Die beständige Creutz-Trägerin/ Bey Absterben Fr. R. C. K. g. R. den 3. Mertz 1680. aufgeführet

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Heinrich Mühlpfort: Die beständige Creutz-Trägerin/ Bey Absterben Fr. R. C. K. g. R. den 3. Mertz 1680. aufgeführet (1686)

1
Geh aus des Creutzes Last und aus der Trübsal Hitze/
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Nunmehr O Seelige in Edens Garten ein/
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Kein Wetter schreckt dich jetzt/ es dräuen keine Blitze/
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Und nach des Grabes Nacht folgt heller Sonnen-
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Du hast mit Ruhm gekämpfft und mit Gedult getragen
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Das Creutz-Fahn/ welches dir dein Heyland überreicht.
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Die Welt ist triumphirt/ der Satan ligt geschlagen/
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Versichert daß kein Sieg der Helden deinem gleicht.
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Es rühme Scythien die Mann-behertzten Frauen/
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So an die rechte Brust der Lantze Staal gesetzt/
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Du warst in größrem Muth und Löwen-Hertz zu schauen/
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Weñ du dein Glaubens Schwerd hast auf den Feind gewetzt.
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So ist dein Kampff mehr schwer als einer je gewesen/
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Den uns das stoltze Rom in seinen Fechtern wieß/
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Es hat zwar Crocodil und Tiegerthier erlesen/
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Die es/ O Grausamkeit! auff nackte Menschen ließ!
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Du aber hast gekämpfft gar mit der alten Schlangen/
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Die nach der Seelen stets mit offnem Rachen schnappt.
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So hat den Python nicht Apollens Arm gefangen/
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Als du den schnöden Fürst der Finsternüß ertappt.
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Erblaste
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Den hochberühmten Kampf/ trugst du dein Creutz nur vor?
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Hast du zu diesem dich im Creutz allein gewendet/
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Der an desselben Holtz sein Leben auch verlohr.
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In solchem Zeichen hast du Ritterin gesieget.
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Es schweige doch die Welt von ihrem Kämpffen still.
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Dein gut Gewissen ists/ das dich allein vergnüget/
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Dein wahres Christenthum das kräfftigste Sigill.
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Und wie ein Fechter sonst/ nicht wie die Andabaten/
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Vergeb’ne Streiche thut und mit den Lüfften spielt;
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So liest du dir auch hier nicht andre Hülffe rathen/
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Du hast durch GOttes Geist geleitet scharff gezielt.
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Lieffst mit genauem Fleiß in des Beruffes Schrancken/
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Und woltest Tag und Nacht in der Bereitschafft stehn.
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Es mag sich noch Athen umb seine Läuffer zancken/
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Und wer am ersten soll gekrönt als Sieger gehn.
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Dort ward ein schlechter Platz in kurtzer Zeit durchrennet
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Und bloß ein Krantz ertheilt von Eich’ und Myhrrten Laub.
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Wer deinen Siegs-Krantz sieht und deine Krone kennet/
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Der sagt/ das Perlen Glaß und Diamanten Staub.
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Wie eyffrig hast du nicht bey deinem Fahn gehalten?
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Es war ja Christi Creutz der Schwachheit Trost und Stab.
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Der Ertz-Schrein/ der den Schatz des Himmels pflegt zu halten/
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Der Nachlaß aller Schuld/ der Gottsfurcht Opffer Gab.
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Das hast du Seelige mit solchem Muth getragen/
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Daß seine Last dir leicht und sein Joch sanffte schien.
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Dein Arbeit hat gewehrt biß zu den letzten Tagen/
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Da nun des Lebens Geist wolt aus dem Cörper ziehn.
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Du hast zwar offt geseuffzt/ geächtzet und geruffen:
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Ists möglich/ nimm die Last doch mein Erlöser weg!
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Doch weil des Himmels Bahn gebaut von Creutzes Stuffen/
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So blieb Anfechtung nur ein Probstein zu dem Zweck.
