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Soll als Actaeon ich itzt eine Fabel heissen
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Und der erzürnten Hund’ elende Beuthe seyn/
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Ich der ich vormals pflag der Jagt mich zu befleissen/
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Bin nunmehr selbst behetzt und lauf ins Netz hinein.
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Mein Schluß war durch die Jagt die Sorgen zu bestreiten/
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Diana deinen Wald den hab ich nie besucht/
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Noch in den tieffen Frost die Hunde wollen leiten/
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Daß sie das Wild beharrt und vorgebeugt der Flucht.
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Ich habe nie die Hift auf
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Noch einem Backer je gegeben einen Fang/
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Noch Wildseil aufgericht auf der Parthener Rasen/
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Und Lappen fürgesetzt zu hindern Spur und Gang.
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Ich habe niemals Garn/ Schwerdt/ Spiese/ Pfeil und Bogen/
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Als wie die Jägerin Diana trägt/ geführt/
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Ach wolte GOtt! ich wär der Lust nur nachgezogen/
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So wär’ ich itzt kein Raub von eigner Kunst berührt.
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Ich Unvernünfftiger/ wo sind nun meine Jahre?
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Ach hätt’ ich meine Bein’ an einem Dorn verletzt?
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Warumb hab ich gesucht des Bacchus süsse Waare.
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Daß drauf Cupido mich hat in sein Garn gesetzt.
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Er braucht nicht nur allein den Köcher und die Pfeile/
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Er hat auch Netz und Strick mit welchen er berückt.
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Und Bacchus leget auch den truncknen Füssen Seile/
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Wie schön er sonsten sich mit seinen Reben schmückt.
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Wie hat die Delila den Samson nicht gebunden/
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Und ihn samt seinem Haar beraubet seine Kraft/
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Ja ward der Noe nicht bey seinen Töchtern funden/
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Als ihm den Witz benahm des Weines süsser Saft.
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Mich hat die Venus auch gejaget in ihr Netze/
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Wie vielmals hat sie nicht zur Beuthe mich gemacht/
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Weh mir! wohin ich nur die blöden Augen setze/
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So bin ich wie ein Wild das schon ins Garn gebracht.
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Und diß ist das Gesicht das den Anton erschrecket/
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Und das er abgemerckt auf einem Felsen hat/
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Er sah so weit sich nur der Erden Ziel erstrecket/
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Die gantze Welt gemahlt als wie auf einem Blat.
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Und tausend Cörper auch von Menschen abgerissen/
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Die waren ingesamt mit Netzen überspannt/
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Jedweder fühlte Qual an Händen/ Kopf und Füssen/
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Die Wollust hätte sie arglistig abgemannt.
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Sie blieben wie am Leim die albreu Vögel kleben/
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Un wissend daß sie so Begierden rings umbstellt/
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Ach freylich wird uns stets des Todes Netz umbgeben/
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Das noch viel schärfer war’ als eine Spinne hält.
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Der lauscht ohn Unterlaß und hoft in tiefen Ritzen
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Biß eine Fliege summt die sie zur Speiß erdrückt/
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Der Vogel-Steller wird nechst einem Baume sitzen/
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Biß er mit einem Jug den Raub ins Netzerückt/
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Jtzt strent er Körner aus/ itzt läst er Vögel singen/
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Die laden ihn noch auf zu ihrem Keffich ein.
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Jtzt baut er eine Hütt’ itzt leget er die Schlingen
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Und pfeifft so lang ein Lied/ biß sie bethöret seyn.
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Nicht anders hat uns auch der Laster Schaar umbgeben/
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Jedwedem stellt der Tod mit seinen Netzen nach/
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Und wer sich durch den Sprung will übern Strick erheben/
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Derselbe stürtzet sich gar in der Höllen-Bach.