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Wird deine Börse denn nun eine Todten-Bahre?
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Fängst kein Journal mehr an in diesem Neuen Jahre?
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Stöst eine größre Reis’ und Wechsel dir bevor:
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Ach ja/ du eilst hinweg Herr Oehmen zu empfangen/
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Der jene Messe schon des Lebens-Marckt beschloß/
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Und in die Ewigkeit dir ist vorangegangen/
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Wo er sein Capital macht unbeschreiblich groß.
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Da sol dein Hauptstam̃ stehn: Du magst der Welt nicht trauen/
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Die nur Betrügerey an statt der Zinsen gibt.
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Du wilst im Himmel dort den Scontre-Platz dir bauen/
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Wo Treu und Glauben man für Tonnen Goldes liebt.
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Der Tod ist dein Senzal/ und bringt dir diß zu wege/
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Was keine Factorey der Menschen je verkehrt.
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Du weist wie so genau er alles überlege/
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Und daß er nach dem Schluß die Ewigkeit gewehrt.
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Ists möglich/ daß zwey Freund einander schleunig missen/
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Und in vier Monat-Frist einander wieder sehn:
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Da ihr Verbündnüß wird auff nimmermehr zerrissen
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Und ihre Handelschafft kein Zufall kan verdrehn.
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Jhr habt ja beyde nun das höchste Gut erhandelt/
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Erlangt den Seelen-Schatz/ dem kein Gewin sich gleicht/
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Und vor der gantzen Welt schlecht und gerecht gewandelt/
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Daß auch der wahre Ruhm nicht von dem Grabe weicht.
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Lasst was Vesputz durchkreutzt und Magellan entdecket/
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Und wo Columbus erst mit seinen Segeln lieff/
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Der Gold-ersoffnen Welt zum End-Ziel seyn gestecket/
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An einem sichrern Port ländt euer Glaubens-Schiff.
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Es mag das Alterthum von seinem Argo sagen/
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Wie es das göldne Fließ von Colchos hergebracht:
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Das Lamm/ das alle Schuld der Sterblichen getragen/
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Hat an Vermögen euch mehr reich und groß gemacht.
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Was sind die Güter doch/ die wir hier Reichthum nennen:
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Ein Leim/ an dem gar offt der Seelen Flügel klebt.
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Ein Feur/ das wärmen kan/ doch aber auch verbrennen/
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Ein Garn/ das meistentheils den Untergang uns webt.
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Was kan uns Indien an Schätzen doch gewehren?
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Nicht Silber/ Geld und Gold macht uns vom Tode frey.
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Was Unfall/ Glück und Zeit mit ihrem Zahn verzehren/
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Bejahet wol kein Mensch/ daß es beständig sey.
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Die Tugend ists allein/ die keinen Wechsel kennet/
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Die euch Verblichene zusammen hat gepaart/
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Und die auch nicht der Tod/ der alles löset/ trennet/
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Und beyde holet heim durch eine Wunder-Fahrt.
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So hat nicht Pythias dem Damon sich verpfändet/
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Noch des Orestes Treu den Pylades geehrt/
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Als ihr Hertz/ Seel und Geist zusammen stets gewendet/
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Und eurer Liebe-Brand in gleicher Gluth vermehrt.
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Bleibt dieser Haupt-Satz wahr: Daß mehr als unsre Ohren/
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Mehr als die Augen sind ein Hertz-vertrauter Freund:
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So schien’t vom Himmel ihr nur bloß dar zu erkohren/
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Daß beyder Neigungen und Hertzen stets vereint.
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Und wie Antigonus dort in den Sand einschriebe:
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Fleuch/ Mithridates/ fleuch/ entweiche der Gefahr:
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So rüff Herr Oehm zu letzt aus ungefärbter Liebe:
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Wie fertig folgst du nun/ Erblaster/ seiner Leiche/
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Wie freudig werdet ihr einander wieder schaun.
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Umbzirckt mit neuem Glantz in dem besternten Reiche/
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Wo nichts als Wonne wird auff eure Scheitel thaun!
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Und was geneust du wol/ entschlaffner Freund/ vor Freuden/
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Die keine Messe dir auf Erden geben kan.
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Kein Reichthum/ noch Gewalt/ noch Hölle mag dich scheiden
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Von diesem Gnaden-Blick/ indem du GOtt sihst an.
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Du wohnst in einer Stadt von Jaspis und Saphiren/
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Und siehest Sonn und Mond zu deinen Füssen gehn/
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Wo Gassen voller Gold/ die Thor von Perlen-Schnüren
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Und wo des Lebens-Holtz voll Früchte pflegt zu stehn.
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Wo klar wie ein Crystall der Strom des Heils entspringet/
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Und wo die Herrligkeit des Höchsten ewig leucht/
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Wo nie der Tag die Nacht/ die Nacht den Tag verdringet/
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Und keine Wechselung die Gräntzen je bestreicht.
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Da stehst du als ein Knecht/ der GOtt ist treu gewesen/
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Da hat der andre Tod an dir gar keine Macht/
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Da hörst du aus dem Buch des Lebens dich verlesen/
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Und wie dein Bürger-Recht im Himmel hoch geacht.
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Alleine sollen wir denn deiner Treu vergessen/
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Der Teutschen Redligkeit/ die ohne Falsch und Schein?
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Man lasse Faul’ und Würm den Rest der Glieder fressen/
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Wie vielen hast du nicht von Hertzen gern gedienet?
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Wie vielen stirbst du nicht/ ach leyder/ allzu früh?
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Es hat dein Wolfarths-Baum den Freunden stets gegrünet/
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Und sie genossen mit von deinem Schweiß und Müh.
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Dein Mund war nicht gewohnt die Reden zu ambriren/
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Die Laster musten nur bey dir stets Laster seyn/
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Und Tugend bliebst du hold; du liest dich nicht verführen/
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Kein Heuchler wiegte dich durch seine Boßheit ein.
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Wie schmertzlich wird dich nicht die Compagnie betrauren?
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Wie seufftzt das Armuth nicht nach deiner milden Hand?
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Wie ruffen Freunde nicht? Soll der nicht länger tauren/
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Der uns sein gantzes Hertz und Seele zugewandt?
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Wird das bestürtzte Hauß sich auch zu friede geben?
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Wie Manches Förderung und Wolfarth fällt dahin!
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Ach daß er muß so bald zu den Verbliechnen ziehn!
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Dein eintziges Gewerb ist jetzt die Ewigkeit.
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So schleust du den Bilanc. Es mag nun schallt- und walten
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Wen noch mit ihrem Gut die schone Welt erfreut.
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Wo aber bleibt dein Schatz? wird eines auffgenommen/
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Und muß das andere noch allhier verlassen stehn?
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Heist denn die Thränen-See/ in der ihr Hertz geschwommen/
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Und auch des Schwähers Wunsch dich nicht zurücke gehn?
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Vergebens macht sie sich durch Harm und Kummer bleich;
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Sie muß den Thränen-Strom nur durch Gedult zutämmen/