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An von der Zeit, da das Heil
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Uns durch Christum ward zu theil,
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Hatte gleich den Bilder-Bogen
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Und der zwölffer Thiere Zahl
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Titan rüstig durchgezogen
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Sechzehn hundert sechzen mal,
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Herr und Fürst, da unsrer Welt
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Euch der Herren Herr gestellt.
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Zweymal drüber war die Sonne
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Durchgereiset diese Bahn,
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Als Alecto Zunder sponne,
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Drauß der lange Krieg entbran.
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Herr, ihr dencket nicht ein Jahr,
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Drinnen freyer Friede war!
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Weil ihr dieses Liecht genussen,
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Weil ihr diesen Hut besitzt,
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Hat die Oder roth geflussen;
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Denn das Land hat Blut geschwitzt.
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Eurer Einkunfft bestes war
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Treu bey untergebner Schaar;
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Liebe habt ihr außgegeben;
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Liebe namt ihr wieder ein.
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Eure Sorge halff uns leben,
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Würden sonsten wenig seyn.
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Denn was ietzund noch sind wir,
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Euch habt billich dieses Ihr.
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Was wol sonst für viel ermüden
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Steht Regenten zum Genieß,
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Dieses fraß der Wider-Frieden,
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Daß er wenig übrig ließ.
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Frevel, Boßheit, Tölpeley,
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Hoffart, Neyd, Trug, Schinderey
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Hat sich offt an Euch gerieben;
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Den die Säu vor hörten nicht,
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Wann er sie Stall-ein getrieben,
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Der hat Fürsten ietzt vernicht.
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Denn es gieng ein loser Mann
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Offters einen beßren an;
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Welcher unsrer Väter Hunden
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Fürzustehen nichtig war,
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Dieser hat sich unterwunden,
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Thron zu meistern und Altar.
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Gott in Euch und Ihr in Gott
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Waret mehr als Drang und Spott;
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Eure Brust voll Himmels-Sinnen
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Lachte, wann ein kotig Wurm
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Eures Geistes hohen Zinnen
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Bote spöttisch einen Sturm.
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Weil an Gott rechtschaffen war
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Euer Hertz nur immerdar,
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Hat es künnen frey gebitten,
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Von dem Himmel stets gestärckt,
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Dieser Zeiten wildem Wüten,
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Daß es immer Ruh gemerckt.
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Felsen, die mit Meer und Wind
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Täglich gleich zu Felde sind,
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Künnen täglich dennoch siegen;
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Zuversicht, auff Gott gesetzt,
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Ward von keinem unten-liegen
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Ie bestritten, ie verletzt.
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Gott sey Danck! Ihr seyd durch hin;
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Seht nun traurig abeziehn
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Das verruchte Raub-Geschmeisse,
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Welches unsrer Wolfahrt Graß,
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Und was wuchs von unsrem Schweisse,
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Geitzig immer abe fraß.
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Gott sey danck! deß Friedens-Thau
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Feuchtet wieder unser Au,
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Die deß Krieges-Brunst besenget,
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Daß sich wieder frischer Safft
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In die dürre Wurtzel menget
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Und zum wachsen gibet Krafft.
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Gott sey danck! sein Feuer-Heerd
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Wird wievor nicht umgekehrt;
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Seine Diener, seine Lieben,
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Die für Drang, Zwang, Pein und Schmach
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Endlich mehr kaum kunten giben,
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Hoffen Lufft und mehr Gemach.
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Fürsten werden Fürsten seyn;
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Praler müssen legen ein.
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Ehre darff nicht mehr der Schande
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Wie bißher zu Hofe gehn;
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Haupt wird in deß Hauptes-Stande,
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Fuß wird zu den Füssen stehn.
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Satzung, Ordnung, Gleich und Recht
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Bleibt nicht mehr der Boßheit Knecht;
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Diebe werden wieder hangen
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Fest an Hanff und hoch an Holtz,
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Nicht in göldnen Ketten prangen,
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Arg im Sinn und frech an Stoltz.
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Der dem Pfluge vor entlieff,
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Bauren in den Beutel grieff
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Und bey fremdem Tische schmauste,
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Wird nun wieder mussen hin,
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Wo die Krä dem Schweine lauste,
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Ochsen her für Flegeln ziehn.
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Unser ungesparter Fleiß,
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Unser ungescheuter Schweiß
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Wird uns ja was wieder nützen,
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Daß wir nicht für raubrisch Maul
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Wie bißher so bitter schwitzen
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Und ernehren fremdes Faul.
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Gott sey Danck! der Zornes Brunst
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Hat gekehrt in Güt und Gunst,
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Der verleyh uns wahres büssen,
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Daß wir Argen Gutes thun,
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Lange diesen Schatz geniessen
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Und beständig mögen ruhn!
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Herr, das jüngst-verfloßne Jahr
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Zeigte das, was noch nicht war,
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Da sich Friede, Ruh, vergnügen
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In der Armen warmes Band,
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Wie Ihrs nimmer wüntschen mügen,
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Euch von Strelitz her sich fand.
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Da empfinget Ihr voran
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Alles, was der Friede kan;
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Diesen Außbund aller Gaben,
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Diese wehrte, kleine Welt
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Schaut ihr reichlich in sich haben
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Mehr noch, als die grosse helt.
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Weil ihr Friede nie gehabt,
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Seyd Ihr desto mehr begabt:
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Euer Hertz ist voll vergnügen;
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Innen ist und aussen Ruh;
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Kümt nur bald dazu das Wiegen,
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Ist des Glückes Circkel zu.
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Auch für dieses Friedens Zier
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Sey dir Danck, Gott, für und für!
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Gib, das dieser duple Friede
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Mög in steter Güte stehn,
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Biß die Welt und Ihr seyd müde
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Und wollt selbst zu Bette gehn!