Däglich grimmer bläst der Ost/

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Arno Holz: Däglich grimmer bläst der Ost/ Titel entspricht 1. Vers(1896)

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Däglich grimmer bläst der Ost/
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Glaß-Eyß glüzzt und Zukker-Frost/
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die Kindgens schon drompeten
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auff kleinen Zinn-Corneten.
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Lebküchene Soldaten/
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verguldete Mußkaten
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bezihren bald die Tänngens/
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darzu Dukahten-Männgens.
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Man zeigt sich kaum noch wo püblik
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und macht im Kehficht Wald-

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Wie lange wird es tauren/
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dan dräut der Himmel nicht mehr grieß/
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dan buzzt für unsren Mauren
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Dan kombt/ fast über Nacht/
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Frau
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und bringt in ihrem Mihder
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den gantzen Frühling wihder!

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Zahrt an eines Bächleins Rand
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wird sich dan wer bükken
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und mit seiner weissen Hand
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Schlüssel-Blöhmckens pflükken.
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Jedes kleine Grillgen geigt
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waß mir dan ihr Mund verschweigt;
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lacht so laut er lachen kan!

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Ist der Frühling dan verronnen/
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singt der Sommer/ daß es schallt/
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lihblich rauschen kleine Bronnen
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durch den grünen Schäffer-Wald.
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Kloris steht biß an die Waden
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zwischen Moon und Akker-Rhaden/
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heymlig ziht mich in den Klee
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die erhizzte Dorile!

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Dan färbt der Herbst den Bäumgens
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Violen-blau die Pfläumgens/
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das letzte Schwalben-Pärgen fliht/
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Michel/ Seppel/ Veit und Hannß
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springen ümb den Erndte-Krantz/
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und säzzen über alle Kost

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Zurlezzt kombt gantz darhindter
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wihderümb der Winter
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und füllt uns durchauß biß ins Bett
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voll Ambrosin und Nectar-Fett!
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Man juhchtzt/ drutz Eyß und Schnee/
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und singt sich ümmer wihder froh
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auff seinem

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sie dreht sich stäts vom Neuen;
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mit jädem/ waß sie stellt/
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will sie uns blohß erfreuen.
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Drümb scheint mir auch so durchauß Brey
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sambt allem/ waß nach Griechisch räucht/
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oder auff Lateinisch kräucht!
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An so alten Fleder-Wischen
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kan kein Mäntsch sich mehr erfrischen/
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weilen ihre böse Würtzen
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blohß den Lebens-Draht verkürtzen.
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Nur Eins hebt mich biß in den Himmel:
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Dihsem halt ich seine Schrifft
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nicht for wohl-kandirtes Gifft.
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Offt schon sann ich manche Nacht/
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waß mich so verlihbt ihm macht.
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Alles ist for mir wie hin/
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wenn ich mit ihm zwistig bin!
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Nie so gäb ich seine Leyer
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sälbst ümb
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rönn mir gleich durch Mercks und Bluht
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noch so süsse Liebes-Wuht!
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dein fast Wollust-voller Finger
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schlug sie für mir/ dan
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eh sie
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Ihre Säyten werd ich rupffen/
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biß an mir die Würmer zupffen/
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biß auff mir der Rabe hokkt
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und sein frölig

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So verfliessen meine Dage
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zwar vergnügt/ doch eylends hin/
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biß ich einst im Sarkofage/
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sonder Klage/
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nichts wie Staub und Asche bin.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Arno Holz
(18631929)

* 26.04.1863 in Kętrzyn, † 26.10.1929 in Berlin

männlich, geb. Holz

Journalist, deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus (1863-1929)

(Aus: Wikidata.org)

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