Der Tag lihgt lengst zur Ruh/

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Arno Holz: Der Tag lihgt lengst zur Ruh/ Titel entspricht 1. Vers(1896)

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Der Tag lihgt lengst zur Ruh/
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und lescht die letzten Lichtgens auß.
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Die Zeisgens/ Amstelgens und Truscheln
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schon still in ihren Nestgens kuscheln.
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Dorillgen/ ist es dir genehm/
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so mach ich es mir itzt beqwem/
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weil daß, waß mich dir so verbündet/
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dein Händgen auch im Fünstern fündet.
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Itzt acht ich nichts for deine Küsse
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gantz Indjens bundte Pärlen-Flüsse/
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fast bün ich mir sälbst entrukkt/
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wenn dein Mund auff meinem zukkt!

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Blanck besilbert steht die Thür/
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kukk/ schon bricht der Mond herfür!
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Kom/ wir schwimmen/ ich und du/
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auff die Zokker-Insuln zu!

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Im nahen Pusch brohbt Filomele
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die Pärlen- und Korallen-Kehle;
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Frau
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der Sternen-Pöfel dantzt!

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Deines Leibs bezihrter Bau
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gleicht
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Rohsen und Rubinen streiten
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sich ümb ihn von allen Seiten.
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Seine wohl-geformte Länge
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bringt mich seelig ins Gedränge/
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kaum drukkstu die Augen zu/
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wenn ich waß Verbohtnes dhu!

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Gönne/ daß ich noch erwehne
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jene Alabaster-Schwehne/
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die auff deinem Marmol-Meer
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langsam schauckeln hin und hehr;
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for mich sind dihse zween Narzissen
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die aller-schönsten Schläkker-Bissen!
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Ihr Schwestern wohl gepaart
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ohn alle jede Kanten/
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ihr habt so rächt die Ahrt
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der fästen Adamanten –
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ich muß euch/ ümb euch zu geniessen/
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in die verlihbten Hände schliessen!
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Deine mehr alß göldne Lokken/
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deine zahrt-gekrüllte Flokken/
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deine Wollen-weiche Hand/
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deine Wollust-runde Augen/
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die mich gleichsahm in sich saugen/
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alles küß ich dir touchant!

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Mägdgen/ sey nicht faul/
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qwättsch mir Maul auff Maul/
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süssres hab ich nie gefühlt/
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alß wenn in mir dein Zünglein wühlt!
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Wuttsch/ itzt hab ich waß verwischt/
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wornach ich schon lengst gefischt!
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Denn man sucht sich niemahls satt
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darnach/ waß man sälbst nicht hat!
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Gleich so ruffstu und mit Lachen/
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mänckstu dich in andrer Sachen?
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Nicht so fäst und ümmerzu/
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du verlihbter Rakker du!
59
O zokker-süsse Noht/
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durchauß erwüntschter Todt!
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Ümmer wihder meinen Mund
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trukk ich auff dein Duppel-Rund!
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Immer wihder auff die Ballen
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laß ich meine Küssgens knallen!
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Wie dein Hertzgen tukkt und pukkert/
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Ach/ so mancher würde schreyn:
67
Künt ich itzund

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Arno Holz
(18631929)

* 26.04.1863 in Kętrzyn, † 26.10.1929 in Berlin

männlich, geb. Holz

Journalist, deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus (1863-1929)

(Aus: Wikidata.org)

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