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Pfui euch, die ihr euch rühmt der geilen Buhler-Lügen
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Deß frechen Amadis, die dahin deutlich tügen,
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Wo Circe machte Säu, wo Messalina gieng
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Und für den schnöden Sieg der Wette Lohn empfing!
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Die Zunge schärfft er zwar; allein er stümpfft die Sinnen,
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Wil das, was ihr sollt thun, euch überreden künnen
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Durch das, was nie geschehn, durch das, was, wanns geschehn,
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Die Ehre gantz verdammt, die Tugend nicht mag sehn.
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Der Worte göldner Glantz hat Gifft zu seinem Grunde
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Und Operment steckt drinn; es schadet zum Gesunde;
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Es sterbt die Einfalt hin, erweckt ein solches Klug,
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Dafür ein keuscher Sinn Entsatz und Grauen trug.
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Nicht mir den weisen Mund, den Amadis gelehret!
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Ob Zunge lauffet gut, ist Sinn doch gantz versehret,
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Und ist ihm kündig diß, was Oriana spricht,
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So weiß er auch, was sonst bey Mireflor verricht,
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Weiß, wie das feste Schloß ward endlich noch errungen,
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Weiß, wie es letzlich noch nach vieler Müh gelungen,
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Daß so beliebter Gart, im Anfang unerbaut,
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In kurtzem kümmt zum Bau und seine Früchte schaut.
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Er weiß, wie Florisel mit vielen kühnen Streichen
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Ein königliches Bett und Buhlschafft kan erreichen;
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Er weiß, wie viel der Held damals der Lantzen hat
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Gebrochen, weil es Tag, und nachmals, da es spat.
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Ein solcher Sinn gewohnt, daß Ehre drauß soll kummen,
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Unehrlich seyn voran, daß vor- wird an-genummen
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Auff Hoffnung zum Erlaub, was nimmer noch erlaubt;
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Daß Eltern ihre Pflicht im Winckel wird geraubt,
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Daß Lieb und ihre Brunst mag, was sie wil, beginnen,
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Obs gleich laufft wider Gott, Zucht, Ehr und frome Sinnen;
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Daß Mutter eh als Braut man etwa werden mag,
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Mag Braut bey Nachte seyn und Jungfer auff den Tag.
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So viel erlernt der Sinn vom Meister geiler Lüsten!
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Für dessen Schüler ich mir wüntsche zuzurüsten
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Ein Schiff nach Tomos hin, auff daß der Liebe Schweiß
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Zu leschen Mittel sey durch ein erfrischlich Eiß,
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Wie Naso vormals thät, der nach geschriebner Liebe
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Vom Pontus Klage-Brief und Trauer-Bücher schriebe
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Und hätte wol gewolt, er hätte nie gekost,
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Und niemals auch gelehrt die Lieb und ihre Lust.
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Ihr Jungfern, glaubt es nur, daß euch das Wort zu führen
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So frech und so gefach gar schwerlich wil gebühren;
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Das Recht und ein Gebrauch, die habens so gericht,
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Daß immer iemand ist, der eure Worte spricht,
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Wo nützlich und wo noth. O, wie erschrackt ihr Väter!
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O, wie befahrt sich Rom auff grosses Unfalls-Weter,
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Da einmal für Gericht ein freches Weib aufftrat,
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Selbst Sach und Klage führt und um die Rechte bat!
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Man fragte drüber Rath, schlug auff Sybillen Bücher
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Und bat die Götter drum, daß diese That sey sicher
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Für allgemeines Heil; so seltsam war diß Ding!
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Mehr als da eine Red einsmals ein Ochs anfing.
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Ist Scham und Ehr in euch, so redet stille-schweigen
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Genug von euch für euch, so kan die Hertzen neigen
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Zu eurem Schutz und Gunst ein sitsam Angesicht,
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Das ieden von sich selbst zu Hold und Dienst verpflicht.
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Die Tugend, die ihr führt, ist Königin der Sinnen;
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Die schaffets, die befihlts, daß anders wir nicht künnen,
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Als euch nur wollen wol; die Zucht, die zeucht und zwingt,
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Daß unser Will in uns euch volle Folge bringt.
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Deß Goldes lieber Preis darff keinem Advocaten
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Auff seine theure Zung in feilen Mund gerathen;
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Es lobt sich durch den Glantz; es lobt sich durch die Krafft,
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An welcher Erde, Lufft, Glut, Flut nichts thut und schafft.
