Nein/ nein/ ich lasse Dich nicht lohß!

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Arno Holz: Nein/ nein/ ich lasse Dich nicht lohß! Titel entspricht 1. Vers(1896)

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Nein/ nein/ ich lasse Dich nicht lohß!
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Ich gläube ja/ ich gläube!
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Errette mich in Deine Schooß/
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darmitt ich nicht verstäube!
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Auß des Satans ekkler Schule
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sih mich hihr für Deinem Stule/
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ohnerhöhrt ist meine Noht/
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hülff es/ schläng ich Gassen-Koht!

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Fast ward ich schon wie blind und taub/
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laß/ laß Dich drümb versühnen
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und gönn mir Deinen Sternen-Staub/
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drauß keine Gräber grünen!
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Motten/ Modder/ Wuhst und Schimmel
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dausch mir gnädig for den Himmel/
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daß mich nicht nach kortzer Frist
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nichts alß blohß die Fäulung frißt!

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Vor warst Du mir ein Spihl/ ein Spott/
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Dein Wort stund mir auff Schrauben/
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kein
20
kein
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Ohn auch nur auff Dich zu höhren/
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lihß ich mich durchs Fleisch bethören/
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lüderlich war ich gesinnt/
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durch und durch ein

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Verruchter war ich wie kein Thier/
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for Lieder pfiff ich Zoten
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in meiner brännenden Begihr/
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dreyn alle Lüste lohten!
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Dem
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hieb ich qwer durch die Gesichter/
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jeglicher Enthaltungs-stand
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war mir gäntzlich unbekand!

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Itzt bün ich blohß noch Haut und Bein/
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mein Hertz kan kaum mehr schlagen/
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mein schwartzer allerletzter Schreyn
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steht schon auff seinem Schragen.
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Nacht for Nacht auß meinen Kissen
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schrekkt mich zittrend mein Gewissen/
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Grauen wirfft mich/ Angst und Schweiß/
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gihb mich nicht den Würmern preiß!

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Seit zwey mahl dausend Jahren schon
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lobsingen Dir Diorben;
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sey nicht ümbsonst durch Deinen Sohn
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am Creutz for mir gestorben!
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Mach/ daß ich nach dihser Erde
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gantz mit Dir vereinigt werde/
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däkkt mich gleich der Leichen-Stein/
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laß es nicht for ewig seyn!

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Auß Gold und Pärlen blizzt die Stadt/
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gepflastert mit Tublonen/
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kaum sehn sich an ihr sälbsten satt
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die englische Sqwadronen!
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Jedem/ der durch Deine Gnade
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Jesum fand im Wasser-Bade/
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wird dort einstmahls seine Haut
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wihderümb neu anverdraut!

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Wie freudig werd ich im Verein/
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sorbald ich dort gelendet/
59
mit
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weil alles sich gewendet!
61
Nichts bleibt unterm Leichlach ligen/
62
alles werd ich wihder krigen:
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Ohr und Nase/ Mund und Kinn/
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jedes kleinste Knöchelchin!

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Das steht gantz durchauß und gewiß
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durch Deine Schrifft verheissen/
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Du wirst ümb einen Apffel-Biß
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mich nicht ins Feuer schmeissen!
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Dodt/ du Teuffel/ deinem Drachen
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spey ich mitten in den Rachen:
71
bald bün ich dahin gelangt/
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wo mein Haupt mit Krohnen prangt!

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Dan jauchtz ich wihder frisch und roht/
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o Freuden-volle Pfründe!
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Waß wäre dihser Leib auß Koht/
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wenn ich nicht aufferstünde?
77
Erst zwar drifft mich noch Verwesung/
78
doch sordan folgt die Genesung/
79
denn ich weiß es itzt alß Christ/
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daß der Dodt mein Leben ist!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Arno Holz
(18631929)

* 26.04.1863 in Kętrzyn, † 26.10.1929 in Berlin

männlich, geb. Holz

Journalist, deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus (1863-1929)

(Aus: Wikidata.org)

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