Ein Abschied

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Arno Holz: Ein Abschied (1896)

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Sein Freund, der Thürmer, war noch wach,
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Wie Silber gleisste das Rathhausdach,
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Und drüber stand der Mond.

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Er wusste kaum, wie schwer er litt,
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Doch schlug ihm das Herz bei jedem Schritt,
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Und das Ränzel drückte ihn.

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Die Gasse war so lang, so lang,
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Und dazu noch die Stimme, die über ihm sang:
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Wann's Mailüfterl weht!

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Jetzt bog sich ein Fliederstrauch über den Zaun,
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Und die Mutter Gottes, aus Stein gehaun,
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Stand weiss vor dem Domportal.

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Hier stand er eine Weile still
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Und hörte, wie eine Dohle schrill
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Hoch oben ums Thurmkreuz pfiff.

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Dann löschte links in dem kleinen Haus
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Der Löwenwirth seine Lichter aus,
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Und die Domuhr schlug langsam zehn.

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Die Brunnen rauschten wie im Traum,
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Die Nachtigall schlug im Lindenbaum,
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Und Alles war wie sonst!

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Da riss er die Rose sich aus dem Rock
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Und stiess sie ins Pflaster mit seinem Stock,
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Dass die Funken stoben, und ging.

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Das Lämpchen flackerte roth überm Thor,
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Und der Wald, in den sich sein Weg verlor,
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Stand schwarz im Mondlicht da ...

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Erst droben auf dem Heiligenstein
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Fiel ihm noch einmal Alles ein,
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Als der Weg um die Buche bog.

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Die Blätter rauschten, er stand und stand
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Und sah hinunter unverwandt,
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Wo die Dächer funkelten!

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Dort stand der Garten und dort das Haus,
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Und jetzt war das aus, und jetzt war das aus,
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Und – die Dächer funkelten!

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Sein Herz schlug wild, sein Herz schlug nicht fromm:
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Wann i komm, wann i komm, wann i wiederkomm!
39
Doch er kam nie wieder.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Arno Holz
(18631929)

* 26.04.1863 in Kętrzyn, † 26.10.1929 in Berlin

männlich, geb. Holz

Journalist, deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus (1863-1929)

(Aus: Wikidata.org)

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