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Der Rosen rothes Schön, wann sie auß grünem Bette
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Früh-morgens lächeln rauß und spielen in die wette,
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Leucothoë, mit dir, ist selbsten seine Pracht,
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Die keine Zunge mehr noch minder zierlich macht.
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Die Augen sind verblendt, die helle Diamanten
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Für Glas und für Cristall nicht unterschiedlich kanten,
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Da erst zu schweren ist: das ist der theure Stein,
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Der nur von Blut und sonst wil nicht bezwinglich seyn.
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Solls erst die Zunge thun, die Jungfern werth zu machen,
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So ists gar schlecht bestellt, so sind der Tugend Sachen
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Auffs schlipffrige gesetzt, und ihre Würde steht,
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Nach dem die Zunge schwer, nach dem sie fertig geht.
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Solls viel Geschwätze thun, so muß den Papageyen
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Ihr Preis noch mehr als sonst ins hohe nauff gedeyen,
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So kümmt auch hoch die Schwalb, und ein gemeiner Heer
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Gilt einer Jungfer gleich, wie schön sie immer wär.
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Fürwahr, ihr redet offt, viel, prächtig, frey und lange,
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(thuts euren Ohren wol, thuts fremden doch gedrange)
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Und wann es dann ist auß, wird billich noch gefragt,
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Ists auß? Was wil sie dann? Was hat sie dann gesagt?
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Die Rohsne lachet offt, und sauer siht die Tyber,
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Die Elbe rümpfft sich selbst, die Augen gehen über
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Dem armen Priscian, wann euer strenger Mund
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So bitter plagt ein Wort, das ihr doch nie gekunt,
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Die Sprache würgt und kränckt, zermartert, krüpelt, stümmelt,
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So lächerlich damit lallt, stockert, stammelt, tümmelt
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Und so tyrannisirt und wider Willen zwingt,
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Daß so sie gelten soll, wie sie durch euch nur klingt.
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Ein Bach, ein Regen-Bach, vom Himmel her gestärcket,
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Wann er, was er so sey, und was er künne, mercket,
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Laufft über Thamm und Rand, scheust über Schütz und Wehr,
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Bricht da und dort herauß, ergeust sich hin und her,
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Mischt, was er in sich hat, treibt, was er führt zu Hauffen,
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Daß Fisch, Frosch, Holtz und Schlamm hin mit einander lauffen,
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Biß daß die Wolcke weicht, die ihm gab kurtze Krafft;
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Dann bleibt das eine da, das andre dort verhafft.
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Ihr Damen so genant, die krausen Complimenten,
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Die euch das leichte Volck der tollen Liebs-Studenten
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In eure Sinnen geust, die schwellen euren Mut,
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Weil euch das heucheln wol, das loben sanffte thut.
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Sie werffen sich euch hin zu euren zarten Füssen,
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Sie wollen sonst von nichts als nur von Knechtschafft wissen;
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Sie küssen euer Hand; sie küssen wol den Grund,
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Wo euer Fuß trat hin, wo euer Schaten stund;
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Sie stelln auff euer Wort das Urthel ihres Wesens,
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Deß Lebens Auffenthalt, die Artzney deß Genesens;
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Ihr seyd der Seele Seel, und ausser euch sind sie,
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Als wären sie nicht mehr und vor gewesen nie.
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Die Sonne dieser Welt hat nie so schön gebrunnen
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Als eurer Augen Licht, das göttliche paar Sonnen,
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Der Wangen Lilien, mit Rosen untermengt,
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Ist ihre Frühlings-Lust, daran ihr Hertze hengt;
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Der theure Mund-Rubin, wem dieser kümmt zu küssen,
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Der mag sich einen Gott und keinen Menschen wissen
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Und düncken mehr als Mars, auch als Adonis mehr,
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Die Venus Mund geküst, der vor berühmt war sehr,
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Eh ihr kamt auff die Welt, und ietzt von eurem funckeln,
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Wie von der Sonn ihr Stern am Himmel muß vertunckeln,
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Und daß ihr in der Welt die Welt noch etwas acht:
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Das ist ihr gröstes Heil, das sie noch rühmlich macht.
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So saust der Buhler-Wind und schwellt euch die Gedancken;
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Die bleiben nicht daheim in ihren alten Schrancken;
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Ihr Haus ist viel zu eng und suchen dann ein Thor
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Am nechsten, wo es ist; da brechen sie hervor
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Zum Munde meistens auß, der wil sich lassen mercken,
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Wil seyn gegüntes Lob nicht mindern, sondern stärcken,
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Sagt her, wie er vermag, gibt rauß, was er nur kan
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Und meint, daß Peitho selbst hat nie kein Wort gethan,
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Das lieblicher geschallt. Allein es wird leicht Amen;
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Der Nachdruck bleibt daheim; es mangelt an dem Saamen
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Erfahrung und Verstand, der fruchtbar pflegt zu seyn
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Und nichts, was ungeschickt zum reden, gibet ein.
