Nun bün ich fast schon siebtzig Jahr/

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Arno Holz: Nun bün ich fast schon siebtzig Jahr/ Titel entspricht 1. Vers(1896)

1
Nun bün ich fast schon siebtzig Jahr/
2
das Leben hat mich wie zerschmissen;
3
bald weiß kein Mäntsch mehr/ wer ich war/
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kaum drohstet nachts mich noch mein Kissen.
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Der Welt ihr Seiffen-Ball zersprang/
6
mein Lauten-Spihl ward Harffen-Klang!

7
Ich bün auß Staub und muß vergehn/
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kein Bisam-Büxgen wird mir nizzen.
9
Was soll mir
10
Von Fern her seh ich
11
Nur Eins wird noch von mir gepreisst:
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Die grosse Kunst/ die Stärben heisst!

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Mein Leib/ dihß für so fäste Hauß/
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ligt spakk darnihder/ fast zerbrochen/
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die Ahdern trukkneten ihm auß/
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ich hänge kaum noch in den Knochen.
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Mich krümmt der Grieß/ mich narbt die Gicht/
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erbärmlich bün ich zugericht!

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Allnächtlich dappt er sich schon für/
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der alte außgefeimte Rakker.
21
Bald knaxt die Diehle/ bald die Dhür/
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der Wind heult hohl vom Stoppel-Akker.
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Itzt bocht es an und will herein –
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mir grähst ins innerste Gebein!

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Was würde strakks mit mir geschehn/
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wann meine Augen itzt verrönnen?
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Der allerweiseste
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hat nichts darvon verrahten können.
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Da hülfft kein Jammer/ kein Geschrey/
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mein Hertz ist gantz darvon entzwey!

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Eins ist mir sicher und gewiß:
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acht Bretter werden mich ümbhägen/
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wird wie auß Sonne seyn dargägen!
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Mein Fleisch/ das lüderlich geprasst/
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fäult dan alß Wurm- und Schlangen-Mast!

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Zwar das geehrte Testament
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verheisst uns dröhstlich die Posaune:
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uns wekkt/ wenn alles sich gewendt/
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die gleichsahm himmlische Karthaune.
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Sey sein Gebein auch lengst zerstäubt/
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der wird erhöht/ wer dran gegläubt!

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Doch sälbst gesezzt/ daß dihß geschicht/
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ich war ein arger Satans-Brahten/
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vihlleicht so hält sich das Gericht
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an meine nichts wie Frefel-Dhaten.
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Die Zunge kläbt mir und verdorrt/
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dan schlukkt mich ein der Schwefel-Port!

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Ein Rabe draussen krokkt
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wer weiß/ ob ich ihn rächt verstehe?
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Ob ich dihß volle Stunden-Glaß
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noch ein-mahl abgeloffen sehe?
52
Ob sich das blancke Morgen-Licht
53
noch ein-mahl ümb mein Lager flicht!

54
O HERR/ wie drükkt auff mir Dein Joch!
55
Nein/ nein/ ich will nicht läppisch flennen!
56
Nur ein-mahl/ ein-mahl/ ein-mahl noch
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laß mir Dein lihbes Früh-Roht brennen!
58
Der Himmel schnarcht/ die Hölle wacht/
59
verlisch mir nicht/ du Glaubens-Dacht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Arno Holz
(18631929)

* 26.04.1863 in Kętrzyn, † 26.10.1929 in Berlin

männlich, geb. Holz

Journalist, deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus (1863-1929)

(Aus: Wikidata.org)

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