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Herr Oehm wird auff die Mess'/ ihr Leipziger/ nicht kom-
men/
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Umbsonst erwartet ihn Gewölbe/ Tisch und Haus.
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Und habt ihr noch zur Zeit die Ursach nicht vernommen?
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Er zahlt itzt der Natur den letzten Wechsel aus.
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Er macht itzt einen Schluß auff mehr als Millionen/
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Verkehrt sein fahrend Haab in ein beständig Gut.
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Gewinnt/ o Wunderwerck! an Pfennigen Duplonen:
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Ists möglich daß ein Mann so grosse Dinge thut?
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Und wohl dem der also die Conte hat gestellet/
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Wie richtig wird er nicht die letzte Stunde stehn!
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Ich weiß/ ihr Leipziger/ daß ihr das Urtheil fället:
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Herr Oehm hat ausgezahlt/ er mag nun weiter gehn.
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Und freylich geht er weg vom Jahrmarckt aller Sünden/
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Von der grundbösen Welt/ der Messe voller Trug/
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Wo ein neu Ungeheur von Lastern stets zufinden/
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Wo Weißheit närrisch ist/ und Narrheit weiß und klug:
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Wo wir den Kindern gleich mit Tocken-Spiele handeln/
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Wo wir bey Mangel reich/ und arm bey Reichthum seyn.
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Gleich Fechtern/ die geblendt nur in dem finstern wandeln/
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Und wechseln Kieß und Glaß vor Perl und Demant ein.
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Wo keine Flacke nicht steckt unserm Geld-Durst Gräntzen/
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Wo uns die Element nicht sattsam geben Zoll;
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Wo unsre Dürfftigkeit kein Zufluß kan ergäntzen
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Und jeder Platz und Raum ist von Banditen voll.
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Wo Worte sonder Werck/ und Wercke sonder Liebe/
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Wo ein verstelltes Hertz das Muster dieser Zeit.
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Wo Blicke Stricke sind/ und Minen solche Diebe/
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Die heimlich brechen ein durch Schertz und Freundligkeit.
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Wo in dem Eigen-Nutz das Hertze wird entbrennen/
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Und wenns am Nechsten kömmt/ ist Lieb und Wohlthat kalt.
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Wo wir die Balcken leicht bey uns/ nicht Splitter kennen/
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Und ändern nach dem Glück auch Sinnen und Gestalt;
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Wo wir an eignen Ruhm/ an GOtt sehr wenig dencken
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Und dessen Ehr und Furcht nur löblicher Gebrauch.
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Wo wir dem Teuffel Gold und fetten Storax schencken/
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Hingegen unserm GOtt der Sünden Dampff und Rauch;
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Wo jeder fehlen wil nur andern zugefallen/
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Wo Treu und Eydschwur nur ein Mantel nach der Welt;
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Wo Honig in dem Mund und in dem Hertzen Gallen/
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Wo man sich zu dem Theil/ das obgesieget/ hält.
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Wo Deutsche Redligkeit ein Povel von den Wahren/
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Die ein verschmitzter Mann zu sehen nicht begehrt;
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Wo Arglist und Finantz bedächtiges verfahren/
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Und wers am besten kan/ der ersten Stelle werth:
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Wo aller Uppigkeit befreyte Niederlage/
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Wo man die Tugend aus/ die Laster führet ein.
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Wo der Gerechtigkeit gantz umbgekehrte Wage/
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Und/ was gleich vormals recht/ kan dennoch recht nicht seyn:
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Wo man nichts anders packt als schlimm’ und falsche Ballen/
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Und mit der Ladung noch die Gräntzen überstreicht:
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Wo Sünden insgemein/ die schwerer als Metallen/
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Der Menschen leichter Sinn nicht einem Quintlein gleicht.
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Wo kein beständig Gut Bestäter können dingen/
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Was unverweßliches ein Fuhrmann laden kan;
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Wo kein Vermögen nicht uns je Gewinn wird bringen/
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Und wo das Capital man nur legt übel an.
