und wie der Nacht erblüht der Sterne Schein,
40
Zieh ich, der Lenz, in deine Seele ein!

41
Ich küsse deiner Kinder müde Stirnen,
42
Ob all ihr Glanz verloschen und verstaubt;
43
Ich will gleich der Lawine von den Firnen
44
Wälzen den Gram von ihrer Mutter Haupt.
45
Und Feuer menge ich mit deinem Blute,
46
Daß bald die Hand, die nur am Pfluge ruhte,
47
Zum Schwerte greift und ringend im Gefecht
48
Von Schmach befreit ein unterdrückt Geschlecht!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Georg Weerth
(18221856)

* 17.02.1822 in Detmold, † 30.07.1856 in Havanna

männlich, geb. Weerth

| Malaria

deutscher Schriftsteller, Satiriker, Journalist und Kaufmann

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.