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Es gilt euch alles gleich, geschickt und ungeschicket,
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Gereimt und ungereimt, gesticket und geflicket,
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Gemengt und abgetheilt, halb oder außgeführt,
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Und ist euch gar genug, wanns nur heist discurirt.
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Was nicht wil seyn, das bleibt; kümmts nicht, so mag es stecken,
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Es scheint nicht höflich seyn, was schläfet, auffzuwecken;
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Genug, wann nur der Berg sich groß und schwanger stellt,
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Wann endlich gleich herfür nur wo ein Mäußlein schnellt.
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Doch daß nur niemand lacht! O nein; ich muß nur klagen,
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Und daß man eurer sich erbarmen solle, sagen,
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Weil euch von Perlen träumt, und werden Threnen drauß,
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Weil ihr nach Ehren greifft und ziehet Spot ins Haus.
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Viel plaudern hat noch nie viel Nutzen heim getragen;
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Viel schweigen hat noch nie viel Schaden zu beklagen;
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Ein wol geschloßner Mund verwahrt ein weises Hertz;
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Ein ungebundnes Maul bringt ihm und andren Schmertz.
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Ihr irrt, so euch bedünckt, ihr wäret angenemer,
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Wann ihr nur viel sagt her. Ich halt es viel bequemer
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Zu aller Menschen Gunst, wann dieses ihr nur sagt,
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Daß der euch mercke from, der euch um was gefragt.
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Man rühmet Jungfern nicht, die allzuweit gereiset;
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Ein Weib, das als ein Weib weiß mehr, wird nicht gepreiset.
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Die Jungfern, die so wol im lieben sind geübt,
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Die übt man zwar noch mehr, nur daß man sie nicht liebt.
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Als wie der Zeit-Verdruß mit Schach-Bret, Karten-spielen
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Bißweilen wird gestillt bey denen, die nicht zielen
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Auff Gold und auff Gewinn: wann nun das Spiel ist auß,
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So liegt, so gilt nichts mehr der König und das Taus.
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Und also gehts mit euch; deß Schlafes sich zu wehren,
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Den Unmut abzuthun, die Weile zu verzehren,
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Hört mancher, was ihr sagt, sagt, was ihr gerne hört,
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Biß daß er dann ist sat, ihr aber seyd bethört;
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Dann hat der schlaue Fuchs den Raben bracht zum singen;
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Dann hört man, wie das Faß sey leer und künne klingen;
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Dann merckt und nimmt man ab, daß eure Fablerey
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Ein Wiederhall, vielleicht noch weniger was sey.
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Es machts nur Phantasos, der durch die blancke Pforte
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Euch bringet einen Wahn, der gleich ist eurem Worte,
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Das ihr für Glücke schätzt, das euer Mund gebiert,
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Wann einer, wer weiß wer? Euch mit zu Bette führt.
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Dann, wann nun dieser Stand von euch ist so errungen,
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Und euch ist so und so ein freyer Sprung gelungen
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Ins weiche Feder-Feld; ey, lieber, sagt mir doch,
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Braucht ihr den Amadis und discurirt dann noch?
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Wann euer Kind ihr putzt, wann manchmal eure Backen
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Fünff Finger euch zur Zucht biß auff das schwellen zwacken?
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Wann ihr in Kühstall geht, wann ihr die Suppe kocht,
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Wann ihr den Stockfisch bleut, wann euch der Prügel pocht?
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Ach ja! Kind, Knecht und Magd, die stehen und verstarren;
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Die Schweine sehn empor; Küh, Kälber, Ochsen, Farren
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Und alles Feder-Vieh hört mit verwundren drauff,
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Wie ihre kluge Frau gibt einen guten Kauff
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Am Zuwachs edler Wort; allein es wil noch fehlen,
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Daß sie nicht werden sat, noch so die Worte zehlen,
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Wie Müntze wird gezehlt. Drum weg mit eurer Kunst,
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Die einmal kaum nur gilt und weiter ist umsonst!
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Die stille Frömigkeit, das eingezogne Wissen,
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Was gut, was selig sey, darff nimmermehr vermissen
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Sein Lob und seinen Nutz; es gilt für alle Welt
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Und bleibet immer stehn, wann diese letzlich fällt.