Aus Barthii Soliloquiis

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Heinrich Mühlpfort: Aus Barthii Soliloquiis (1686)

1
Was ich nur hoffen kan/ was ich nur kan begehren/
2
Mein JEsu/ Sieges-Fürst/ das überbring ich dir.
3
Ich wil die Seele selbst zum Unterpfand gewähren/
4
Mein Leben das ist dein/ und ich bin ausser mir.
5
Ach der du diesen Tag von Todten aufferstanden/
6
Zeuch mich mit deinem Arm aus meiner Sünden Nacht.
7
Ach würcke doch in mir/ ich bin/ mein GOtt/ vorhanden;
8
Und bitt/ es werd’ aus mir ein ander Mensch gemacht.
9
Der ich mir vor gefiel in nichts/ als bösen Wercken/
10
Gib daß ich dir allein nur wohlgefallen mag!
11
Dein Aufferstehungs-Fest/ das wolle mich so stärcken/
12
Daß ich zu keinem Ding mehr ein Verlangen trag.
13
Und daß mir alles stinckt/ und daß ich alles hasse/
14
Was dir zuwider ist/ und wider dein Gebot:
15
Hergegen dich/ O HErr/ in solchem Glauben fasse/
16
Daß ich stets sagen kan/ mein höchster Schatz ist GOtt.
17
Ach könt ich mein Gemüth und Regungen der Sinnen
18
Verlassen! weil sie nur sind Störer meiner Ruh!
19
Ja diesen Augenblick wünsch ich zu ziehn von hinnen/
20
So bald mein Heyland nur dein Wille käm darzu/
21
Damit ich mich aufs neu mit Sünden nicht befleckte/
22
Vergesse den Beruff da ich dir dienen muß;
23
Und wieder in die Welt mein eitles Auge steckte/
24
Wo Laster/ Sünd und Schand im gröstem Uberfluß.
25
Mein Heyland halte mich! Ach mein Erretter rette!
26
Schlag die Begierden todt; Gib daß von dieser Zeit
27
Ich nimmermehr gedenck an mein als Sünden-Bette/
28
Nur einzig aber dir zu dienen bin bereit.
29
Daß ich auf ewig nicht mit jemand möge zancken/
30
Und daß ich nichts begehr was irdisch ist/ und heist.
31
Daß mein Verbrechen ich stets führ’ in den Gedancken
32
Und daß mein reuig Hertz die Thränen drüber geust.
33
Ich thu dem Nechsten Guts/ und wil nun niemand schaden.
34
Ich gönn auch jederman/ was ich mir selbst erwehlt.
35
Nachdem ich theilhafft bin der Aufferstehungs-Gnaden/
36
So bin ich aufferweckt/ und dir auch zugezehlt.
37
Diß Wollen kanst du doch/ mein GOtt/ in mir vollbringen:
38
Ich weiß/ ich fühl’ es auch; denn ausser deiner Gnad
39
Kan solche Lebens-Art unmöglich mir gelingen.
40
Und weil dein Wort ins Hertz mir diß geleget hat;
41
Ja diese Zeilen auch/ so ich jetzunder schreibe/
42
Dein Geist in mir erweckt/ so würcke doch in mir/
43
Daß ich ein brennend Tacht in meinem Leben bleibe/
44
Und diß ins künfftige mir kräfftig setze für/
45
Daß nicht ein ander Schall aus meinen Lippen gehe;
46
Daß ich nichts reden mag/ als was dein Lob betrifft;
47
Daß ich/ Erstandener/ mit dir so aufferstehe/
48
Und in dem starcken Trost/ trotz auch der Höllen Gifft.
49
Mein Name der ist ja in deine Hand geschrieben/
50
Ich bin ins Lebens-Buch von dir getragen ein.
51
Du Sieger/ der du hast all Ubelthat vertrieben/
52
Ich hoff’/ ich werde noch von denen Sündern seyn/
53
Für welche du dein Blut so milde hast vergossen;
54
Das Wasser und das Blut so aus der Seiten rann/
55
Dient auch zu meinem Heyl/ macht mich zum Mitgenossen
56
Des Himmels/ daß ich nun versichert leben kan.
57
So nun der Thau darvon macht seelig meine Seele/
58
So nun ein einzig Hauch/ wie auf die Jünger fiel.
59
Auch meinen Geist erleucht in dieses Leibes Höle/
60
So gib doch/ welches ich gehorsam bitten wil.
61
Gib/ sag ich/ mir die Krafft/ die Sünd hinfort zu meiden/
62
Der ich so hertzlich gram in meinem Hertzen bin.
63
Du wirst mich/ als mein Haupt/ dein Glied nicht von dir scheiden/
64
Weil du erstanden bist/ du nimmst mich mit dir hin.
65
Und wie du nicht mehr stirbst/ und lebest gantz verkläret/
66
So hilff/ daß mich die Zeit/ so ich noch leben muß
67
In meines Kerckers Hauß/ mit Ach und Noth beschweret/
68
Dein guter Geist regir in meiner Wercke Schluß.
69
Und endlich wenn ich nun aus diesem Leben scheide/
70
So nimm mich in dein Reich/ daß ich dich preisen kan.
71
Und deine Majestät in auserlesner Freude
72
Und höchster Herrlichkeit unendlich beten an.

73
Es kan das Marter-Hauß die Welt uns nicht vergnügen.
74
Auff Seele! laß uns bald aus diesem Kercker fliegen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.