113.

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Friedrich Rückert: 113. (1838)

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Wer sich als Menschen fühlt, und tief in sich empfindet,
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Daß mit der Menschheit ihn die Menschlichkeit verbindet,

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Der wird nicht wollen, wird nicht können auch, die Leiden
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Und Freuden des Geschlechts von seinen eignen scheiden.

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Wes irgend einer vom Geschlecht sich freut' und litt,
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Mitfreuen wird es ihn, und leiden wird ers mit.

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Doch Freud' ist Geistesthat, zur Freud' ist er berufen;
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Ein Thor nur glaubt, daß ihn zum Leiden Götter schufen.

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Vernunft will freie That; wer ihre Stimme hört,
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Räumt freudig weg, was ihm Freiheit und Freude stört,

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Räumt weg die Leidenschaft, und mit ihr seine Leiden;
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Wird er nun auch darum den Anblick fremder meiden?

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Ja, wenn er, dumpf genug, nicht fühlt, was er nicht sieht,
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Auch der Vorstellung mit dem Anblick sich entzieht.

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Viel lieber kämpfen wird er mit des Geistes Waffen,
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Vom Leiden frei wie sich auch andere zu schaffen.

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Hat er in sich bekriegt das Leid und es besiegt,
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Daß überwunden es zum Fuß der Freude liegt;

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So wird er ihren Krieg auch andern helfen kriegen,
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Daß sie, von seinem Sieg gestärkt, sich selbst besiegen.

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Nicht weil er fühlt, daß ers in sich allein vollbracht,
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Wird er die schwächeren verlassen in der Schlacht.

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Wes er sich selb schämt, wird er sich für sie nicht schämen,
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Mit Freuden wird er Theil an fremden Leiden nehmen:

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Ob er den Gipfel auch der Göttlichkeit erstiegen,
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Wo Erdendunstgewölk' in Aetherduft verfliegen;

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Um wie vielmehr wenn er sich sagen muß, er sei
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Noch selbst von Leiden nicht und Leidenschaften frei.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Rückert
(17881866)

* 16.05.1788 in Schweinfurt, † 31.01.1866 in Neuses

männlich, geb. Rückert

deutscher Dichter, Übersetzer und Orientalist (1788–1866)

(Aus: Wikidata.org)

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