kömbstu mir schon auff die Stube/

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Arno Holz: kömbstu mir schon auff die Stube/ Titel entspricht 1. Vers(1896)

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kömbstu mir schon auff die Stube/
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sälbst wenn ich beym Ocksen bin?
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Marsch! Ich kann dich itzt nicht bräuchen/
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scheer dich draussen zu den Sträuchen/
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oder auch zu Fillis hin!
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Ihren Sizz vollkommner Lüste/
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ihre Wunder-volle Brüste
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lege einem Andren bey;
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mag sie schmollen oder lachen/
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oder auch mir Hörner machen –
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dihses ist mir einerley!

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Erst so sehn die Mäntscher auß/
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alß ob von dem sälben Dauß
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mindestens die
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bald so märckt man sie fast rund/
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sind sie würcklich so gesund?
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Spähter werden sie dan Ammen.
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Das Bürtzel-Spihl auff Stoß und Stich
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verstehn sie fast zu dapfferlich!

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Flammaris mit fünfzehn Jahren
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dhut noch zihmlich unerfahren/
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doch schon ist das süsse Wesen
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in
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und schon offt hat ihr getraumt/
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daß sie wem waß eyn-geraumt!

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Siebzehn-jähricht
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Stichel-hähricht!
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Kükkt man solcher auff das Mihder/
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schlägt sie nicht die Augen nihder!
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Mädrichins kan ich blohß leiden
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wohl-gesittet und bescheiden/
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Dörtgen/ das nach jedem schuhlt/
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scheint mir drümb schon abgebuhlt!

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Bambrette wird mir schon zu breit/
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sie stammt noch auß der Schweden-Zeit;
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drümb legt sie auch so ohnverdrossen
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sich Frosch-Laich auff die Sommer-Sprossen.
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Für ihren auß-gestopfften Busen
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verhüllen schaudrend sich die Musen;
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der Himmel schänck ihr einen Mann/
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ihr kommen sonst die Schaben dran!

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Barbettgen ist sogar schon bartig/
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wenn man sie küsst/ so wird man schartig/
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auß ihrer Elen-langen Nase
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droppts wie auß einer Wasser-Blase.
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Ihr Maul von angenehmer Bläue
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gleicht mehr schon einer Vogel-Schäue;
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darbey so kan sie kaum noch buhsten/
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sie blagt ein heischrer Krüchel-Husten.
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Ein Andrer suche ihr nach ihr Flöhen
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auff den belihbten Busen-Höhen/
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mein Hertz erzittert schon und bebt/
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sorbald sich blohß ihr Dünn-Tuch hebt!

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Dringen ist for mir zu simpel.
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Ich gläube gar/ sie küsst blohß Gimpel.
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Man siht es ihr nicht an vom Weitem/
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doch hat sie schöne Einzelheiten.
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Ich so gäb sie jeden Falls
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for ein Qwäntgen Attisch Saltz;
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blohß zu Fleisch und blohß zu Bein
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kan ich nicht rächt zährtlig seyn!

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Celinde ümb ihr bißgen Waden
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helt sich zu schade for die Maden.
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Seit Kloridan sich ihr entrissen/
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will sie von keinem mehr waß wissen.
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Nur Eins kan sie von all den Nympffen/
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ihr Maul biß auff den Absazz rümpffen.
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Zeit fehlt mir und Bappihr/
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sonst schrihb ich ihr!

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Dihses scheint mir gantz gewiß/
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ein Luder ist auch Lysilis!
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Zwar hat sie schrökklich vihl Erfahrung/
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doch fliht sie ümmer noch die Paarung.
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Inssonderlich uns Dheologen
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zeigt sie sich eusserst ohngewogen;
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ich gläub/ sie geht auff Lug und Drug/
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sie dhut mir nicht modest genug!

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Floris/ dihses schlaue Biest/
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fast am mehrsten mich verdriesst.
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Kan schon einer von ihr sagen/
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daß sie ihm waß ab-geschlagen?
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Kaum so hat sie wen allein/
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gönnt sie's ihm vergnügt zu seyn;
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gleich so nimbt sie weich und warm/
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ihn in ihren Schwahnen-Arm!

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Mechthildgen geht auff schwehren Füßen/
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sie muß ihr Freundlich-seyn itzt büßen.
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Von jedem Bawian und Holuncken
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lihß sie sich in die Brühe tuncken;
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bey solcher zeig ich wenig Eyffer –
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fy Teix/ da ligt noch frembder Geiffer!

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Wo auff des
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die geneundte Schwestern sizzen/
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kan ich mir itzt kaum vergeben
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mein verfluchtes Buhler-Leben!
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Meine vor gemachte Lieder
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sind mir gantz und gar zurwihder;
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ein Knaster-Pfeiffgen/ ein Coffee
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sind mir mein eintzges
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Meine annoch grüne Jugend/
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gönn ich fortab blohß der Dugend;
102
darfor so kröhnt einst mein Gebein
103
ein zubespizzter Marmol-Stein!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Arno Holz
(18631929)

* 26.04.1863 in Kętrzyn, † 26.10.1929 in Berlin

männlich, geb. Holz

Journalist, deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus (1863-1929)

(Aus: Wikidata.org)

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