15.

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Arno Holz: 15. (1896)

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Und wieder nun lässt aus dem Dunkeln
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Die Weihnacht ihre Sterne funkeln!
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Die Engel im Himmel hört man sich küssen
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Und die ganze Welt riecht nach Pfeffernüssen ...

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So heimlich war es die letzten Wochen,
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Die Häuser nach Mehl und Honig rochen,
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Die Dächer lagen dick verschneit
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Und fern, noch fern schien die schöne Zeit.
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Man dachte an sie kaum dann und wann.
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Mutter teigte die Kuchen an
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Und Vater, dem mehr der Lehnstuhl taugte,
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Sass daneben und las und rauchte.
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Da plötzlich, eh man sich's versah,
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Mit einem Mal war sie wieder da.

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Mitten im Zimmer steht nun der Baum!

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Man reibt sich die Augen und glaubt es kaum ...
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Die Ketten schaukeln, die Lichter wehn,
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Herrgott, was giebt's da nicht alles zu sehn!
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Die kleinen Kügelchen und hier
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Die niedlichen Krönchen aus Goldpapier!
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Und an all den grünen, glitzernden Schnürchen
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All die unzähligen, kleinen Figürchen:
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Mohren, Schlittschuhläufer und Schwälbchen,
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Elephanten und kleine Kälbchen,
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Schornsteinfeger und trommelnde Hasen,
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Dicke Kerle mit rothen Nasen,
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Reiche Hunde und arme Schlucker
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Und Alles, Alles aus purem Zucker!

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Ein alter Herr mit weissen Bäffchen
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Hängt grade unter einem Aeffchen.
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Und hier gar schält sich aus seinem Ei
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Ein kleiner, geflügelter Nackedei.
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Und oben, oben erst in der Krone!!
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Da hängt eine wirkliche, gelbe Kanone
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Und ein Husarenleutnant mit silbernen Tressen –
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Ich glaube wahrhaftig, man kann ihn essen!

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In den offenen Mäulerchen ihre Finger,
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Stehn um den Tisch die kleinen Dinger,
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Und um die Wette mit den Kerzen
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Puppern vor Freuden ihre Herzen.
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Ihre grossen, blauen Augen leuchten,
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Indess die unsern sich leise feuchten.
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Wir sind ja leider schon längst »erwachsen«,
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Uns dreht sich die Welt um

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Und zwar zumeist um unser Büreau.
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Ach, nicht wie früher mehr macht uns froh
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Aus Zinkblech eine Eisenbahn,
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Ein kleines Schweinchen aus Marzipan.
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Eine Blechtrompete gefiel uns einst sehr,
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Der Reichstag interessirt uns heut mehr;
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Auch sind wir verliebt in die Regeldetri
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Und spielen natürlich auch Lotterie.
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Uns quälen tausend Siebensachen.
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Mit einem Wort, um es kurz zu machen,
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Wir sind grosse, verständige, vernünftige Leute!

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Nur eben heute nicht, heute, heute!

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Ueber uns kommt es wie ein Traum,
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Ist nicht die Welt heut ein einziger Baum,
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An dem Millionen Kerzen schaukeln?
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Alte Erinnerungen gaukeln
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Aus fernen Zeiten an uns vorüber
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Und jede klagt: Hinüber, hinüber!
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Und ein altes Lied fällt uns wieder ein:
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O selig, o selig, ein Kind noch zu sein!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Arno Holz
(18631929)

* 26.04.1863 in Kętrzyn, † 26.10.1929 in Berlin

männlich, geb. Holz

Journalist, deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus (1863-1929)

(Aus: Wikidata.org)

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