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Von diesem Marckt der Welt/ von solcher Greuel-Messe
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Verkehrt den Freuden-Baum in eine Traur-Cypresse
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Und gibt den Seinigen den letzten Abschieds-Kuß.
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Nicht daß er ferner wil zu ihnen wiederkommen/
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Der Wechsel ist zu groß und der Gewin zu hoch.
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Nein/ wer des Himmels Sitz und Erbtheil eingenommen
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Denckt nicht mehr an die Welt und an ihr irdisch Joch.
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Beglückter Handels-Mann/ der so die Gütter führet
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Daß er das höchste Gut darbey erlangen kan:
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Der seine gantze Zeit den Glauben nie verliehret
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Und stellt gerecht und schlecht den Hand- und Wandel an.
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Er findt ins Lebens-Buch sich überall geschrieben/
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Es raubt noch Höll- und Feind das ihm versprochne Gut.
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Und ist von Schwachheit je und Sünden noch was blieben/
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So hat dafür genung gethan des Heilands Blut.
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Was hülffes sonst den Mensch viel Schätze zugewinnen/
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Wenn er dabey Verlust an seiner Seelen fühlt?
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Muß nicht das Gut der Welt wie eine Fluth zerrinnen?
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Wohl dem/ der hier den Zweck der Ewigkeit er zielt.
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Beglückter Handels-Mann/ der erst was oben suchet/
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Der ein warhafftig Lob läst bey gemeiner Stadt/
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Daß niemand seinem Grab/ und seiner Asche fluchet
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Noch etwas wiedriges darauff zu sprechen hat!
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Herr Oehmens Redligkeit war ohne Schuld und Flecken/
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Indem kein falsches Wort von seinen Lippen ging/
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Er pflegte sein Gemüth und Hertz nicht zuverstecken/
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Treu war sein Wapen-Schild/ Beständigkeit sein Ring.
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Die Moden von der Zeit/ die Masquen von Gebehrden
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Das schien ein Gauckel-Spiel in seinem Deutschen Blut.
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Und obschon Laster itzt zu Sitten wollen werden/
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So war der Phantasey sein redlich Hertz nicht gut.
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Es wird manch werther Freund noch diesen Freund vermissen:
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Klagt itzt das Armuth nicht/ sein Vater sey dahin.
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Der leicht nicht was versagt/ ist allzu früh entrissen.
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Wo ist die freye Hand/ wo sein mitleidig Sinn?
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Wie aber sol ich itzt des Hauses Leid entdecken?
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Wem schick ich erstlich Trost bey diesen Wunden zu?
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Die Liebste seufftzt und girrt/ wie eine Taub’ in Hecken/
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Die ihren Gatten sucht/ und findet nirgend Ruh.
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Die Kinder schliessen gleich bethränt des Vatern Augen/
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Und thun die letzte Pflicht nach der Natur Geheiß.
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So geust auch Kindes-Kind was von der Zähren-Laugen;
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Und hängt der Regung nach/ die sie kaum kennt und weiß.
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Gar keinen mangelt Zeug von seiner Noth zuklagen/
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Allein mein Trost ist kurtz in diesen Reim gefast:
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Was GOtt hat aufferlegt/ das lerne man doch tragen/
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Je mehr man es empfind’t je schwerer ist die Last.
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Herr Oehm geht Ehrenvoll bey den begrauten Haaren
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Ins Grab/ sein Schlaffgemach/ und Haus der Sicherheit/
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Läst Erbenhinter sich/ die seinen Ruhm bewahren/
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Den Sohn dem Phöbus hat den Lorber-Krantz geweyht.
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Sein Wandel der verdients daß man ihn nicht vergesse/
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Sein Angedencken sol bey uns geheiligt seyn:
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Herr Oehm/ ihr Leipziger/ kommt nicht mehr auff die Messe/
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Räumt einem andern nur Gewölb und Kammer ein.