das sind die blauen Tage

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Arno Holz: das sind die blauen Tage Titel entspricht 1. Vers(1896)

1
das sind die blauen Tage;
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ich bin ausser mir/ verzukkt/
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ich weiß nicht/ waß ich sage.
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Itzt ist die gantze Welt
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ein bundtes Rohsen-Feld/
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itzt ist es schön;
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die schwartze Nachtigall
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verübt am Wasser-Fall
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ihr süß Gethön!

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Zwischen Hertz-Kraut und Kamillen/
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drauß die zährtsten Düffte qwillen/
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lihgt
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unter einem
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der/ wenn früh die Sonne blizzt/
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nichts alß nur Juwelen sprizzt.
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Blanck darzwischen steht betaut
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Frauen-Hahr und Wihgen-Kraut/
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kleine Schaafe weiß wie Schnee
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weiden ümb den Mümmel-See.
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Feister Klee/ gesunder Qwendel/
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krause Müntze und Lawendel/
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Hahnen-Tau und Sonnen-Rauch/
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alles muß in ihren Bauch!

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Wie ümb den Ulmen-Baum die Rebe/
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schlingt sich ümb
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man siht den schilfichten
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vergnügt bey
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kikkert/ kukk mal/ wie ich bin.
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seinen blancken Harnisch weck.
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Drauff so trukken beyde sich
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embsiglich!
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Für nichts alß Rohsen-Ketten
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weiß er sich kaum zu retten/
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auß ihren Mund-Korallen
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auff ihn blohß Küssckens knallen.
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Stähts bemüht/ sich zu verpaaren/
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pakkt er sie bey ihren Hahren/
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süß durch seine Raserey
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trifft sein Ohr ihr Lihbes-Schrey!

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Rosilis lihgt auff dem Rükken/
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nun sey blohß kein Knoten-Stokk/
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du bräuchst dich nur nach ihr zu bükken/
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der Wind hebt ihren Sommer-Rokk.
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Nichts nicht lässt er ohnberührt/
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wie sich solches itzt gebührt;
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in den Zweigen auff und nihder
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dantzt verbuhlt das Lufft-Gefihder!

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Gleich so nehm ich bey ihr Blazz:
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Kindgen/ traumt dir itzt dein Schazz?
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Laß den thummen Lemmel lauffen/
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er wird gewiß itzt Broihan sauffen!
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Ich verschmachte/ ich verschwizze/
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wie ein Gräsgen in der Hizze;
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küß mich mitten auff den Mund/
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schön bün ich nicht/ doch sehr gesund!
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Rohsen zihren blohß die Häkken/
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daß an ihnen Weßben läkken/
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drauff so gihb mir deine Hand
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alß belihbtes Unter-Pfandt!

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Mit den allzu sehr Suptilen
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förchtet man sich fast zu spihlen;
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doch dihß gläub ich fäst und steiff/
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deine Oepffel sind lengst reiff.
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Ein Griffgen/ das nichts räubt/
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ist überall verläubt;
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worhin man auch die Finger legt/
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du bist rächt wohl verpflegt.
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For so rohsige Pilaster/
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weicht der zihrste Alabaster/
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kaum
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waß wie Tulpen-Athlaß strahlt!

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Ey/ ey! Ey/ ey! Bozz Klekkgen!
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Waß ist denn daß for Flekkgen?
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Sälbst waß ihn rundrümb zihrt/
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ist durch und durch ambrirt!
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Fast so acht ich höher dihß/
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alß des
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die aller-kleinste Sachen
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offt am vergnügsten machen!

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Nichts alß Lihbe brachte um
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eine Wildt-Sau fraß
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ach/ es fing sie alle/ alle/

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Ey/ kukk/ wer kombt denn dort geflogen?
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Dein rohtes Mündgen/ das gelacht/
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hat ihn dir gantz verlihbt gemacht.
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Nun schihßt der kleine Flegel
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gar durch die Lufft Kopps-Kegel
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und lässt sich husch/ husch/ husch
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in einen Bluhmen-Pusch.
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Er sizzt in lautter Rohsen
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und singt und lacht:
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Waß habt ihr blohß/ ihr Losen/
93
gemacht?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Arno Holz
(18631929)

* 26.04.1863 in Kętrzyn, † 26.10.1929 in Berlin

männlich, geb. Holz

Journalist, deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus (1863-1929)

(Aus: Wikidata.org)

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