Das Land des Friedens/ Bey Beerdigung Jfr. A. M. F. den 26. Febr. 1679. entworffen

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Heinrich Mühlpfort: Das Land des Friedens/ Bey Beerdigung Jfr. A. M. F. den 26. Febr. 1679. entworffen (1686)

1
Jn deiner Todes-Noth/ in deiner letzten Stunde/
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Da Leib und Seele ringt und scheiden soll von hier/
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Rufft dir dein Heyland zu aus seinem wahren Munde:
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Geh’/
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Du
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Kein Harff- und Lauten-Klang klingt so in deinem Ohr.
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Du Himmels-werthe Braut/ was gleicht sich deinen Ehren/
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Nun dir Jerusalem schleust auff sein Frieden-Thor?
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Geh’ ein/ als Siegerin/ in keuschen Lorbeer-Kronen/
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Tritt unter deinen Fuß die Hecken dieser Welt.
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Wir müssen noch allhier in Dorn und Disteln wohnen/
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Da du als Schwester bist den Engeln zugesellt.
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Man sage was man wil/ es ist doch hier kein Friede/
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Nun sich der Erden-Kreiß in nichts als Blute wäscht/
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Nun auch die Sonne mehr ihr Licht zu leihen müde/
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Und nicht die weite See des Krieges Flammen lescht.
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Wo nur von Schwerdtern klingt Sud/ Westen/ Ost und Norden
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Und Eyd und Bündnis nicht die grimmen Waffen hält.
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Wo nur ein Zeit-Vertreib Verwüsten/ Brennen/ Morden/
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Und Kron und Scepter feil umb das verdammte Geld.
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Wo/ sag ich/ nicht genung/ daß gantze Länder Leichen/
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Daß wie ein todtes Aaß die Städte sind verheert/
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Und daß kein Platz mehr leer von solchen Jammer-Zeichen/
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Wo nicht Bellonens Spieß und Blut-Fahn eingekehrt.
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Nein/ was noch ärger ist das innre Seelen-Streiten/
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Die Unzufriedeuheit/ die uns zu Boden schlägt/
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Ist noch viel hefftiger/ als die bedrängten Zeiten/
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Mit wie viel Martern sie auch immermehr belegt.
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Der Mensch ist stets im Streit/ muß mit Begierden kämpffen/
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Umbschantzt mit Hoffnungen/ geschreckt von Furcht uñ Qual/
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Und eh’ er einen Feind der Reitzungen wird dämpffen/
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So führt der ander ihn schon in ein Trauer-Thal.
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Auch unser Fleisch und Blut wird nicht getreu verbleiben/
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Wie vielmal lockt es uns bloß zum Verderben an.
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Wie wird uns Schmeicheley nicht auff die Höhen treiben
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Wo man vor Sturtz und Fall sich schwerlich hüten kan.
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Und was hegt doch die Welt/ die schnöde Welt/ vor Frieden?
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Den bloß der Eigen-Nutz zusammen hat geleimt.
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Hat Bunds-Genossen nicht verborgner Haß geschieden/
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Wenn offt nur einem Theil was über Nacht geträumt.
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Drumb wohl dem! wer da kan aus diesen Landen eilen/
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Die wie Toscanien voll Schirlings-Blumen stehn.
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Wer sich bey dem Napell der Welt nicht darff verweilen/
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Und dem ihr tödlich Gifft nicht darff zum Hertzen gehn.
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Verblaste
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Hat deinem Wunsche nach dich GOttes Hand geführt.
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Da du den Frieden-Fürst auff seinem Thron kanst schauen/
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Der dich als Bräutigam mit seinen Palmen ziert.
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Da stehest du vor ihm/ sein außerwehlte Taube/
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Kein Flecken ist mehr da/ du bist vollkommen rein/
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Und durch sein Blut gefärbt ein edle Purpur-Traube/
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Ja Schwester/ liebe Braut/ und so was mehr kan seyn.
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Du keusche Lilie/ itzt blühstu sonder Hecken/
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Jtzt baustu ein solch Land/ da Milch und Honig fleust/
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Er wil dich vor Gefahr mit seinen Rosen decken/
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Daß keiner Schmertzen Dorn dich weiter nicht zerreist/
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Der Winter ist vorbey/ die kalte Todes-Schatten/
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Der Kranckheit bleicher Frost/ der Thränen Schnee zergehn.
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Schau doch in diesem Land die Blumen auff den Matten/
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Wie Wein und Feigen-Bäum in voller Blüthe stehn.
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Du Friedens-Tochter du in jenem grossen Reiche!
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Du Sarons-Blume du in GOttes Paradeiß/
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Gib doch den mürben Leib/ die abgezehrte Leiche/
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Daß sie der Tod verzehrt durch seinen letzten Schweiß.
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Dein unbefleckter Geist schwebt itzt in solchen Freuden/
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Die nie kein menschlich Ohr und Auge hat gesehn.
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Es wil dein JEsus dich in nichts als Rosen weiden/
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Und seiner Gnaden-West auff deine Scheitel wehn.
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Sein Friede macht dich groß/ Heil/ Wonne/ Lust und Seegen
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Bewässert wie ein Strom dein Frieden-reiches Land.
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Geneuß den hohen Lohn/ weil du auff rechten Wegen
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In wahrer Gottesfurcht den Schöpffer stets erkannt/
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Der wandelt auch anitzt in Perlen deine Zähren/
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Und schenckt dir einen Schmuck/ dem nichts auf Erden gleich.
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Es ist nunmehr erhört dein Hoffen und Begehren/
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Verklärte Siegerin/ in dem besternten Reich.
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Du mustest deinem GOtt ein Frieden-Kind gefallen/
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Weil du von Jugend auff gehalten sein Gebot.
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Dein eintzig Eyfer war in Tugenden zu wallen/
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Witz/ Demuth und Verstand dein erstes Morgen-Roth.
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Du hast nur GOtt geweyht die Blumen deiner Jugend/
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In Zucht und Frömmigkeit des Lebens-Lauff vollführt.
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Man hat der Eltern Gütt’ und angestammte Tugend
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In jedem Tritt und Schritt gantz sichtbarlich gespürt.
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Es gab dein kluger Witz den lockenden Sirenen
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Der Falschheit-vollen Welt im Hertzen keinen Platz.
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Die Unschuld muste dich mit ihren Lilgen krönen/
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Und über alles war dein Heyland nur dein Schatz.
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Wie freudig hastu den umbhalset und umbfangen!
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Wie sehnlich hastu nicht gewartet auff sein Heil!
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Und bist mit Glaubens-Oel entgegen ihm gegangen/
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Auff daß du hast erlangt das auserwählte Theil.
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Ach kluges Jungfern-Bild! jetzt ruhstu gantz in Frieden/
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Da Auff- und Untergang gemeinen Nutz zerstört.
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Du läst die Sterblichen in Angst und Thränen sieden/
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Und bist als wahre Braut vor GOttes Stul geehrt.
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Was nur von Blum-Werck kan zu deinem Grabe dienen/
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Soll dir zur letzten Ehr aus Pflicht geheil’ get seyn/
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Und dein Gedächtnüß wird in unsren Seelen grünen/
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Bis daß uns auch bedeckt ein kalter Leichen-Stein.
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Sie aber/
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Mit nassen Augen folgt/ bekämpffe Schmertz und Leyd/
103
Und dencke/ daß sie nun
104
Da uns noch auff der Welt beängstet Krieg und Streit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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