ümbzwänckt sein Hauß auß Eyß/

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Arno Holz: ümbzwänckt sein Hauß auß Eyß/ Titel entspricht 1. Vers(1896)

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ümbzwänckt sein Hauß auß Eyß/
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itzt sizzt es sich so rächt geheuer
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ümb unser lihbes Schornstein-Feuer!
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Durch den nichts alß blancken Frost
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klirrt der
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in den krauß befrohrnen Scheiben
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siht man kleine Blühmckens kleiben.

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durch den dikken Dannicht streifft/
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Hirsche/ Wölffe/ Bären/ Lüxe/
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knallt sich seine Kugel-Büxe.
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sinnt itzt nur auffs Schlitten-Fahren.
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Kömbt er Abends froh nach Hauß/
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ziht sie ihm den Harnisch auß/
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Hasel-Hühner/ Löffel-Kraut
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stehn schon for ihn auff-gebaut
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und zu einem Gläsgen Wein
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Sauer-Kohl mit Pflükk-Hächt dreyn.
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Beyde Brüste nakkt und blohß/
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sizzt sie sich auff seinen Schooß;
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alles ist ihm frey gestellt/
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sälbst ihr göldnes Rohsen-Zelt!

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läßt sich die beyden lihben
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und stopfft sich seinen schwartzen Bauch
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fäst voll Gänse-Grihben.
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saufft sihben Eymer Bacharacher.
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Drauff so rukken beyde dicht
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in das göldne Lampen-Licht
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und zu einer Pfeiff Thobakk
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spihlen sie dan Dikke-Dakk.

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Unterdeß pfaucht immer gröber
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durch die dikk begraute Lufft
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zirculirt ein Schnee-Gestöber.
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Puh Teuffel/ fegt das kolt!
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Ich acht/ ein guht Glaß Wein
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sampt einer Braht-Worst sollt
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ihm angenehm itzt seyn!
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verkäufft blohß Honig-Fladen.
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Mit Hertzgens gantz auß Kuchen
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macht er die Kindgens juchen/
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mit Prillekens und Prindten
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stopfft er sie voll biß Hindten.
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Mit Obst und Confectüren
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kan er sie durchauß rühren;
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Knakk-Mandeln und Morsöllen –
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er weiß schon/ waß sie wöllen!
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Heimlich streichen zu ihm hin
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auch die kleinen Jüngffrichin.
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Sie sind for Feffergens und Würtzgens/
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sie knuppen gerne Nonnen-Fürtzgens/
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sie sind mit wenig Worten
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for angemachte Torten.
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drükkt die Ofen-Banck und spinnt.
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Jeden Morgen kombt sie nider/
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denn sie tichtet – Mayen-Lider!

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Bringstu mir schon Späkk und Worst/
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bringstu mir schon Schincken?
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Mein/ waß blagt mich for ein Dorst/
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schaff mir auch zu drincken!
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Lilgen/ Tulipen und Klee
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däkkt itzt Elen-tieffer Schnee/
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darbey ohne Warm-Bier seyn
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wäre for mir Hellen-Pein!

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sihst wie ein Zintz-Hahn auß/
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weil deine Nase itzt
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nichts alß Rubinen schwizzt!
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Erst itzt erfreut dich gantz
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die lihbe
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in deinem Sauff-Hauß sizztu da/
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ronda dinellula! –
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Nirgends mehr ein Weg hin geht/
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alles ist fästzu geweht/
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und man hört für seinem Singen
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kaum noch/ wie die Schlittgens klingen.

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Juhch Hoscha Holl/
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itzt bün ich voll!
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Itzt kan ich kaum von deinen Knieen
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die schwache Hand zurukk mehr zihen!
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Deine außerlesne Jugend/
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deine ohngemeine Dugend/
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dein wie Spihgel-glattes Kinn
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nehmen mich mir sälbst dahin!
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Schon so sizzen wir verschränckt/
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in einander ein-gehänckt/
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schon so bün ich gantz vergnügt/
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weil dein Mund sich meinem fügt.
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Kleine/ schnell versezzte Küsse
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sind die schönsten Pompernüsse;
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nicht zu wenig/ nicht zu vihl/
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Lihben ist kein Poppcken-Spihl.
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Dihser war dir ein Genuß/
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bitte nun den Gegen-Kuß.
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Ey/ botz Klekk/ war daß ein Schmäzzgen!
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Du verlihbtes Löffel-Käzzgen!

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Dorillgen/ laß itzt das Spinett/
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uns wird zu wohl/ wir gehn zu Bett.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Arno Holz
(18631929)

* 26.04.1863 in Kętrzyn, † 26.10.1929 in Berlin

männlich, geb. Holz

Journalist, deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus (1863-1929)

(Aus: Wikidata.org)

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