An Hanß Lächeln

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Heinrich Mühlpfort: An Hanß Lächeln (1686)

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Als Cäsar in sein Rom siegprangend eingezogen/
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Rüff das erfreute Volck mit voller Stimm/ Glück zu!
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Der Käyser leb in Fried/ der Römsche Staat in Ruh/
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Es streute Blumen aus/ und baut’ ihm Ehrenbogen.
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So oft nun dieser Tag im Jahrbuch wieder kam/
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So sahe man wie Rom in neuen Freuden glam.
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Wir/ obzwar Lächel nicht/ der Weise/ der Verschmitzte/
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Den hohen Königs-Stab in seiner Hand geführt/
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Bekennen/ daß viel mehr sein Leben ward geziert/
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Wenn er sich in dem Feld auf den Schwein-Zepter stützte/
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Und weil der Thaten Ruhm sich nicht verschweigen läst/
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So bricht er jetzt heraus bey seinem Namens-Fest.
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Wir thun was Rom gethan/ in gleichen Andachts-Flammen/
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Und wünschen nur im Geist die Grittle noch zu sehn/
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Wie er als seiner Braut must hertzbeweglich flehn/
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Daß sie die gantze Heerd der Schweine rüff zusammen.
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Was kan nicht kluger Witz? Wenn andern was gefehlt/
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So hat doch herr Johanns sein Vieh stets voll gezehlt.
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Die Jugend ließ sich so in solchen Räncken spüren/
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Und wiese daß diß Holtz ein Götze würde seyn.
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Die Thaten traffen auch noch über Hoffen ein.
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Er wust’ als
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Ja durch den Zippel-Peltz guckt schon ein Amptmann rauß/
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Und Bärndorff ward vergnügt da
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Sein ehrbegierig Geist blieb nicht beym Ofen sitzen.
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Er wuste daß der Weg der Tugend rauh und hart/
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Daß so ein feiges Blut und weiche Zärtlings-Art/
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Mit grossen Diensten nicht den Menschen könte nützen.
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Er gieng den Adlern gleich in freye Lufft und Land/
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Und macht in dem Gebürg als Ritter sich bekandt.
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Das Glück erstarrte selbst ob solchen Helden Proben/
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Und dachte
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Es gab ihm Donnerblick/ und änderte den Schein.
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Kurtz/
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Als Hunger ihn geplagt/ und heisser Durst gequält/
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Ja da ihm auch Taback sein Himmelbrod gefehlt;
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Biß endlich Glück und Zeit ihn wiederumb begnadet.
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Er stieg wie eine Flamm vom Abgrund in die Höh;
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Hat jemand sich verknüpfft/ durchs Band der keuschen Eh/
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So spricht man
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Und seinem Marschalcks-Ampt ein voll Genügen thut/
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Der Stab prangt in der Hand/ die Bänder auf dem Hut.
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Als Ferdinand der Viert’ ins Käyserthum getretten/
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Und mit Panqueten sich auch Schlesien erfreut/
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Wieß
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Er umb die Marschalcks-Würd hoch eifrig ward gebeten.
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Nur daß wie ins gemein die Ehr ihn nicht verrenckt/
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Sein Sinn wird feuriger/ daß er auf Kunst noch denckt.
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Er hört die Bergleut an/ von vielen Wissenschafften/
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Wie daß seit Noens Zeit das Einhorn nicht mehr sey.
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Die Erde pflichte selbst der dürren Warheit bey/
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Weil noch das gröste Stück soll in den Bergen hafften/
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Viel länger als der Thurn den Babel je gebaut/
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Und den man irgends sonst verwundernde beschaut.
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Er konte nun mit Recht der Künste Meister heissen;
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Nur weil das Rechen fehlt/ so setzt er weiter an/
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Denckt wie man die Gefäll im Bier beschneiden kan/
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Läßt ihm nicht aus dem Maul den guten Bissen reissen.
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Er zieht den Haußtrunck ab/ zwölff Achtel mit darbey/
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Wer sagt/ daß
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Sein Sinn kan niemals ruhn/ wie nie die Sonne stehet/
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Er geht in Helicon und lernt der Redner macht/
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Der Kopff der ist geschickt/ und eh man es gedacht/
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Triffts/ daß er bey der Leich als Trauer-Redner gehet/
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Klagt des Trompeters Tod/ erklärt die Sterblichkeit/
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Und daß die Menschen sind ein Gauckelspiel der Zeit.
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So hat
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Der Cicero brach nie in solchen Donner loß.
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Hierdurch wuchs
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Daß ietzt der Pindus sich auff seine Schultern stützet/
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Und diesen göldnen Mund ein jeder gerne hört/
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Bevor wenn er so klug vom Frauenzimmer lehrt.
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Es schweige Seneca/ und Plato müsse weichen/
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Des Brandteweins Natur hat keiner so gewust/
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Er weiß was eigendlich dient der Beträngten Brust/
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Und kan den Aquavit aufs köstlichste raus streichen/
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So daß man ihn mit Recht der Weisheit Schirm doch
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Und vor den Socrates in unserm Land erkennt. (nennt/
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Kan auch ein Federkiel jetzt seinen Stand beschreiben/
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Wenn Ungarn ihm den Wein aus vollem Kruge schenckt;
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Wenn er sein Helden-Schwerdt dort an den Nagel henckt/
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Und kan mit Rauch und Schmauch die lange Zeit vertreiben?
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Wenn jetzt das Kartenspiel ihm viel Ducaten bringt/
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Wenn
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Mag auch wol sein Gelück noch einen Zusatz leiden:
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Nein/ die Vollkommenheit die stellt sich selbsten dar/
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Wir wünschen weiter nichts/ als daß er lange Jahr.
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Entnommen aller Angst leb in verlangten Freuden/
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Und offt wie nechst geschehn so edle Reden hält/
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Daß den
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Er müsse diesen Tag den Niel der Gläser trincken/
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Weil der Verdienste Preiß ihn längst unsterblich macht.
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Er finde Lust am Tag und Liebe bey der Nacht/
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Biß daß in tieffen Schlaff die müden Augen sincken.
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Mehr Worte sind zu viel/ deñ
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Und wil bey Speisen mehr als Reimen lustig seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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