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Und wer mit murren trägt/ den wird die Bürde drücken.
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Diß ist die gröste Kunst so bloß ein Christ beliebt/
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Daß er bey Leidens-Zeit sich nur in allen Stücken
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Nach GOttes Willen hält und diesem sich ergiebt.
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Die Hitze brennt nicht stets/ es muß der Abend kommen/
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Und unser Gnaden-Lohn ist überschwenglich groß!
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So bald das kurtze Licht des Lebens ist verglommen/
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So bald macht uns der Tod von Sorg und Kummer loß.
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Der hier mit Thränen säet der erndtet Freuden-Garben.
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Gott holt uns aus der Tieff und mitten aus der Fluth;
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Er läst uns offt in Noth verzappeln und offt darben/
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Damit er wieder wol uns tausendfältig thut.
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Und dieser trocknet nun/ Verblichne/ deine Zähren/
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Der legt dich als ein Lamm in seine Gnaden-Schos.
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Was können Sterbliche mehr wünschen und begehren/
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Als daß sich GOtt vermählt mit einem Erdenklos.
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Triumph Creutz-Trägerin! Triumph die Sieges-Kronen/
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Sind unvergleichlich schön und auch unschätzbar werth!
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Mit dem kan nicht die Gunst gekrönter Häupter lohnen/
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Was dir der grosse GOtt aus Gnaden jetzt beschehrt.
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Du kommst auch früh zum Ziel im Frühling deiner Jahre/
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Und solt uns hier zum Ruhm die
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Die Blume sey geschenckt zu letzt noch deiner Bahre/
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Es trifft Gestalt und Art und die Auslegung ein.
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Es mag die Sonne kaum ihr güldnes Rad uns zeigen/
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Wenn früh die Morgenröth ihr Purpur-Zelt auffdeckt;
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So wird aus Liebe sie sich zu der Sonnen neigen/
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Und trägt die Blätter stets nach ihrem Strahl gestreckt.
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Sie lebet mit der Sonn und stirbt fast mit der Sonnen/
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Indem sie welckende die Krone ziehet ein;
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Ingleichem Glaubens-Oel ist auch dein Hertz zerronnen
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So offt es angeblickt des Heylands Liebes-Schein.
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Wenn sein beflammter Strahl dich hat erwärmt von oben/
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In was vor Anmuth stand nicht deiner Blüthe Pracht.
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Es wird der Freunde Mund dich unauffhörlich loben/
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Daß deine Frömmigkeit unsterblich dich gemacht.
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Du kehrtest wie ein Blat nach GOtt nur deinen Willen/
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In diesem wachst du auff/ in diesem schlieffst du ein.
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Und wie sein wahrer Mund pflegt alles zu erfüllen
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So mustest du für ihm ein gut Geruch auch seyn.
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Die
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Und hebt nach kurtzer Frist ihr prächtig Haupt empor/
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Bey dir war auch Gedult im Creutz und Leyd zu finden/
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Die Liebe gegen GOtt gieng allen Sorgen vor.
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Du warst in deinem Hauß auch eine
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So ihren Ehschatz hat als ihre Sonn geehrt.
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Bemühsam/ daß du stets durch deine treue Hände
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Und kluge Häußlichkeit die Nahrung hast vermehrt.
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Dem hast du
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Auff deiner Kinder Drey aus Mutter Pflicht geneigt.
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Es labt der Blumen Schaar nicht so der Sonne Kertze
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Als deinen Blumen du gutthätig dich erzeigt.
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Es sinckt der
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Du auch
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Wer kan der deinen Weh und Jammer recht erwägen/
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Dein Blut ist Mutter-loß/ dein Herr ohn Hertz und Sinn.
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Doch wie du durch dein Creutz im Glauben hast gesieget/
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So soll auch diß der Trost der
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Daß der so alle Welt für unser Heil vergnüget/
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Uns täglich zu dem Creutz als Träger ladet ein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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