Printz

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Arno Holz: Printz Titel entspricht 1. Vers(1896)

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Printz
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sein Silber spihlt im Kolck;
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lengst traumt auff seinen Stangen
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das prawe Hühner-Volck.
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In den geschwärtzten Gassen
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geht Licht an Lichtgen auff;
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daß Zweene sich ümbfassen/
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ist itzt der Welt ihr Lauff.
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Das faule Fiamettgen
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begibt sich schon zur Ruh/
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erst kükkt es unters Bettgen/
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dan mümmelt es sich zu.
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Nur wir/ die gantz Entbrannten/
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sind noch so ranck wie risch/
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im blauen Oriflanten
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dröhnt unser Runda-Disch!

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blazzt nicht an der Wasser-Gicht!
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Lüderlich mit
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stopfft er sich die Nase voll/
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Schwamm und Schimmel Finger-dikk
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zihren ihm sein Bücher-Rükk!
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Dein Burdeau
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mach uns froh!
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Soll er dir verkellern?
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Blizzen laß
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Glaß an Glaß
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zwischen Kuchen-Dellern!
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Fast so sind uns deine Weine
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bläncker alß
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Wer sich deiner nie beflissen/
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wird bespukkt und rauß geschmissen!

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du ligst uns im Magen!
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Dein mit Staub bepudert Fell
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schafft uns nicht Behagen!
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Dein Kleid auß violettem Dafft
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ist würcklich schon waß mangel-hafft!
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Zwar deinem Scheddel fehlts an Grüzze/
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doch däkkt ihn eine Zobel-Müzze/
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darfor so hänckt dir ohngelogen
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dein Rükken wie ein Fidel-Bogen!
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Alles schlampt dir schon verqwarckt –
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sizz dich auff den Kräutter-Marckt!

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blohß noch denen Lämmgens vor/
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weil sein Hertz zu jeder Zeit
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Nichts vergleicht er an Gewalt
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ihrer himmlischen Gestalt;
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gleich so ist er hin für Glükk/
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siht er blohß ihr Achter-Stükk!
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Lengst verdreusst uns sein Gebrülle
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über ihre Busen-Fülle;
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for die Waden vihl zu kortz
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ist ihr kleiner Schäffer-Schortz!
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Ob sie/ wan sie an ihn dänckt/
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würcklich ihm ein Zährgen schänckt?
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Schafft ein Zwiebelgen uns ran/
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daß man ihn beweinen kan!

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ward zum
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Seine Zokker-Zunge schläkkt
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nur noch waß nach Frankreich schmäkkt!
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Die Stieffelgens auß feinstem Jochten/
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die Hahre durch und durch verflochten/
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das Mäntelgen auß steiffstem Sammt –
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kaum
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Morgends schon um halber Vier
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sizzt der Lemmel beym Bolbier/
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dan so sucht er nachts biß speht/
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wo der Weg durch Mäntschen geht.
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Basilille/ alte Kuh/
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plinck ihm nicht verstohlen zu!
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Sein Fläschgen ist schon fast wie leer
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und die Dinte fleusst kaum mehr!

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läßt donndrend einen fahren;
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er blihb/ zu sehr gesund/
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der alte grohbe Hund!
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Den lezzten Deut verkehrt der Zwikkel
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zu Mett-Worst und zu Bompour-nikkel
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und stellt for Malvasir
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ein sehr gutt Zerbster-Bier!
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Blanck bezihren hundret Reste
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seine Uhr-Großvatter Weste/
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darzu so speyt er Thobakks-Safft/
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solches ist jo ekkel-hafft!

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kännen wir fast zu genau/
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die durch alle Gassen rennt/
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weil sie wie ein Stroh-Wisch brennt!
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Offt schon hat sie ohngenirt
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uns das Canapee bezihrt;
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daß ihre Ründungen nicht treugen/
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läßt sie sich jeden überzeugen.
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Wie schön/ daß Sowaß heut der Mann
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schon for zwo Gröschen haben kan!

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wirff deinen Bogen hin/
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weil nichts nicht dihse Nacht
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uns dir zintz-bahr macht!
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In kein Kleidgen ohne Schleiffen
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werden wir biß morgends greiffen;
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Fillis kan uns nicht bekräncken/
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wenn wir unsre Gläser schwäncken!
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Rhein-Wein blohß und Mosel
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schleifft uns ran die Rosel/
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nach der Väter Weise
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drincken wir im Kreise!
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Sälbst der geulste Hottendott
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kippt itzt einen Bergamott/
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er bräucht dan/ ziht er zihmlich kühn/
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nicht erst den
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Friß! Schling!
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Sauff! Sing!
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Sizz dich zu uns/ kleines Männgen/
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statt deß Zolps wähl dir ein Känngen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Arno Holz
(18631929)

* 26.04.1863 in Kętrzyn, † 26.10.1929 in Berlin

männlich, geb. Holz

Journalist, deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus (1863-1929)

(Aus: Wikidata.org)

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