Ejusdem. Desiderium VI

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Heinrich Mühlpfort: Ejusdem. Desiderium VI (1686)

1
Ach ja ich bin es werth/ ich hab es auch verdienet/
2
Ich muß mein Laster nur mit vollem Halß ausschreyn/
3
Kein Fürspruch hilft mich hier/ denn was ich mich erkühnet
4
Ist eine solche Schuld die leicht nicht zu ver zeihn.
5
Ich habe mich an dir/ O höchster GOtt vergriffen/
6
Und dieses Schandmal kan vermänteln keine Kunst/
7
Ich weiß daß über mich dein Rach-Schwerdt schon geschliffen/
8
Drumb ist die Furcht der That wie auch die Scham umsonst.
9
Ich falle dir zu Fuß mit aufgehobnen Händen/
10
Benenne nur die Straf in der ich büssen muß/
11
Soll ich in meiner Brust den blossen Dolch umbwenden/
12
Ein Denckmal aufzubau’n vor dieses Urtheils Schluß.
13
Jtztleg’ auf dein Altar viel hundert Opffer-Kuchen/
14
Der fette Weyrauch soll biß an die Sterne gehn/
15
Ja wilstu gar mein Blut zu dem Besprengen suchen/
16
Fur meine Laster will ich dir ein Opffer stehn.
17
Ach könt’ ich Opffer seyn für so ein groß Verbrechen/
18
Denn alle Straffe ist für meine Schuld zu klein/
19
Doch wirstu so ergrimmt diß Thun nicht wollen rächen/
20
Daß Blut und ein Altar hier werden nöthig seyn.
21
Wie oft hat nicht dein Stuhl den schwächern Theil verziehen/
22
Und von dem Feinde Ruhm/ den du verschont gehabt.
23
Dein sanft Gemüthe kan von solchem Zorn nicht glühen/
24
Daß es sich nach Verdienst zu straffen je gelabt/
25
Ach Schutz der Sterblichen und Heil der weiten Erden/
26
Zu dem die gantze Welt viel tausend Wünsche schickt.
27
Zeig auch in deinem Zorn sanfftmüthige Geberden/
28
Die Hand die Schwerdte trägt von der werd’ Hülf erblickt/
29
Erlaubstu mir so viel (obschon die klügsten Worte/
30
Und der beredste Mund nichts meiner Sache nützt)
31
Daß ich was weniges fürbring’ an deinen Ort/
32
(so wünsch ich) daß zugleich dein Recht auch sey beschützt.
33
Ach so vernein’ ichs nicht/ ich bin befleckt mit Sünden/
34
Denn der gemeine Wahn der hat mich so verführt.
35
Jtzt will man alle Schuld mir auf den Rücken binden/
36
Da jeder doch das Feur in Kohlen aufgerührt.
37
Wenn der gantze Rasende in Weine sich besoffen/
38
Ein ander tolle Glut der Geilheit bey sich trug/
39
So hätten sie fürs Schwerdt den Oele-Zweig zu hoffen/
40
Und daß die Donner-Hand nicht drauf mit Keulen schlug.
41
Soll ich denn ewiglich im Zwiekampf mit dir leben/
42
Wilstu ein Fechter stets mich zu ermorden seyn/
43
Ists nicht genug daß ich dir will
44
Und sagen meine Schuld verdienet Zorn und Pein.
45
Werd’ ich dir nicht zu gleich den schönsten Anlaß machen/
46
Daß meine Missethat dir noch zum Ruhm gedeyt/
47
Hätt ich mich nicht befleckt/ vergäbstu nicht die Sachen/
48
Und niemand priese dich ob deiner Gütigkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.