Mich sah so Leipzig/ Wien/ wie Prag/

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Arno Holz: Mich sah so Leipzig/ Wien/ wie Prag/ Titel entspricht 1. Vers(1896)

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Mich sah so Leipzig/ Wien/ wie Prag/
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so Rostock/ Königsberg/ wie Jene;
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doch wo ich auch zu drällern pflag/
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es ging mir überall höchst bene.
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Noch keinen schuf so frohen Sinns

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He/ Brüder/ bräucht euch eurer Zeit!
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Sie saust dahin/ nichts läßt sich halten.
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Die heut blohß Zokker-Rösgens schneyt/
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bekränckt euch morgen schon mit Falten.
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Zurletzt schlurfft uns ein schwartzes Loch –
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fy Teix/ wer nie nach Dabbak roch!

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Den Bahrt laßt uns zu Zwürbeln drehn!
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Sprengt hoch zu Gaul! Jagt in Carreten!
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Auff Silber-Schüsseln will ich sehn
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Dukahten-Nudeln und Lampreten!
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Rosingens wüntsch ich alß Geschlekk/
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auch schafft mir ja Canari-Sec!

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Auff den belihbten
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man erst nach ohngemeinem Schwizzen/
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und schlüßlich/ wenn dan alles stimmt/
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bleibt man blohß höchstens auff ihm sizzen.
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For Sowaß geben wir nach Elff
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noch nicht mahl einen Zwiebel-Schelff!

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Wo
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zeigt sich auch bald sein Bruder
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Bauckt auff die Dische/ randalirt/
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kreischt drey-mahl
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Der eine spihlt das Dideldom/
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Der andre auff dem Plomplomplom!

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Vergnügter war nicht
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verschmizzter nicht
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wir folgen Beyder ihre Spur
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und würbeln alles durch-einander!
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Nur Einer hat für uns das Prä/
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der alte Doctor

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Da/ horcht! Schon dröhnt die Mitternacht!
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Itzt heisst es: Pursche/ Runda sauffen!
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Eh nicht
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darff keiner in die Fehdern krauffen!
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Der fättsten Färckelgens Geqwiek
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klingt gegen unsres wie Musik!

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O allerschönste Galathee/
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wie seelig muß sichs dein geniessen!
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Laß deinen weissen Armen-Schnee
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ümb meinen Haltz herümber fliessen!
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Kom/ sizz dich hihr auff meinen Schoos/
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ich mach dir beyde Brüstgens blohß!

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Harr! Kükkt/ die ihr noch nüchtern seyd!
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Wog wer schon ähnlichte? Botz Zäpffel!
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Störtzt alle nihder/ juhcht und schreyt:
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Das sind
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Sie rollen hin/ sie rollen her/
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so herrlich rollt kein Pärlen-Meer!

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Laufft! Raufft! Schlagt alles korz und klein!
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Brecht zu den Mäntschern in die Betten!
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Dantzt ümb kein Kalb! Dantzt ümb ein Schwein!
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Bewindet es mit Rohsen-Ketten!
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Zum Leid-dhun bleibt noch ümmer Zeit/
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wann ihr erst alt und gräulich seyd!

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So klingts bald hoch/ so klingts bald tieff
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von meiner wohl-bespihlten Laute;
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schon mancher ärgerte sich schieff/
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sorbald ich blohß die Säyten kraute.
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In solchen Scheddeln meiner Treu
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rumohrt fast nichts wie Hekker-Spreu!

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Obs würcklich einen Himmel giebt/
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wie wir auß alten Schrifften lesen?
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Mir scheint das zihmlich abgediebt;
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es ist noch keiner dagewesen!
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Mein Hieber saust/ das Pflaster sprüht/
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ich bün nicht gern ümbsonst bemüht!

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Der Helle drau ich fast schon mehr.
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Ich wüntschte sie so manchem Lemmel.
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Und brillte er auch noch so sehr/
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ich schmiss ihm keinen Gnaden-Semmel.
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Doch gläub ich trutzdem franck und frey/
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auch sie ist eitel Fantasey!

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Jedennoch weiß wer nichts genau.
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Vihlleicht so brasseln ihre Flammen.
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Dan schlägt ihr nichts alß Feuer-Bau
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mahl ekklich über mir zusammen.
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Doch schlukkt sie mich sälbst würcklich eyn –
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es wird schon wo ein Schlipploch seyn!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Arno Holz
(18631929)

* 26.04.1863 in Kętrzyn, † 26.10.1929 in Berlin

männlich, geb. Holz

Journalist, deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus (1863-1929)

(Aus: Wikidata.org)

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