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Mein Freund/ so haut der Tod dein Fleisch in tausend
Stücke/
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Und überliefert es den Würmen zu der Kost/
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Du bist nunmehr befreyt/ ich steh noch auf der Brücke/
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Und hoffe weiter nichts als Schimmel/ Fäul’ und Rost.
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Muß uns die Frühlings Lust zu einem Kirchhof werden/
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Ist denn dein Sommer-Hauß ein schwartzes Leichen-Bret?
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Die Sonn erfreu’t die Welt mit ihren güldnen Pferden/
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Da ein breit Eisen dir macht auff die Grabe Stätt.
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Wo bleibt nun unser Wunsch/ wo bleibet das Versprechen:
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Ach der ergrimmte Tod reist allen Vorsatz ein!
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Und wird uns unverhofft die müden Augen brechen
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Daß auch der Sternen Licht muß Asch und Schatten seyn.
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Wie aber gehstu hin? Ein Held fällt unter Wunden
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Sein Purpur färbet offt des Feindes Angesicht.
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Der Schiffer hat den Tod in wüster See gefunden/
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Ein Bergmann der verfällt wenn Fahrt und Gang einbricht.
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Du als ein Handels Mann geübet durch viel Reisen
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Und der viel Wechsel schoß/ verschleust dich in den Sarck/
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Willst unsrer lieben Stadt und Leipzig noch erweisen/
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Wie rühmlich du vollführt hast deines Lebens-Marck.
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Jtzt da der Jahrmarckt kommt/ bald in den ersten Tagen
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Hastu dein Gut verkehrt. Was? nichts als Staub und Koth.
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Wird eine kunde wonach Herr
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So spricht der Diener Mund er ist schon kalt und todt.
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Ach Wechsel voller Glück? ach Handlung voller Seegen!
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Der ewige Gewinn hat dir bißher gefehlt/
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Daß man dich Lebens satt möcht in die Erde legen
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Ermüdet von viel Angst und strenger Noth gequält.
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Der in Siberien auff ewig ist verbannet/
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Und den der Mittag kocht auff einer Ruder Banck/
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Der an den Hacken ligt/ an Foltern ist gespannet
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Der Gifft zur Speise hat und Schirling zu dem Tranck/
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Empfindt nicht solche Pein als wie du hast erlitten;
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Des Nero Tyranney ist noch Barmhertzigkeit:
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So hat kein Hencker je gebrennet und geschnidten
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Als dich die grause Gicht gekrümmet wie ein Scheit.
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Doch sey mir noch vergunt/ O Seeliger zu fragen?
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Hat dein Gewölbe nicht den kühnen Tod verblendt?
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Und unterstand er sich in Marck dich zu betagen
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Da sonst ein jederman der Märckte Freyheit kennt?
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War denn kein Zeug nicht da/ daß man die dürren Beine
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So viel nur möglich schien aufs zierlichste bedeckt?
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Hatt’ er nicht seine Lust an Sammt und Atlas Scheine
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Daß ihm der Künstler Stich Mitleiden hätt erweckt?
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Hieß Stückwerck und Gespienst ihm eine Spinne-Webe?
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Wie kleidet sich der Tod in keine Moden nicht?
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Und bleibt er immer so wie eine schwancke Rebe?
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Ergetzet kein Damast sein holes Angesicht?
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So forsch ich weiter nach: Was hast du denn verhandelt?
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Dein zugeschlossner Mund spricht! Ach mein Fleisch/ das
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Weil der/ der endlich auch die Himmel selbst verwandelt
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Mir längst ins Ohr gerufft/ daß ich vergänglich sey.
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Nun wunder’ ich mich mehr: welch Weltling kan es leiden
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Wenn über die Gebühr sich einer kleiden läst?
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Und du/ dem nichts gebrach an feinsten Sammt und Seiden
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Erfährest daß der Tod auch dieses stehen läst/
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Und kleidet sich in Fleisch. Er hat es zwar vonnöthen
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Daß er die leere Schos und magern Hüfften ziert.
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Hingegen solte nicht der freche Mensch erröthen
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Daß offt ein gantzer Krahm für ihn nicht Zeuge führt?
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So gibst du nun dein Fleisch das schlechste von den Waaren
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O kluger Handels-Mann für jenen Himmels-Schatz.
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Laß Scharrer unsrer Zeit in alle Winckel fahren/
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Dein Hauptgut das behält für allen Gütern Platz.
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Und sinn’ ich endlich aus die Gleichheit in den Dingen
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Gewichte/ Maß und Zahl ist auff den Punct erfüllt.
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Als in dem Paradieß wir unbekleidet giengen
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Hat Evens Vorwitz sich zum ersten eingehüllt.
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Und dieses Sünden-Kleid das ist uns erblich blieben.
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Ob unsre Leiber sonst auch alle Schönheit mahlt;
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So sind doch sie dem Tod zum Eigenthum verschrieben
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Erfordert es mit Recht daß man durch Sterben zahlt.
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Und was ist ähnlicher den allerbesten Zeugen
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Als unser Haut und Fleisch? sie sind aus nichts gemacht.
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Gott hieß aus einem Kloß den ersten Menschen steigen/
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Hier hat ein Wurm und Kunst die Formen aus gedacht.
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Was ist verweßlicher als schöne Selden Waaren
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Und eine schöne Haut die Perlen oft beschämt?
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Denn jene darf Gebrauch und Zeit nur überfahren/
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Und den geraden Leib hat Kranckheit offt gelähmt.
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Wie brüstet sich der Mensch wenn er so herrlich gläntzet?
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Und denckt nicht daß ein Koth den andern überdeckt.
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Wird nicht mit Perl und Gold ein stoltzes Haupt bekräntzet?
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Darunter weiter nichts als Wust und Eyter steckt.
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Ist unser Fleisch nun Heu/ gewidmet zum Verderben
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Reitzt es und wird gereitzt/ führt es und wird verführt/
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So glaubt ein rechter Christ/ daß wenn auch in dem Sterben
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Der Tod sein Recht vollzieht er dennoch nichts verliehrt.
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Drumb werther Seeliger hastu sehr wol geschlossen.
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Wie aber stell ich recht den grossen Nutzen für?
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Bilantz und Räitung sind nur lauter Kinder-Possen/
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Was Welt und zeiclich ist hat kein Gehore hier.
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Da unser Heyland sich in unser Fleisch verkleidet/
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Da wuchs das Capital der Ewigkeit uns zu;
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Und als er an dem Creutz vor unsre Sunden leidet
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Da setzt er aus Gefahr uns in die sichre Ruh.
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Es sey das Fleisch nun Heu: was ist daran gelegen?
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Ob uns der Würge-Mann die Knochen gleich zerhaut/
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Und wird uns durch das Grab wie durch ein Sieb ausfegen.
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Versichert daß sie sind zu grösserm Glantz vertraut.
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Ach laß erblaster Freund das Heu/ dein Fleisch/ verwelcken/
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Du hast hier wol gelebt und schläfft mit Ehren ein/
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So prangt dein Garten nicht mit Wunder bunten Nelcken/
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Als dermahleinst dein Fleisch wird auffgekläret seyn.
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&q;Des HErren Athem wird in dein Gebeine blasen
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&q;Du wirst voll Safft und Krafft und Geistes aufferstehn.
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&q;Es mag die tolle Welt in ihren Sünden rasen
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&q;Sie muß wie Fleisch und Heu doch endlich untergehn.