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Geh' ein/ du treuer Knecht/ zu deines HErren Freude:
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Dein Lohn ist reich und schön und überschwenglich groß.
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Geh’ ein/ und zwar begabt mit einem weissen Kleide/
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Der Hohepriester nimmt dich/ Priester/ in die Schos.
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Du must aus Sarg und Grab dich in die Höhe schwingen/
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Gleichwie der Aaron that/ als er sein Ampt vergnügt/
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Und auff dem Berge Hor/ was GOtt schafft zu vollbringen/
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Durch einen sanfften Tod ward gleichsam eingewigt.
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Du hast genug gekämpfft/ und deinen Lauff vollendet;
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Nach überstand’ nem Streit theilt man ja Cronen aus.
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So hast du auch dein Pfund mit Wucher angewendet/
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Und wachsam jederzeit bewahrt des HErren Hauß.
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Auff Schweiß erfolgt der Preiß. Denn der dich hat bestellet/
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Lohnt/ wie die schnöde Welt/ mit keinem Undanck nicht.
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Wo er ist/ soll sein Knecht ihm auch seyn zugesellet/
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Nichts kan so seelig seyn/ als die Verbündnüß-Pflicht.
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Wer aber ist der HErr? Ein GOtt dem niemand gleichet;
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Ein König/ dessen Macht kein Ober-Macht erkennt.
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Vor dem die Sonne steht/ des Monden Licht erbleichet/ (nennt.
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Der Scepter/ Kron und Thron/ Glaß/ Staub und Scherben
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Was soll der Kuecht denn thun? Er soll sein Joch auffnehmen/
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Das er zum Heil der Welt längst übertragen hat;
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Er soll in keinem Creutz sich des Erlösers schämen/
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Und glauben/ daß bey ihm Trost/ Rettung/ Hülff und Rath.
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Bey Fürsten fällt ein Knecht gar leicht in Ungenaden:
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Offt wird der treuste Dienst am wenigsten evkant.
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Nein/ Gott wil seine Knecht als Gäste zu sich laden
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Und nennt sie Botschafften zu predigen gesandt.
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Ist denn der Lohn so groß? Ach freylich’ Keine Schätze
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Kein Reichthum noch Gewalt kömmt der Belohnung bey.
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Denn/ der gehalten hat sein Wort und sein Gesetze
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Den macht er von dem Tod und dessen Banden frey/
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Und theilt mit ihm sein Reich unausgegründter Freuden:
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Setzt ihn mit vollem Recht zum Himmels-Fürsten ein.
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Es müh’ sich Höll’ und Welt das Bündnüß zu zerschneiden/
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Wo dieser HErr regiert/ da muß der Diener seyn.
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Sehr schön ist auch der Lohn: War’ es ein Gnaden-Zeichen/
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Wenn Fürsten dienenden Pracht-Kleider ausgetheilt?
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So muß wol Seid’ und Sammt deß Heylands Purpur weichen
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Als der mit seinem Blut uns Sünder hat geheilt.
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Soll der Gerecht nicht als wie die Sternen gläntzen?
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Soll/ wer Gerechtigkeit beständig hat gelehrt/
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Nicht so bestralet seyn/ als wie die Sonn im Lentzen
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Und in der Engel-Chor sein Name seyn geehrt?
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Die ihre Stimme hier erhoben als Posaunen/
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Die des Gesetzes Schwerdt mit Helden-Muth geführt/
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Daß ein verstocktes Hertz darüber must’ erstaunen/
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Wenn ihr gerechter Grimm die Missethat berührt:
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Die/ meld’ ich/ stehn nun da gekräntzt mit Sieges-Zweigen/
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Und ihre Arbeit ist vergeblich nicht gethan.
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Jhr Glantz der Herrlichkeit wird alles übersteigen/
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Was die gevierdte Welt an Schönheit zeugen kan.
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Unüberschwenglich groß ist auch der Lohn zu heissen/
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Denn die Verheissung thut der gröste Potentat;
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Er spricht: Ich bin bey dir/ ich will aus Noth dich reissen/
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An Leben/ Ehr und Ruhm vollkommen machen satt.
