An Köln

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Georg Weerth: An Köln (1839)

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O Köln, du große Freudenstadt,
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Was sag ich noch zu deinem Ruhme?
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Wie du geblüht im grauen Altertume,
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So blühst du noch – die schönste Blume,
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Die je geblühet hat!

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Dich preis ich, Königin, allein!
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Der hohe Dom ist deine Krone!
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Ha! wie es rauscht an deinem Uferthrone!
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Die Völker bringt dir, jeder Zone,
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Der rebengrüne Rhein.

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Frohlockend grüßt dich ihr Gesang;
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Und rascher schlägt den Schaum der Wellen
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Der Schiffer, wenn in Tönen, wunderhellen,
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Herab von Kirchen und Kapellen
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Erklingt der Glocken Klang;

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Wenn in der Abendsonne Strahl
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Die buntbemalten Fenster sprühen,
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Wenn rings die alten Gotenbögen glühen
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Wie Laubgewinde, die erblühen
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Mit Rosen ohne Zahl.

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Still schreit ich durch das graue Tor,
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Dran hoch hinauf die Linden ragen;
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Und prächtig steigt der Glanz aus fernen Tagen,
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Der ganze Zauber deiner Sagen
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Vor meinem Geist empor!

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Hier ist's, wo Agrippinens Haar
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Sich lockig um die Schläfen drückte,
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Wo Karl Martell vom Kapitole blickte
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Und wo das Schwert, das blut'ge, zückte
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Durch der Normannen Schar!

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Hier rief zu deiner Bürger Krieg
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Das Horn in schauerlichen Klängen;
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Hier sah man Panzer gegen Panzer drängen
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Und deinen Overstolzen sprengen
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Zum Tode und zum Sieg!

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Hier schuf der Maler rüst'ge Hand
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Ein Heer von schimmernden Gestalten;
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Und dort sah man um Mitternacht den alten
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Albertus Magnus Wache halten
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Ob staub'gem Foliant!

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Das war vordem! Auf ihr Gebein
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Ist längst der Grabesstein gesunken.
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Dein Banner weht daran; und freudetrunken
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Sah ich erglühn eilf goldne Funken
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Und dreier Kronen Schein!

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So hat es einst auf langer Fahrt
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Gewallt von deiner Hansa Masten,
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Wenn Stürme wild die weißen Segel faßten
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Und drauf in Golfen kam zu rasten
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Die Flotte, bunt geschart.

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Es sah die Welt zu ew'gem Ruhm
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Stets deine Bürger es geleiten;
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Drum, wie die Jahre wild verheerend schreiten,
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Du stehest da, zu allen Zeiten
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Ein schönes Heiligtum:

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Wo Freiheit noch die Herzen schwellt
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Und kühne Männer noch zu schauen;
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Wo noch im Glanz von Augen, schwarz und blauen,
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Die Schar der minniglichen Frauen
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An echter Treue hält!

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Ich singe noch; da lischt im Strom
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Das Abendglühn. Um die verwehten
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Kirchtürme schon die dunklen Schatten treten;
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Ich eile, eh es Nacht, zu beten
65
In deinem hohen Dom!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Weerth
(18221856)

* 17.02.1822 in Detmold, † 30.07.1856 in Havanna

männlich, geb. Weerth

| Malaria

deutscher Schriftsteller, Satiriker, Journalist und Kaufmann

(Aus: Wikidata.org)

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