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Hochedle/ jener wünscht ihm Fenster in die Hertzen/
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Dadurch die Regungen der Geister anzuschau’n:
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Hier zengt eu’r Angesicht die innre Seelen-Schmertzen/
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Und selbst der Augen-Brunn muß nichts als Thränen
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Warum? ihr solt und must itzt euer Hertz begraben:
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Ists möglich/ daß ein Mensch mehr ohne Hertze lebt?
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Und soll ein Hertz den Sarg in seinem Hertzen haben?
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Gleichwie ein Seiden-Wurm sein Grab ihm selber webt?
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Man schloß vor diesem ja gekrönter Häupter Hertzen/
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Wenn sie der letzte Stoß des Todes kalt gemacht/
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In Gold und Edelstein/ und hat viel tausend Kertzen
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Zu zieren das Mausol verschwend’risch ausgedacht.
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Viel haben balsamirt die Hertzen wollen halten/
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Umb so den Liebes-Dienst unendlich zu verneurn.
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Viel/ wenn sie schon gesehn der Adern Quell erkalten/
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Die wolten doch noch so dem Tod und Fäulnüß steur’ n.
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Nein/ euer Grabmal trotzt die prächtigen Colossen/
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Cairens Seulen-Werck und Memphis Marmelstein/
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Und was von Bildern mehr Corinthus hat gegossen/
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Und das noch alte Rom gehauen Felsen ein.
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Doch trieb der Ehrgeitz an: Hier ein gehorsam Wille/
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Der Kindes-Lieb und Pflicht zu einem Nachbar hat.
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Sie streiten/ wer zu erst die Schuldigkeit erfülle/
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Und wer am nechsten ruh’ bey dieser Grabe-Statt.
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Was scharrt ihr endlich ein? ein Hertz/ von dem das Hertze/
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So stündlich in euch klopfft/ den ersten Ursprung führt/
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Die Sonne/ so bißher durch ihrer Stralen Kertze
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Euch alle hat gewärmt/ beseelet und geziert.
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Ist sonst der Menschen Hertz das Wohnhaus ihrer Seele/
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So war der Mutter Hertz auch eures Lebens-Sitz.
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Regt und bewegt es sich erst in des Cörpers Höle/
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Und weckt die Geister auf/ und theilt aus Blut und Hitz.
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So hat der Mutter Hertz/ worunter ihr gelegen/
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Noch vor dem Tage-Licht wohlthätig sich erzeigt/
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Und denn ohn Unterlaß Heil/ Wonne/ Leben/ Seegen/
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Und was man wünschen mag/ euch mildreich zugeneigt.
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Wohnt in dem Hertz ein Feur/ das von des Himmels-Höhen
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Prometheus Kunst-Diebstal uns heimlich zu gewandt;
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So war der Mutter Hertz/ solt es zum HErren gehen/
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In gar weit heil’ ger Glut des Glaubens angebrant.
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Ist sonst des Menschen Hertz die Renn-Bahn der Begierden/
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So war der Mutter Hertz der Tugend Sammel-Platz.
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Es blieb von allem Glantz und angebornen Zierden
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Beständigkeit ihr Ruhm und Gottesfurcht ihr Schatz.
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Ist ferner auch das Hertz ein Brunnquell treuer Liebe/
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Wie hertzlich hat sie nicht als Kinder euch geliebt/
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Und wenn man ihre Treu ins Zeit-Register schriebe/
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So käm es dem nicht bey/ was ihre Huld verübt.
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Sie war Cornelia/ die ihre Söhne Cronen
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Und nicht der Perlen Reyh und Diamante hieß/
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Des Frauen-Zimmers Schmuck hielt sie für schlechte Bohnen/
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Wenn sie des Blutes Schmuck/ des Stammes Erben/ wieß.
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Was hat sie nicht gethan? Jhr Reden/ Dencken/ Sinnen
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War auf der Kinder Heil und Wolergehn gericht/
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Und solten nicht anjetzt die Thränen häuffig rinnen/
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Nun der ergrimmte Trd das Mutter-Hertze bricht?
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Mit was vor Helden-Muth es alles überstanden/
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Bey vieler Kranckheit-Last doch mit Gedult gesiegt/
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Die Freyheit stets gezeigt auch in den Leibes Banden/
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Und sich an Gottes-Güt erfreuet und vergnügt/
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Fast nicht mein enges Blat; und meine Trauer-Zeilen
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Wenn schon das Hertz verwundt/ welch Podalier kan heilen?
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Es giebet Esculap in solchem Zufall nach.
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Und niemand auffder Welt kan diese Thränen schelten
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So umb das Mutter-Hertz der Kinder Pflicht vergaust/
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Die Lieb ist ungemein/ und diese Treu ist selten/
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So euer Mutter Hertz hat jeder zeit beweist.
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Schenckt wieder ihr das Hertz zu einem Ehren-Grabe/
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Sie könte schöner nicht in Alabaster ruhn.
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Diß Mutter-Hertz ist werth/ daß es viel Tempel habe
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In Hertzen/ die ihm noch die letzten Dienste thun.
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Es will der Julian aus Hertzen propheceyen/
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Und drauß erkündigen/ was künfftig kommen mag:
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Jhr könt der danckbar’n Welt in Ohr und Hertzen schreyen/
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Daß euer Mutter-Hertz bey eurem Hertzen lag.
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Der Lilgen Zwiebel ist am ähnlichsten dem Hertzen/
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Die Lilgen eures Ruhms der/ die sie erst gebracht.
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Verbrennt Germanicus sein Hertz durch keine Kertzen;
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Der Mutter Hertze wird zur Asch auch nicht gemacht.
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Der Tugend Aloe beschützt es für dem Schimmel/
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Und eure Wehmuth muß der beste Balsam seyn.
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Der Geist sucht Kercker-loß sein Vaterland/ den Himmel/
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Nichts als der Glieder Rest bedeckt der Leichen-Stein.
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Man laß’ Egyptens Wahn von unsern Hertzen lehren/
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Daß es biß funffzig Jahr ein halbes Loth nimmt zu/
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Denn fängt es an die Zeit auch wieder zu zerstören/
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Biß daß es endlich gar kömmt zu der langen Ruh.
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Ein grösser Wachsthum wird der Mutter Hertze haben/
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Als das mit eurem ist zusammen eingeprägt/
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Das immer lebend bleibt/ und eh’ nicht wird begraben/
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Als biß ihr Lebens-satt euch auch ins Grab gelegt.
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Hochedle/ da sich schon der Mutter Augen schlossen/
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Und sich die Seel’ als Gast zum Abzug fertig fand/
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Hat sie nach ihrem Wunsch die Freude noch genossen/
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Daß eure treue Pflicht ihr stets zu Dienste stand.
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Jhr habt den letzten Kuß von ihrem Mund empfangen/
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Die Augen zugedrückt/ so euch so offt erfreut.
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Und unter vielem Weh’/ Begierden und Verlangen
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Sie nur voran geschickt ins Land der Ewigkeit.
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Mausolens Ehgemahl trinck ihres Herren Asche:
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Aus eurer Seele kommt der Mutter Name nicht.
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Umbsonst/ daß Todte man mit theurem Balsam wasche/
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Der beste Narden ist ein unbefleckt Gerücht’.
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Und wenn auf Gräbern viel die Nachwelt gibt zu lesen;
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So sey die kurtze Schrifft zu diesem Grab gelegt:
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Hie ruht ein Mutter-Hertz/ das nimmer kan verwesen/
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Weil es der Kinder Hertz lebendig in sich trägt.