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Es soll dein Kindes-Kind von nichts als Wundern sagen/
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Und meine Hand bey dir stets unverkürtzet seyn.
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Ich will im Alter dich auff Adlers-Flügeln tragen/
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Dein GOtt von Jugend auf/ biß in den schwartzen Schrein.
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Weg mit Belohnungen/ die wir allhier geniessen/
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Es gleicht diß Schatten-Werck deß Himmels-Gütern nicht!
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Wenn sich manch frommer Knecht hat treu zu seyn beflissen/
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Gibt ein undanckbar Herr ihm wol ein sau’r Gesicht.
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Und wer jetzt redlich dient/ der wird zum Lohn gehasset;
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Da offt ein Schmeichel-Maul hoch an dem Brete sitzt.
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Wer Ohren melcken kan/ und Zeitungen aufffasset/
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Dem hat es gar viel mehr als Tugenden genützt.
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Weg/ Dienste dieser Welt! Wo die Belohnung bitter/
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Schlecht/ sörglich/ ungewiß/ ja mit Gefahr verhüllt.
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Wer treulich GOtt gedient/ den schreckt kein Ungewitter/
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Er weiß/ daß er gar viel bey seinem HErren gilt.
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Entschlaffner Senior/ und Diener seines Willen/
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Der für deß HErren Hauß und das Altar gewacht/
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Jm Reden ein Lactantz/ im Lehren gleich Cyrillen/
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Ambrosius an Witz/ Nyssenus an Bedacht/
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Du hast in deinem Dienst mit Ruhm dich so erwiesen/
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Daß dir auffs lieblichste das Loß gefallen ist.
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Die Demuth/ die Gedult wird noch bey uns gepriesen/
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Du Lehrer unsrer Zeit und Creutz-bewehrter Christ.
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Nun ist deß Joches Last von dir gantz weggenommen/
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Aus Hecken schreitest du auff eine Rosen-Bahn.
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Es ist dein Lebens-Schiff jetzt an den Hafen kommen/
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Du ländest bey dem Haupt der guten Hoffnung an/
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Und wirffest Ancker ein bey dem gelobten Lande/
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Worzu das heilige Creutz dir hat den Weg gezeigt/
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Und lebst gantz Kummer-loß in einem solchen Stande/
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Der alle Pracht der Welt und Hoheit übersteigt.
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Dein Lohn ist gar zu reich: Du hast des Reichthums Fülle/
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Da Menschen-Schätze nur seyn ein verdammter Koth.
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Dein Lohn ist gar zu schön: An statt der leinen Hülle
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Ziehrt dich ein solch Gewand/ das mehr als Purpur roth.
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Dein Lohn ist gar zu groß: unendlich/ unermessen.
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Ach unsre Sterblichkeit begreifft die Würden nicht!
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Die ein getreuer Freund noch umb dein Grabmal flicht.
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Geh’ ein/ O frommer Knecht/ zu deines HErren Freude/
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Er will nicht ohne dich/ und du ohn ihn nicht seyn.
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Jhr aber/ die ihr seyd versenckt in tieffstem Leyde/
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Aus Eh’ und Kindes-Pflicht bentzt den Leichen-Stein:
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Denckt/ daß wer wolgedient/ der wird auch wol belohnet/
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Daß treue Lehrer sind in GOttes Augen groß.
103
Und daß er in dem Saal der höchsten Wonne wohnet/
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Da Elend und Gefahr uns dräuen manchen Stoß.
105
Es wird sein Seegen auch auff eure Scheitel tauen:
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Wer GOtt zum Freunde hat/ kan nicht verlassen seyn.
107
Die nur auff diesen Fels sich gründen und vertrauen/
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Die rafft kein Sturmwind nicht/ und schlägt kein Wetter ein.
109
Der liebste Vater ruht und hängt sein Angedencken
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Als ein Gedächtnüß-Bild in euren Seelen auff.
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Vor musten Creutz und Noth sein Leben nur umbschräncken
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Jetzt ziehret Lohn und Cron den wolbeschloßnen Lauff.