Brüder/ sizzt euch ümb den Disch!

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Arno Holz: Brüder/ sizzt euch ümb den Disch! Titel entspricht 1. Vers(1896)

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Brüder/ sizzt euch ümb den Disch!
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Sein Gesicht ist roht und frisch/
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ihre Biehtzgens beben.
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Blanckes Zinn und Borzellan
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blüzzt für allen Bläzzen/
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ein gespikkter Göldt-Fasan
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soll uns itzt ergäzzen!

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Ich bün nicht for Zeisgen-Kost.
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Gorcken und Melonen/
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Leber-Wörstgens heiß vom Rost
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dörfft ihr mir nicht schonen.
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Qwitten-geeles Gänsgen-Schmaltz
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dhat Brambillgen drihber –
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hätt ich eines Kranichs Haltz/
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wärs mir ümb so lihber!

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Nichts wie Wasser in sich dreyn
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schlurffen tumme Rinder/
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Zokker-süsser
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flekkt for
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Sein ambrirter Alakant
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fillt uns mit Entzükken/
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wenn wir ihn auß Rand und Band
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Schlükk-weis in uns drükken!

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hellische Megäre/
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läkkerts dich nach Leichen-Frahß/
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zükkstu schon die Schäre?
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Gleich so fallt mir etwaß ein:
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Sizz dich mir darneben!
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Plintzckens mit Rohsinen dreyn
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wird es auch noch geben!

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kömbstu schon geloffen?
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Pakkt ihn beym Schlaffitt geschwind/
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macht ihn dikk besoffen!
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Jeder hebt sich auff den Schooß
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seine schönste Schöne/
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daß ihr blasses Duppel-Blohß
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sein Vergnügen kröne!

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Alles Kummers sind wir frey/
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riegelt zu die Dhüren!
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Unerhörtes Mord-Geschrey
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wollen wir vollführen!
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Jeder singe/ waß er kan/
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Citepomerone/
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Pomezite Zanteran/
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Regivaselone!

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An die Wand/ daß alles kracht/
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schmeisst das Glaß zu Scherben!
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Zehn mahl ließ in einer Nacht
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Florilis mich sterben!
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Jugend sehnt nach Jugend sich/
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Tau sich nach Melissen!
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Worzu Kind/ verferbstu dich?
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Jeder kan das wissen!

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Rohsen/ Rohsen in den Wein/
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Rohsen ümb die Stirne!
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Beiß mir nicht ins Ohr hinein/
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du erhizzte Dirne!
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Vor Vergnügen wird sie roht/
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kaum daß ich sie trükke –
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schlagt dem außverschehmbten Dodt
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ümb sein Maul die Krükke!

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darff uns itzt nicht fehlen!
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Holla/ auff zum Fakkel-Dantz/
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Kayserin der Seelen!
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Dein belihbter Zeit-Verdreib
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soll uns rächt scharmiren/
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dan so bräucht man seinen Leib
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nicht erst zu purgiren!

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Pfeiffen schon die Musici?
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Klükkern schon die Glökkgen?
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Clorimindgen biß zum Knie
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lupfft ihr Daffet-Rökkgen.
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Nicht blohß forn/ auch Hindten-rum
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wölbt sichs ihr aimabel/
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drümb so ist sie/
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waß for meinen Schnabel!

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Gantz und außdermahßen fein
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schwänckt sich auch Ismene;
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kom und schleuß dich in mich rein/
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weisse Lust-
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Kukk/ mein wanckel-bahres Hertz
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brännt dir schon wie Zunder!
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Schänck mir drümb zu Schimpff und Schertz/

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Doris/ stähts vergnügtes Huhn/
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offt warstu mein Weibgen;
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auß geblühmten Zizz-Kattuhn
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strafft sich dir dein Leibgen.
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Dein verehrtes Mittel-Stükk
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gilt for mir Dukaten –
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gleich so schippt sie mich zurükk/
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weil ich waß verrathen!

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Grittgen/ du bist mir zu fett/
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nie wirstu mich krigen/
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daß wir uns im Fehder-Bett
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eins ümbs andre schmigen.
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Bün ich gleich kein Cawallir/
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lihb ich doch die Schlancken/
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die weit fäster ihre Zihr
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ründ ümb mich verrancken!

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Lihblich drehn sich auff und ab
101
all die netten Dinger;
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grabt mir nicht zu tieff hinab
103
die verlihbten Finger!
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Sonstso/ fischt sich wer waß her/
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läßt ers nicht gleich fahren –
106
Gottseydanck/ wir sind nicht mehr
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in den Kälber-Jahren!

108
Mops und Mopsa schnarchen itzt/
109
wir sind froh und munter;
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ihren Silber-Firniß schwizzt
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Biß der kluge Hauß-Hahn kreht/
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gehn wir nicht zu Bette;
113
dan so ists genug gedreht –
114
lihbt euch ümb die Wette!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Arno Holz
(18631929)

* 26.04.1863 in Kętrzyn, † 26.10.1929 in Berlin

männlich, geb. Holz

Journalist, deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus (1863-1929)

(Aus: Wikidata.org)

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