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Jetzt gehst du aus des Kerckers Nacht
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Und bist gantz frey/ die Fessel springen/
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Von Band und Ketten loß gemacht/
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Und kanst nun ein Triumf-Lied singen.
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Du schickst ja nur den Leib zu Grabe
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Den Leib/ der faulen muß ein Raub der Mott’ und Schabe.
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Dein Wohnhauß/ das so manche Noth
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Und heiß entbranter Schmertz bestritten/
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Darinnen du nicht einen Tod
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Ja wol viel tausend hast erlitten/
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Den Nothstall lässest du jetzt stehen
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Und wilst in ein Gemach wol aus zuruhen gehen.
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Ach freylich suchst du nichts als Ruh/
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Wenn dir nicht einen Schlaff ließ zu
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Die Gicht/ so peinlich dich gequälet/
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Und bey Verlauff so vieler Jahre
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Dein Bette dir verkehrt in eine Todten-Baare.
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Der Japoneser Folter-Banck/
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Und was von Martern nur zu finden/
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Jhr Singkod oder Höllen-Tranck
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Der durch sein Brennen pflag zu schinden/
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Sind Julep für den Angst-Geschirren
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Die täglich dich getränckt mit mehr als Gall und Myrchẽ.
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Wie nenn ich deine Lagerstadt
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Die zugericht von Dorn und Hecken?
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War es Jxions Marter-Rad?
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Der Felß wo Titius sich strecken
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Den Geyern muß zu neuen Plagen/
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Der täglich wird verzehrt und doch nicht weggetragen.
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Was Nero hat an Grausamkeit/
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Und Menschen Pein zu Rom begangen/
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Dem langsam Tödten ein Verlangen/
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Und Hertzens-Lust sehn in dem Sterben
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Wie sich der arme Mensch in letzter Angst muß färben.
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Das gliech doch deinen Schmertzen nicht
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Die schnelle Zeit macht offt ein Ende.
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Hier aber schnürte dir die Gicht
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So unauffhörlich Füß’ und Hände/
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Daß auch den unbelebten Steinen
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Dein Leiden ausgeprest Erbarmen/ wo nicht weinen.
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Was hast du anders angeschaut
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Als trübe Tag elende Nächte?
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So daß dir für dir selbst gegraut/
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Daß du geseuffzt: Ach wenn doch brächte
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Ein Bote mir die Post zu scheiden/
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Eh’ daß ich Gliedweiß muß so gar empfindlich leiden.
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Da war/ als wie der Plato lehrt/
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Dein Leib ein rechtes Grab zu heissen/
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Doch ob er täglich schon zerstört
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Durch foltern/ brennen/ stechen/ reissen;
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So wiech doch nie des Geistes Stärcke/
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Daß nicht Gedult verübt die grösten Wunder-Wercke.
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Dein Bette war dein Kämpffer-Platz
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Nicht umb vergänglich Gut und Gaben/
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Du wustest daß der Seelen-Schatz
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Durch hartes Streiten nur zu haben
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Und daß der Feind braucht alle Rencke/
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Daß er durch Tück und List uns zuberücken dencke.
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Daß des Aleidens Helden-Hand
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Erleget die zwölff Ungeheuer/
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Und so den Weg zum Himmel fand/
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Zuvor verzehrt von Glut und Feuer/
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Diß ist wie Fabeln aus zulachen:
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Du hast mit mehr gekämpft als Löwen/ Tygern/ Drachẽ.
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Ja wie ein hurtig Ritters-Mann
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Geläutert durch deß Crentzes Hitze
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Mit Tapfferkeit gewapffnet an/
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Verlacht des Feindes Höllen Blitze/
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Weil in des Heylands Purpur-Wunden
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Du da dein Sieges-Fahn und Feld-Panier gefunden;
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Jetzt führst du im Triumph den Tod
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Und hast den Schmertzen obgesieget/
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Du siehst wie aller Kranckheit Noth
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Nunmehr zu deinen Füssen liget.
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Wie nach dem ausgestandnem Wachen
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Dem Winseln und Geschrey/ Frolocken folgt und Lachen.
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Laß doch nur in der Erden Schos
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Den Leib verzehren Fäul und Schimmel;
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Die Seele steiget Kercker-loß
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Weit über die gestirnten Himmel/
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In jenem grossen Licht zu wohnen/
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Und der du Ketten trugst prangst itzt in Sieges-Kronen.
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Der über uns pflegt zu gebieten
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Heist sie zwar einen Thränen-Guß
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Bey ihres Eh-Herrn Grab ausschütten/
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Doch wird er auch dabey diß sagen/
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Daß man nur mit Gedult soll seine Satzung tragen.
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Wiewol diß Kleinod ihr bekandt
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Und es ihr Liebster muste preisen/
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Wenn sie bey seinem schweren Stand
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Jhm alle Treu pflag zu erweisen/
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Und durch viel Wartung und viel Mühen/
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Sein Heil wolt ihrem Heil und Leben gar vorziehen.
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Deß Ehmanns Asche hat getruncken;
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Ach sein Gedächtnüß stehet da
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In ihrer Seelen unentsuncken/
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Er wird in ihrem Hertz stets einen Tempel haben.
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Sein Name blüht bey vielen noch
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Die ihm durch Freundschafft sind verbunden/
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Betrübtste Frau/ sie gönn’ ihm doch
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Daß er so seelig überwunden.
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Er kan in reiner Freyheit schweben
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Da wir im Fleisch und Blut hier als Gefangne leben.