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Erblaster/ den sein Muth und Degen hat geadelt/
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Der Pulver riechen kont’ und keinen Feind gescheut/
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Ja dessen Tapfferkeit der schele Neid nicht tadelt/
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So sonst die Tugend doch mit seinem Gifft bespeyt.
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Ist ein Gewaltiger denn über dich jetzt kommen/
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Der dir den Harnisch nimmt und gibt dir kein Quartier?
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Den vormals nie erschreckt hat der Carthaunen Brommen/
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Kreuchst du nunmehr zu Loch und gehest nicht herfür?
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Der du zuvor zu Feld als wie in Tantz gegangen;
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Dem blitzendes Geschoß ein schönes Säiten-Spiel
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Und viel sieghaffte Streich’ hast Feinden angehangen
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Wirst doch zu aller Letzt deß Todes Raub und Ziel?
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Er scheut sich nicht für dir noch deinen grauen Haaren;
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Wie du die tapffre Faust offt nach dem Schwerdt gestreckt/
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So will er jetzt nach dir und deinen Knochen fahren/
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Damit er seinen Sieg mit kühlem Sande deckt.
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Was aber deckt er zu? die welcke Haut und Glieder/
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Der müden Jahre Schnee/ die ausgekreischten Bein’
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Und Adern ohne Safft und finstern Augen-Lieder/
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Und was Verweßliches sonst kan an Menschen seyn.
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So viel zwar frisst das Grab. Allein das Licht der Ehren
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Führt seine Flamme noch in unbeflecktem Glantz.
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Die kluge Nachwelt wird von deinem Lob noch hören/
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Und flicht zu Danck und Ruhm dir einen Sieges-Krantz.
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Du hast mit Muth und Blut den hohen Preiß erhalten/
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Als unser Vaterland in Krieges-Flammen glam/
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Da Degen und Pistol mehr als Gesetze galten/
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Und das bedrängte Land in eignem Blute schwam/
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Beschloß dein munter Geist dem rauhen Sturm der Zeiten/
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Der offenen Gefahr entgegen frey zu gehn;
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Daß ein unsterblich Lob durch kämpffen und durch streiten
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Dich hiesse dermaleins bey tapffern Leuten stehn.
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Der Eltern Helm und Schild war gar nicht deine Zierde/
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Dein Leib hieß dein Palast/ dein Sinn dein Königreich,
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Dein eintzig Adel-Stand die brennende Begierde/
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Durch wackre Thaten sich zu machen andern gleich.
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Du hast vom Niedrigsten zu steigen angehoben/
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Durch Hitze Frost und Schnee den kühnen Fuß gesetzt.
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In vielen Fällen auch erwiesen solche Proben/
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Daß das Gelücke sich fast an dir matt gewetzt.
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Offt hat es dich gebraucht nicht anders wie Ballonen/
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So die geübte Faust bald hoch bald niedrig schlägt;
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Bald wolt es deine Treu und Redlichkeit belohnen/
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Bald hat es wieder dir die Schrauben angelegt;
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Du aber brachst hindurch/ Gefahr war dir ein Schertzen/
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Bemühung eine Lust und Arbeit eine Ruh.
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Es leschte niemals aus die Flamm’ in deinem Hertzen
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Es sagte dir Bestand und Sieges-Palmen zu.
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Nicht Teutschland nur allein/ das nachbarliche Pohlen/
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War dir ein weites Feld zu jagen nach dem Ruhm/
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Und ritterlich den Sieg von Feinden abzuholen
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So der Soldaten doch ihr schönstes Eigenthum.
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Es mocht ein Euclio bey seinen Schätzen sitzen/
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Und auff der Mutter Schos ein zarter Weichling ruh’n;
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Da wo der Donner knallt und wo die Stücke blitzen
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Da warest du bereit was Männliches zu thun.
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Von keinen Nöthen bleich/ von keiner Schlacht erschrecket;
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Wie fertig hast du nicht die Troppen umbgewandt?
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Wie zeitlich ausgespürt/ wo Hinderlist verstecket?
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Und/ eh er es vermeynt/ den klugen Feind berannt?
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Bey Treffen wuchs dein Muth/ das Feld dein Ehren Bette
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Hieß dich zum Streit behertzt/ zum Angriff munter seyn/
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Und Tod und Leben stand da offtmals in der Wette/
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Biß der Blut rothe Sieg sich stellte mitten ein.
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Bewerther Krieges Mann/ der Gott und seinem Käyser
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Biß auffden letzten Hauch sein Leben hat geweyht.
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Mars und Bellona sehn wie jetzt die Lorbeer-Reiser
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Des Ruhmes milde Hand auff deine Ruhstatt streut.
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Doch wunder ich mich noch/ ob dich der Tod besieget?
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Und ob du ihn vielmehr nicht überwunden hast?
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Ob deine Ritterschafft sein Recht nicht überwieget?
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Und du nun weggelegt des Fleischesschwere Last?
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Zwar wenn ich dencke nach/ daß auch die Himmel alten/
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Die Elementen Staub/ die Sternen Asche seyn;
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Daß aller Künstler Witz und Bauwerck nicht mag halten/
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Und die Vergänglichkeit reist Thürm und Mauren ein;
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So sind ich leicht den Schluß/ daß Menschen müssen sterben/
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Und daß ihr Leben sey ein Nebel/ Rauch und Wind.
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Daß Wasser-Blasen gleich sich prächtig pflegt zu färben/
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Und in der höchsten Zier am flüchtigsten zerrinnt.
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Allein mit diesem Tod in einen Kampff zu treten/
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Erfordert einen Held der stets gegürtet steht/
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Und dessen Glaubens-Schild ist wachen/ hoffen/ beten/
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Wenn nun der Fürst der Welt mit Pfeilen auff ihn geht.
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Jhn deckt der Helm des Heils/ sein Schwerdt ist Gottes Lehre/
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Damit er Widerstand des Teuffels Anlauff thut.
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Dann bleibet ihm das Feld/ denn krönt ihn Wonn und Ehre
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Wie unsern Seeligen/ der in dem HErren ruht.
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Dergleichen Ritter kan der Tod nicht übermeistern.
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Ach nein/ erblaster Freund/ dein Sieg ist schön und groß/
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Du triumphirest nun bey tausend reinen Geistern
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Dein übrig Nachruhm ist auch nicht von Ehren bloß.
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Du alte Teutsche Haut/ fromm/ schlecht und recht im Wandel/
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Als dich die güldne Ruh nach so viel Schweiß erquickt;
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Hat Welt-Betrügerey und ihrer Falschheit Handel
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Nie dein begrautes Haar und Redlichkeit bestrickt.
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Mit was vor Vater-Treu umbfiengst du nicht die Deinen?
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Wie hertzlich hast du nicht dein Ehgemahl geliebt?
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Und hörst du noch im Grab das Aechzen und das Weinen
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Das ihre Wehmuth dir zum letzten Opffer gibt.
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Wiewol/ Betrübste/ hemmt die abgestürtzten Zähren/
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Der hier ein Krieger war ist dort ein Sieges-Held.
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Es wird sein weiser Schnee in Lilgen sich verkehren/
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Und unter seinem Fuß ligt Sünde/ Tod und Welt.
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&q;Glückseelig wer so kämpfft/ und wer so durchgedrungen/
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&q;Daß sein Soldaten Lohn der Krantz der Ewigkeit!
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&q;Du hast/ Erblaster Freund/ vor offt den Feind bezwungen/
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&q;Nun holst du dir auch gar den Himmel zu der Beuth’.