1
Treue Fürstin, unsrer Welt
2
Ist auffs neue zugestellt
3
Von der Sonn ein edler Ring,
4
Wie sie iedes Jahr empfing.
5
Ach! es wolle diesem Ringe
6
Seyn verpflichtet diß Gedinge:
7
Daß er steh zu sichrem Pfande
8
Eurem Glück und Segens-Stande,
9
So wie Ihr, Ihr Fürsten-Gold,
10
Haupt und Gliedern Heil und Hold
11
Gabt durch den Vermählungs-Ring,
12
Den mein Printz von Euch empfing!
13
Krieg, weich ab und neme Scheue
14
Für deß Friedens fromer Treue!
15
Böse Tück und Triegligkeiten
16
Lauffen für den Redligheiten!
17
Altes Arg sterb alles hin,
18
Neues Wol blieb immer grün!
19
Altes Unrecht, alter Drang,
20
Geh zur Hölle schnellsten Gang!
21
Heldin, Euren tapffren Sinnen
22
Fehle nimmer kein Beginnen!
23
Eurem Willen müsse lachen,
24
Was sich sonst pflegt ernst zu machen!
25
Eurem schaffen müsse stehn,
26
Was von dannen sonst wil gehn!
27
Eurem wincken kumme her,
28
Was sonst blieben sonst wo wär!
29
Ach, daß Eure reine Schöne
30
Keine Schwachheit nie verhöhne!
31
Daß stets Eure Liebligkeiten
32
Opffer nemen von den Zeiten!
33
Daß stets Eure Frömigkeit
34
Sey ein Gifft für Haß und Neid!
35
Daß der ungefälschte Mut
36
Sey für List und Vorthel gut!
37
Was Euch sonsten ist bescheiden
38
Von dem Himmel, müsse neiden
39
Ieder, der auß schwartzer Tücke
40
Nagt deß andren redlich Glücke.
41
Frölich mussen drüber seyn,
42
Die sich liessen schreiben ein
43
In den Biedermannes Bund,
44
Da kein Dupelman nie stund!
45
Lange, lange müssen laben
46
Meinen Herrscher Eure Gaben!
47
Lange, lange müst ihr leben,
48
Diese Gaben außzugeben,
49
So daß die gepaarte Treu
50
Immer bleibe frisch und neu!
52
Wieder kumm in ersten Raum,
53
Daß er mit gevielten Zweigen
54
Müge biß zun Sternen steigen,
55
Daß er unser Land bebreite
56
Mit deß Schatens grüner Weite,
57
Daß der lechzend Unterthan
58
Drunter sich erfrischen kan,
59
Daß er kan von seiner Frucht
60
Niessen, was er darff und sucht!
61
Ich, so ich mich darff vermessen,
62
Meiner selbst nicht zu vergessen,
63
Wüntsche mir zu meinem Theile:
64
Daß mir ietzt und alle weile
65
Meine Herrschafft traue zu,
66
Daß ich nimmer spar und ruh,
67
Ohne Ruhm und ohne Schein
68
Treuer Unterthan zu seyn.