38.

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Friedrich von Logau: 38. (1630)

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Nechst sagt ein alter Greiß: Iemehr die Jungfern schweigen,
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Iemehr künn ohne Wort ihr Preis gen Himmel steigen;
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Die stille frome Zucht, die Eingezogenheit,
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Die Rede, wann sie schweigt, bringt eitel Liebligkeit.
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Schweig, Vater! Alter, schweig von so verrosten Sprüchen,
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Du wollst dann seyn belohnt mit alamode Flüchen!
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Du hast den Amadis, drauß wol man discurirt,
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Nie oder nicht genug gelesen und studirt;
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Drum gilt dein Kram nicht viel; die Ethic ist vermodert,
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Die deiner Zeit gieng um; was mehres wird erfodert,
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Daß Damen lieget ob. »Nein, Ja, ich weiß es nicht,«
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Hat, wie für alter Zeit, diß Ding nicht außgericht.
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Es muß was höhers seyn, daß Damen müssen wissen,
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Wo sie nicht wolln den Ruhm der braven Damen missen
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Und Mägden gleiche seyn. Für Zeiten war's genug,
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Wann, was da gab die Kuh, und was erwarb der Pflug,
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Die Jungfern zählten her; die Junckern giengen seichte;
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Sie waren nicht weit her und zu erreichen leichte.
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Wanns höflich wo gieng zu, so klang ein Reuters-Lied:
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Der grünne Tannenbaum und dann der Linde-Schmied.
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Die Helden-Zeit ist ietzt; ietzt herrschen solche Sinnen,
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Die nicht im Grase gehn, die auff den hohen Zinnen
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Der würde stehn voran, in denen Mut und Geist
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Den Mund nichts als von Krieg, Sieg, Mannheit reden heist,
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Und dann von courtoisie und süssem caressiren
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Der Damen, die es wehrt, und sie verobligiren
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Zu dienstlichem faveur, durch schönen Unterhalt
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Und lieblichen Discours, die nicht sind kahl und kalt
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An Worten wie ums Maul, die nicht wie stumme Götzen
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Sind in die Kirche nur, nicht an den Tisch zu setzen,
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Und die man billich heist ein höltznes Frauen-Bild,
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Das nur zum schauen taug und nicht zum brauchen gilt.
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Es hört Don Florisel der Helena befehlen;
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Das Fräulein Sydera hat Dienst und Gunst zu zehlen,
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Die ihr Don Rogel trägt, und Oriana hat
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Den tapffren Amadis und alle seine That
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Zu vollem Brauch und Pflicht. Es läst sich übel paaren
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Die Erde zu der Lufft; dann die wil oben fahren,
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Und jene sinckt in sich; drum geht es nach Gebühr,
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Wann sich zusammen hält Madam' und dann Monsieur,
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Und gleiches gleiches sucht. Die nur mit stummen Sitten
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Und Siegel-festem Mund ihr Angesicht erbitten,
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Wie Larven ohne Hirn, die tügen nicht hieher,
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Und ihres Bettes halb bleibt billich kalt und leer.
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Die Zunge muß es thun, soll wer die Purpur-Rosen
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Deß Mündleins lachen an und ihnen Liebe-kosen!
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Die Zunge muß es thun! sie streut die Blumen hin,
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Drauß liebe Cavalliers die süssen Kräffte ziehn
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Zu ihrem Auffenthalt; sie muß die süssen Trauben,
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Die auff den Lippen stehn, verbieten und erlauben,
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Nach dem es ieder wehrt. Soll ein ergetzlich Kuß
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Seyn besser angewehrt, als auff des Pabstes Fuß,
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So muß ein lieblich Wort, so muß ein freundlich kürmeln
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Bey süssen schmätzerlein dem lächeln und dem mürmeln
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Sich artig mischen ein, wodurch der Liebste merckt,
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Sein Thun sey wol getan und seine Thurst gestärckt.
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Wer aber nicht geweiht, deß Mündleins Liebe-spielen,
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Deß Geistes Nectar-Safft zu nissen und zu fühlen,
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Dem muß sie schliessen zu die Corallinen-Pfort
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Durch ein entsetzlich Pfuy! und durch ein bittres Wort.
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Die Zunge muß es thun, solln Cavalliers erlernen
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Discreter Damen Witz; solln sie sich nicht entfernen
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Von ihrer Seite weg, so muß die Zung es thun;
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Die macht den Helden Lufft und ein erquicklich ruhn,
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Gibt ihnen neue Krafft, bringt ein verguntes rasten
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Vom Eifer ihres Muts und ihrer Waffen Lasten,
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Macht, daß ein kühnes Hertz um auß der Dame Mund
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Ein angenemes Wort sich Thaten unterstund,
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Die biß an Himmel gehn, macht, daß auch kalte Sinnen
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Zur Kühnheit werden warm. Sie weiß gleich gut zu künnen
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Tyrtæus muntre Kunst, als wol ein Grichisch Mann,
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Der durch ein hitzig Lied auff seinen Feind entbran.
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Die Zunge muß es thun und durch die Waffen dringen,
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Ein Martialisch Hertz hin in die Schranken zwingen
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Idalischer Gesetz und schaffen, daß sich bückt
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Für einer Dame der, auff den, wann er nur blickt,
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Sonst tausend Cavalliers genaues mercken geben
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Und setzen, wann er wil in Tod ihr frisches Leben.
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Die Zunge muß es thun, daß einer Dame Mund
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Gekunt hat, was ein Schwerdt und Scepter hat gekunt.
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Die Zunge hats gethan, daß niedriges Geblüte
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Auff hohen Stühlen sitzt und gehet in der Mitte
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Und fährt mit Sechsen her, verachtet Fürsten-Blut,
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Und mangelt ihm sonst nichts, als daß es alles gut
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Zu zehlen nicht vermag, daß theils durch blosses wincken
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Sich findet über Nacht, theils durch deß Degens blincken
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Mit summen lauffet ein. Die Zunge hats gethan,
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Daß einer Dame Wort kan, was niemand nicht kan,
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Daß sie sich edel kan, schön, reich und ehrlich machen,
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Ob sie es vor nicht war, daß sie in allen Sachen
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Recht hat und recht behält, wiewol sie unrecht thut,
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Und was sie thut, gethan, ist löblich, herrlich, gut!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich von Logau
(16051655)

* 01.01.1605 in Q4972670, † 24.07.1655 in Legnica

männlich

Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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