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Jihr keusche Lorbeern ihr/ die ihr noch nie vermählet/
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Und immer Jungfern bleibt von unermeßner Zeit/
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Die seinem Heiligthum Apollo zugezehlet/
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Mit welchen noch sein Haar und Scheitel wird erfreut;
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Umbgebet dieses Grab/ beschattet itzt die Bahre/
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Schenckt derer Einsamkeit noch eure grüne Nacht.
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Vor stundet ihr ein Schmuck nur in der Götter Haare/
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Jetzt hat der blasse Tod euch Wermuth gleich gemacht.
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Flecht Aest’ in Aeste/ flecht ihr unverlobten Zweige/
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Jhr baut ein Schlaffgemach voll Friede/ voller Ruh/
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Und daß kein scharffer Nord in eure Blätter steige/
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So deckt euch Zephyr selbst mit seinen Flügeln zu.
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Hier ist nicht Daphne Flucht und Phöbus heisse Flammen/
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Mit solchen Fabeln ist mein Reimschluß nicht erfüllt/
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Die/ so die Eitelkeit der Welt pflag zu verdammen/
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Ligt in dem Leichen-Tuch gleich vielen eingehüllt.
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Hier wünsch ich euren Wald und eure stille Schatten/
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Und diß verdient die Hand die euch so sehr gehegt.
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Kommt derer Einsamkeit auch in der Grufft zu statten/
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Die nichts im Leben mehr als Einsamkeit gepflegt.
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Die Ruh ihr höchstes Gut/ GOtt ihren Schatz geheissen/
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Nicht in der Eitelkeit verwickelt ihren Fuß.
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Verächtlich angeschaut der Welt ihr falsches Gleissen/
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So einem Nebel gleich im Anfang schwinden muß.
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Sie meynt daß sie kein Lentz gleich eurem Zierath schmückt.
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Sie will auch nur bey euch ihr Sieges-Bäume/ wohnen
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Weil ihr bey Lebens-Zeit vielfältig sie erquickt.
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Jtzt findet sie die Ruh/ hier war sie nicht zu finden/
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Wie eingezogen auch ihr gantzes Leben hieß!
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Sie wird kein Sorgen-Netz und Kummer-Garn mehr binden
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Noch Kranckheit/ die ihr offt von Kräfften wenig ließ.
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Und weil ihr ja der Welt vermummte Heucheleyen/
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Mehr als zu wol bekandt/ so stieß ihr himmlisch Sinn
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Großmüthig von sich aus/ was Menschen kan erfreuen/
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Worumb der meiste Theil offt gibt den Himmel hin.
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Und wie ihr Lorbeern wachst auch bey der grösten Hitze/
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Und mitten in dem Frost in voller Blüthe steht/
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Wie die Beständigkeit verlacht des Donners Blitze/
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Wie scharff auf sie der Sturm von allen Wettern geht:
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So trug sie auch ihr Creutz/ was andern eine Bürde/
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Erleichterte Gedult/ die Last hieß ihr nur Lust/
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Weil zu weit höherm Ruhm und unumbschriebner Würde/
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Ein Christ die Aloe des Leidens nur hier kost.
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Jhr Engel-reiner Sinn blieb Engeln zugesellet/
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Das Lazaret der Welt hat sie nicht angesteckt/
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Wo auch ein Salomo bey höchster Klugheit fället/
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Wo täglich neue Lust auch neue Sünden heckt.
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Und welch Stand auf der Welt ist diesem zu vergleichen/
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Der eintzig und allein mit seinem GOtt getraut?
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Jhr andern Nymfen müst mit eurer Pracht erbleichen/
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Nichts ist wol prächtigers als eine Himmels-Braut.
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Der Mensch sucht hier nur Lust bey Schalen/ nicht bey Kernen/
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Kiest offt Sardoisch Graß für den gesunden Klee/
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Ein Gott-verpflichter Sinn buhlt eintzig mit den Sternen/
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Und was ihn angeflammt rührt von der lichten Höh’.
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Und Berenicens Krantz für schlechtes Kinder-Spiel.
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Jhr reiner Glaubens-Grund trägt nunmehr das zu Lohne/
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Dem sich das güldne Heer der Nacht nicht gleichen will.
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Und triumphiret doch ihr Lorbeern in den Gräntzen/
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Rom hielt vor diesem ja in Freuden euch sehr groß!
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Hier diese Freude weiß von keinern Ziel noch Gräntzen/
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Sie legt euch Lorbeern itzt in ihres Heylands Schos.
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Das Mahlwerck der Natur/ womit die Blumen prangen/
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Die Flora stelle sich in tausend Farben für;
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Sie werden nimmermehr die Hoheit doch erlangen/
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Und keine Schönheit kan sich gleichen eurer Zier.
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Das gantze Morgenland mit seinen edlen Steinen/
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Und was der Perser uns aus seinen Schätzen schickt/
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Erreichen nicht den Glantz/ der aus den dürren Beinen
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Wenn sie des HErren Geist beseelet/ wieder blickt.
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Jhr heilgen Lorbeern ihr/ last nur die Heyden krönen
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Jhr thummes Opffer-Vieh/ hier krönt ihr eine Braut/
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Die auch ein Opffer-Lamm auff ewig will versöhnen/
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Mit der in einem Ring sich GOtt hat anvertraut.
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Es trug der Käyser Haupt nur Strahlen-reiche Kronen
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In die ein Lorbeerzweig sich offt geflochten hat/
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Und wolte man den Dienst der Obersten belohnen/
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So zierte man den Brieff mit einem Lorbeer-Blat/
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Und diß blieb ihrer Treu und Tapfferkeit ein Zeichen.
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Nicht minder werdet ihr/ ihr keuschen Lorbeern seyn
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Ein ewig Sieges-Schmuck der abgelebten Leichen/
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Ein Strahlen-reicher Krantz umb ihren Grabe-Stein.
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Wie aber daß ihr so die grünen Blätter spitzet?
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Stellt ihr auch noch dadurch der Seelgen Sinnbild für?
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Ach ja! die Schmertz und Creutz sehr scharff und offt gereitzet/
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Sucht eintzig nur das Grab/ der Freyheit wahre Thür.
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Jhr Kampff ist nun vollbracht/ sie tritt mehr zu den Füssen
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Als offt ein gantzes Heer der Römer hat gethan.
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Jhr Lorbeer/ Zweige solt der Welt dolmetschen müssen/
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Daß man von Fleisch und Blut erlangt die schönste Fahn.
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Wie aber daß ihr so stoltzieret/ edlen Aeste/
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Gleicht euch kein ander Baum mit seiner Trefflichkeit?
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Nein/ Käyser setzlen euch vordiesem in Paläste/
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Das güldne Capitol hat eine Pracht geweyht.
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Hier aber grünet ihr gar in des Himmels Zimmern/
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In Gottes Vorhof steht itzt euer Lebens-Baum:
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Wie solt ihr Lorbeern nicht in einem Glantze schimmern/
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Für dem der Menschen Schatz nur ein geringer Schaum?
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Smaragdne Lorbeern strahlt in ewig grünen Blitzen;
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Gekrönte Lorbeern siegt mit eurer
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Sie kan nun ihrem GOtt zu seiner Seite sitzen/
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Und Frömmigkeit bleibt doch der herrlichste Gewinn.
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Ja wie ihr Lorbeern mehr von der Verwesaug sicher/
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So wird ihr edles Lob bey uns auch nicht vergehn.
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Werfft euch Sieg-prangende nur auff die Leichen-Tücher.
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Last euren grünen Wald umb dieses Grabmahl stehn.