Die Leyd-tragenden Cypressen/ Bey Beerdigung Hn. C. S. LL. S. den 5. Decembr. 1679.

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Heinrich Mühlpfort: Die Leyd-tragenden Cypressen/ Bey Beerdigung Hn. C. S. LL. S. den 5. Decembr. 1679. (1686)

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Jhr Leichen-Schmück/ ihr dunckelen Cypressen/
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Jhr Kronen ihr/ die nasse Wehmuth flicht/
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Jhr Zeugen ihr/ daß nicht das Leyd vergessen/
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Anwalde/ wenn der Tod sein Urtheil spricht;
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Euch forder ich diß Grab noch zu begleiten/
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Und wie ihr selbst von Trauren seyd erblast/
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So schont auch nicht die Zweig’ jetzt auszubreiten
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Und pflantzt hieher den ausgedorrten Ast.

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Wie taumelt ihr/ ihr schwancken Cyparissen?
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Gedenckt ihr noch wer ihr gewesen seyd?
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Eh als euch pflag die Rinde zu beschliessen/
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Hieß Phöbus euch nicht seine Lust und Freud?
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Der Hirsch den du O Cypariß geliebet/
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Und auch zugleich durch deinen Pfeil verwundt/
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Der hat dich so biß auff den Tod betrübet/
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Daß drauff dein Leib in Baum verkehret stund.

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Diß Sinnen-Bild Leyd-tragende Cypressen/
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Entwirfft uns auch des Lebens Eitelkeit.
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Was uns ergetzt/ wobey wir offt gesessen/
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Was uns gebracht die angenehmste Freud/
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Das wird hernach viel hefftiger verletzen.
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Die gröste Lust beschleust ein herbes Weh;
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Und was die Welt nur zeigt von ihren Schätzen
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Das ist nichts mehr als ein vergänglich Schnee.

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Wie/ oder seyd ihr Gratien gewesen/
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Voll Lieblichkeit/ voll Anmuth/ voller Wonn’/
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Und wie das Buch der Zeiten gibt zu lesen/
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In einem Tantz verfallen in den Bronn
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Und den versetzt in blasse Sträucher worden?
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So stellt ihr doch des Todes Rasen für.
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Sein Grimm der fährt durch aller Menschen Orden
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Und raubt zu erst der Jugend beste Zier.

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Herr Seelmann den wir mit Cypressen decken/
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Muß meiner Wort ein kläglich Beyspiel seyn.
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Wir sehen ihn die Hand des Todes strecken/
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Sein letztes Hauß ist dieser schwartze Schrein.
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Der Jugend Lentz/ die Geister-reichen Jahre/
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Sind vor dem Stoß der Parten nicht befreyt.
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Man legt so bald die Jungen auff die Baare/
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Als die gar tieff im Leben gehn beschneyt.

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Cypressen seyd ihr nichts als Todes Zeichen/
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Die Heyden auch dem Pluto nur geweyht/
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So muß ich bald aus Abscheu von euch weichen/
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Wie/ oder lehrt ihr auch die Ewigkeit?
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Ach freylich! ja den Stab den Götter tragen/
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Der war zu erst von eurem Holtz gemacht/
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Und weil ihr könt die Schlangen gantz verjagen/
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So hat euch hoch das Alterthum geacht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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