Freund, da ieder sich ietzt freut, daß mit dieses Winters Frösten

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Friedrich von Logau: Freund, da ieder sich ietzt freut, daß mit dieses Winters Frösten Titel entspricht 1. Vers(1630)

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Freund, da ieder sich ietzt freut, daß mit dieses Winters Frösten
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Auch deß langen Krieges Eiß werde schmeltzen und den Lüsten
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Nechsten Frühlings sich die Zier auch deß Friedens mischen ein,
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O, so seh ich dein Gesicht trübe, blaß, naß, kräncklich seyn.
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Wolte Gott! noch dir noch mir wär die Ursach also kündig!
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Mir zwar ist sie in dem Sinn, aber dir, dir ist sie fündig,
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Wo du hin gehst, sihst und stehst, was du denckest, was du thust;
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Drüber mangelt leider dir deine Friedens-Frühlings-Lust.
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Deine Frieden-Frühlings-Lust hat deß Krieges raues stürmen
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Offt geblast, doch nie gestürtzt; aber ach! deß Grabes Würmen
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Gab der Tod zum Opffer sie, ohngeacht das halbe Theil
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Deiner dran verbunden hing, auch wol gar dein sterblich Heil.
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Weder Schatz, wie groß er sey, ist uns Männern so ersprießlich,
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Weder Freund, wie gut er sey, ist uns Männern so genißlich,
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Als der uns in Armen schlieff; dann die angetreute Treu
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Herrschet über Leid und Zeit, wird durch alt seyn immer neu.
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Wem ist mehr als mir bewust, wie die Jugend eurer Liebe
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Erstlich wuchs und weiter wuchs? Aller Grund, worauff sie bliebe,
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War die Treu und Redligkeit. Anders was das tauret nicht;
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Was sich auff vergänglich Ding stützet, das verfällt und bricht;
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Was die Tugend baut, das steht. Wann ich dencke mehr zurücke
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Auff die nun verrauchte Zeit, auff mein mir begrabnes Glücke,
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Denck ich auch zugleiche fort auff der Freundschafft Schwesterschafft,
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Drinnen dein und meine Lust unverbrüchlich war verhafft,
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Wie sich dein und meine Lieb unter sich so lieblich liebten,
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Auch deß Blutes nahe Pflicht durch vertraute Sinnen übten.
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Als der Tod mein erste Treu gleich verbarg in frischen Sand,
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Dennoch hat das liebe Mensch ein vertrautes Freundschaffts Band
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Auff die Meinen unverfälscht immer fort und fort erstrecket,
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Biß nun auch deß Todes Neid ihr das letzte Ziel gestecket.
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Sey gesichert, treuer Freund, daß dein Augen nicht allein,
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Sondern mir und meinem Haus in Gesellschafft wäßrig seyn.
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Welcher das gemeine Falsch, das die Welt für Witz verhandelt,
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Kennt und hasst, dem wird sein Hertz auff betrübten Mut gewandelt,
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Wann ein redlich-fromer Christ hin sich sichert in den Sarck,
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Weil das From geschwächt dadurch und verstärcket wird das Arg.
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Nun was hilffts? Es muß so seyn! in der Welt von Kindes Beinen
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Hat man, daß der Mensch verstarb, hören klagen, sehen weinen;
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Nun sie auff der Gruben geht, wird es anders wol nicht seyn,
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Als daß iederman in ihr, sie auch kürtzlich selbst geht ein.
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Ey gar gut! was dünckt uns wol, wann wir stetig solten leben,
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Solten stets der Teuffeley dieser Welt seyn untergeben?
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Nemen wir noch eine Welt und bestünden noch einmal,
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Was bißher uns dreissig Jahr zehlten zu an Noth und Qual?
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In der Welt sey, was da wil, find ich doch nichts beßres drinnen,
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Als daß fromes Bieder-Volck selig endlich sterben künnen,
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Destomehr weil nun die Welt wie ein kindisch-alter Greiß
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Beissig, garstig, satsam wird, bloß auch nur zu nuseln weiß.
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Weiche Gott und rechtem Sinn, werther Freund, und dich zusammen
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Sey zu sammlen nur bemüht! was dir Gott zu deinem Stammen
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Vor an lieben Kindern gab, wie daß er sie wieder nam?
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Daß die Mutter, wust er wol, ihnen bald hernacher kam.
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Auch den Sohn, der eher starb, eh er anfing hier zu leben,
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Der mit finstrer Nacht beringt, sich zum Grabe vor gegeben,
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Eh er sich ans Licht begab, hieß der HERR gehn nahe vor,
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Daß die Mutter er sagt an oben in der Engel Chor.
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Weil nun Gott die Mutter nam, o, so wird sich noch wol zeigen,
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Wo sich Gottes weiser Rath dir zum besten hin wird neigen.
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Deine Friedens-Frühlings-Lust hat deß Todes Tuch verhüllt;
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Aber sind wir wol gewiß, daß sich gäntzlich setzt und stillt
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Alles Unfalls zornig Meer; ob sich Fried im Frühling finde,
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O, wer ist, der dieses glaubt? Wer es glaubt, der wird zum Kinde.
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Welt wird immer bleiben Welt, ist deß bösen so gewohnt,
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Daß sie dem, der nicht wie sie raset, spöttisch abelohnt.
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Gibt der HERR den Frieden gleich, o, es wil mich immer düncken,
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Wie ich noch seh seinen Arm außgestrecket, uns zu wincken,
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Weil so sicher wir, verstockt, ja so wenig danckbar seyn!
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Wissen wir, was wir von Brot künfftig werden sammlen ein,
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Weil der Himmel fast ein Jahr so gar reichlich wollen weinen?
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Wissen wir, ob Mensch und Vieh sich wird sicher künnen freyen
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Für der Seuchen schneller Gifft? O, wer weiß, was sonst für Joch
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Uns der Unfall unversehens sonsten wo kan schnitzen noch!
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Weil der Teuffel nun forthin wird vom kriegen müssig werden,
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Wird er sonst gar wirtlich seyn uns zu kochen viel Beschwerden.
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Was die Welt schätzt also gut, daß man Hab und Gut erwirbt,
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Lieber, wem ist dieses gut? O, durch welchen man vertirbt,
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Diesem lohnt man miete noch. Wie die Honig-Meisterinnen,
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Wie das Wollen-Träger-Volck, was sie sammlen, sammlen künnen
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Ihnen selbst nicht: So auch wir müssen lassen machen Preiß,
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Drüber auff dem Maule lag, auch wie Wasser man goß Schweiß.
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Drum so bleibt nur dieses gut: Wen der Tod hat weggenummen,
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Dieser ist gestorben nicht; dieser ist zum Leben kummen;
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Dann hier ist der sichre Port aller Unvergängligkeit;
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Dann hier ist die feste Burg aller stoltzen Sicherheit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich von Logau
(16051655)

* 01.01.1605 in Q4972670, † 24.07.1655 in Legnica

männlich

Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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