Aus des Hugonis gottseeligen Begierden/ Desiderium V

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Heinrich Mühlpfort: Aus des Hugonis gottseeligen Begierden/ Desiderium V (1686)

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So ist Vergessenheit im Himmel auch zu finden/
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Welch Ganymedes hat den Schlaf-Trunck einge-
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Wie daß die Götter nicht mehr unsre Werck’ ergründen/
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Hat denn die Himmlischen der Lethe-Fluß getränckt.
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Vergist es/ oder scheints/ mein Licht/ nur zu vergessen/
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Wenn es in Zweiffel zeucht das Werck so es gemacht.
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Ists! so entdeck ichs bald! wo nicht/ wie zu ermessen/
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Aus einem Erdenkloß bin ich von dir erdacht.
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Und fragstu wo? der Ort ist kundbar aller Enden/
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Stund nicht ein Garten da/ wo unser Anherr schlief/
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Pflag nicht ein klarer Bronn sein Silber auszusenden/
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Das von vier Röhren starck durch Blum und Kräuterlief.
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Begehrstu auch die Zeit? es war nach wenig Tagen/
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Als mit des Meeres Tamm die Erde sich geschützt.
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Was mehr/ du magst darumb nur die Geschichte fragen/
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Es war der Wunder Kloß roth als mit Blut bespritzt.
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Du hast drey Finger Sand darzu noch untermenget/
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Diß war der erste Zeugk aus dem mein Cörper stieg/
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So daß an der Geburt mein Ausgang gleichfals hanget.
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Der ich aus Staube kam/ im Staube wieder lig.
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Ein Töpffer wenn er Tohn auf Samos Ackern siehet/
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So führt er ein Gefäß aus leichter Erden auf/
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Und ob er Anfangs zwar mit Graben sich bemühet/
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Biß daß die Erde reich wird durch des Wassers Lauf/
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So drehet er hernach die niemals stille Scheibe/
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Biß daß ein grosser Krug wächst unter seiner Hand/
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Er wächst/ doch daß er kaum dieselbe Stunde bleibe/
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Dann brichts und wird wie vor ein wenig Koth und Sand.
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Auf wenig besserm Grund steht mein gebrechlich Leben/
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Ein leichter Schatten wird die letzten Tag umbziehn/
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Warumb da vor sich selbst die Jahre bald erheben/
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Will denn die Zeit so schnell mit ihren Pferden fliehn.
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Mein Staub ist all zu sehr geneiget zum Verderben/
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Mein Leben wär es gleich/ nicht drücket da verschwindt/
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Daß von Crystallen nicht die dort den Himmel färben/
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Die Glieder mir gemacht und angesetzet sind.
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Ach daß ich doch nicht bin als wie die lichten Sterne
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Die Gott geschaffen hat aus Spiegel-heller Fluth/
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Mein Leben englisch ist und von dem Cörper ferne
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Wie in Elysien der heilgen Seelen Glut/
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Ich hoff ein englisch Ziel von gar viel hundert Jahren/
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Und lauter Himmels-Jahre und Sternen-gleiche Tag/
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Ach daß das Schuppenvolck der stummen Wasser-Schaaren/
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Von einem längerm Raum und Leben sagen mag.
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Die Vögel kommen auch aus angenehmern Wiegen/
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Vom Wasser haben sie ihr weiches Feder-Kleid/
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Ach könte Demant sich in meine Glieder fügen/
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Die Nerven strotzten mir als wie die ährne Zeit.
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Jhr Schwestern Seythinen seyd seeliger zu preisen/
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Weil euch die Poesie von Ertze macht die Hand/
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Und euren gantzen Leib von hartem Stahl und Eisen/
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Der nicht verwundsam ist als an des Knöchels Rand.
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Zwar aber nehm ich für? verdamm’ ich meine Hütten?
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Und den elenden Leib/ von schlechtem Leim gebaut.
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Den Meister kans Gefäß mit Schimpfe nie beschütten/
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Ich weiß auch daß ihm nicht vor seinem Wercke graut.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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