20.

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Georg Weerth: 20. (1839)

1
Es weht schon durch die Gassen
2
Der kühle Abendwind,
3
Und ich bin ein verlassen,
4
Ein armes Menschenkind.
5
Ich sah den Mond erscheinen,
6
Der durch die Wolken bricht,
7
Und weiß nicht: soll ich weinen,
8
Oder wein ich lieber nicht.

9
Gott grüß dich, alte Schenke,
10
Mit deinem runden Schild;
11
O gib ein gut Getränke,
12
Das meinen Kummer stillt;
13
Daß balde ich versetzet
14
Ins Land der Träumerein,
15
Wo sich das Herz ergetzet
16
An buntem Märchenschein.

17
Da draußen rauscht die Erle
18
Und pocht ans Fenster leis,
19
Hier innen steigt die Perle
20
Im Glase silberweiß.
21
Das ist der Wein, der mählich
22
Das arme Herz beglückt
23
Und mich so zauberselig
24
Der Erde ganz entrückt.

25
Von hohen Linden träum ich,
26
Die auf den Wiesen stehn,
27
Die Gipfel blütensäumig
28
Im Mondenglanze wehn.
29
Sie werfen ihren Schatten
30
An Quellen frisch und klar,
31
Dort tanzt auf grünen Matten
32
Die leichte Elfenschar.

33
Es thront die Königinne
34
In ihres Lagers Rund,
35
Der zuckt die glühnde Minne
36
Um Wang und Rosenmund,
37
Der leuchtet in den Blicken
38
Ein blaues Sternenlicht,
39
Und schöne Locken nicken
40
Hinab in ihr Gesicht.

41
Die schwebenden Gestalten,
42
Wie sind sie schlank und zart,
43
In ihren Händen halten
44
Sie Blumen seltner Art.
45
Um nackte Schultern rauschen
46
Die luft'gen Schleier weit,
47
Und üpp'ge Glieder lauschen
48
Aus knappem Seidenkleid.

49
Sie drehn die kleinen Füße
50
Nach süßer Melodei
51
Und winken schnelle Grüße
52
Und huschen rasch vorbei;
53
Sie ringen und umschlingen
54
Sich mit den Armen hold,
55
Sie küssen sich und schwingen
56
Das volle Lockengold.

57
Sie singen wundertönig,
58
Sie singen hell und rein –
59
Und ich will euer König,
60
Ihr Elfenkinder, sein.
61
An blühenden Lindenbäumen,
62
In stiller Mondenpracht,
63
Da will ich lieben, träumen
64
Mit euch die ganze Nacht.

65
Ha, wenn auf zarter Lippen
66
Hellglühndem Purpursamt,
67
Den süßen Tau zu nippen,
68
Mein wildes Küssen flammt,
69
Da sinkst du Königinne
70
Herab von deinem Thron –
71
Es siegt mit seiner Minne
72
Der kühne Erdensohn!

73
Da wacht' ich auf – es gingen
74
Die Schenkenlichter aus,
75
Mit Lachen und mit Singen
76
Zog jeder Gast nach Haus.
77
Die Nacht lag auf den Gassen,
78
Kalt pfiff vorbei der Wind,
79
Und ich war ein verlassen,
80
Ein armes Menschenkind.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Georg Weerth
(18221856)

* 17.02.1822 in Detmold, † 30.07.1856 in Havanna

männlich, geb. Weerth

| Malaria

deutscher Schriftsteller, Satiriker, Journalist und Kaufmann

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.