Sonnet

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Heinrich Mühlpfort: Sonnet (1686)

1
Seht mich Melandern an/ wie ich so mager worden/
2
Wie kaum die welcke Haut die dürren Knochen deckt.
3
Seht/ die ihr mich geliebt/ nur daß ihr nicht erschreckt
4
Denn als ich flüchtig ward/ verließ der Menschen Orden/
5
Hat sich ein rauher Sturm von dem beeisten Norden/
6
Auf meinen Kopff gemacht/ weil mich kein Dach bedeckt.
7
Selbst die Verfolgung hat bey mir die Reu erweckt/
8
So daß ich bitten muß/ man woll mich nicht ermorden.
9
Ich will nach Jauchendorff/ umb dort zu büssen/ ziehn.
10
Beym Gerber mag ich nicht des Lebens Rest beschliessen.
11
Seht meine Augen an/ wie sie mit Thränen fliessen!
12
Ich will im neuen Jahr all Ubelthaten fliehn.
13
Nun Breßlau gute Nacht/ ich komme schwerlich wieder/
14
Such einst zu Jauchendorff die hinterbliebnen Glieder.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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