Demüthiges Buß-Lied

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Heinrich Mühlpfort: Demüthiges Buß-Lied (1686)

1
Fliest Thränen/ fliest/
2
Jhr Augen giest
3
Erpreste Jammer-Fluthen/
4
Schmeltzt in ein Quell
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Und rinnet hell
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Zu dämpffen GOttes Gluthen.

7
Der Sünden Brand
8
Hat überhand
9
In unserm Fleisch genommen/
10
Er wühlt mit Schmertz
11
Durch Seel und Hertz
12
Und wird noch weiter kommen.

13
Verübte Schuld
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Macht Ungedult
15
Und wecket das Gewissen.
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Der Laster Schmach
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Zeigt nach und nach
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Auf was es ist geflissen.

19
Wie unsre Zeit
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In Uppigkeit
21
So lüderlich verschwendet/
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Wie unser Sinn
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Sich niemals hin
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Zum Gottesdienst gewendet.

25
Da sind unrein
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Marck/ Blut und Bein
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Samt ihrer faulen Hütte.
28
Kein Ader schlägt/
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Kein Glied sich regt/
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Daß Frevel nicht zerrütte.

31
Der Augen Glantz
32
Hat Wollust gantz
33
Mit Hoffart überzogen/
34
Das Angesicht
35
jst ohne Licht
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Dem Dunckeln nachgeflogen.

37
Was nur zu Spott
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Dem höchsten GOtt
39
Der Mund hat treiben mögen/
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Das ist geschehn
41
Sünd’ schändlich Schmähn
42
Steht überall zugegen.

43
Was vor Verdruß
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Von Händ und Fuß
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Dem Schöpffer wiederfahren/
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Bringt der ans Licht/
47
Wenn für Gericht
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Geh’n alle Menschen-Schaaren.

49
Wo bleibt das Hertz
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Das Spiel und Schertz
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Mit GOttes-Wort getrieben?
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Das feist erstarrt
53
Und vest verharrt/
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Auf schnödem Jrrthumb blieben.

55
Und schläfft du noch
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An deinem Joch
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Der ungeheuren Sünden?
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Wach auf! die Zeit
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Ist allbereit
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Da GOtt dich heim wird finden.

61
Ach Hügel deckt
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Mich! der erschreckt
63
Für GOttes Zorn will weichen/
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Jhr Berge kracht!
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Komm finstre Nacht/
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Auf Abgrund! thu dergleichen.

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Wie aber kan
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Ich Unterthan
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Dem HErren flüchtig werden?
70
Ach eitler Traum
71
Da ist kein Raum
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Auf dieser weiten Erden.

73
Sein Zorn wird mich
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Behendiglich
75
Auf meine Flucht ergreiffen.
76
Sein Donnerstral
77
Mit tausend Qual
78
Zerrütten und zerschleiffen.

79
Ich weiß noch Rath
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Bey seiner Gnad
81
Verhoff ich Trost zu spüren.
82
Und meine Schuld
83
Soll seiner Huld
84
Barmhertzigkeit berühren.

85
Ich trage dir
86
Mein GOtt itzt für
87
Ein recht zerschlagen Hertze/
88
Und allermeist
89
Mein traurig Geist
90
Brennt dir zur Opffer-Kertze!

91
Es ist mir leyd
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Was ich die Zeit
93
Des Lebens je begangen/
94
Daß ich der Welt
95
Mich zugesellt
96
Und Lastern nachgehangen.

97
Verwirff mich nicht
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O höchstes Licht
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Von deiner Gnaden Augen/
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Die Busse quillt
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Mit Reu erfüllt/
102
Und kocht gleich scharffer Laugen.

103
Ach wasche mich
104
Gantz säuberlich
105
So trotz ich Schnee und Lilgen.
106
So kan der Feind
107
Wie bös’ ers meynt/
108
Mich nimmermehr vertilgen.

109
Hier ligt dein Knecht/
110
Gott laß dein Recht/
111
In Liebe sich verwandeln.
112
Du wirst mit mir
113
Nicht nach Gebühr
114
Und den Verdiensten handeln.

115
Zwar Straf und Pein
116
Die geh’ ich ein/
117
Nur daß ich dort nicht büsse.
118
Das Gottes-Lamm
119
Ans Creutzes Stamm
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Macht mir die Schmertzen süsse.

121
Mein Mund soll fort
122
An jedem Ort
123
Des Höchsten Güte preisen.
124
Und spät und früh
125
Auf tieffem Knie
126
Dem HErren Danck erweisen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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